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Ines Schmidt

LINKE 29.06.2023 Sitzungen 19/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Gäste! Diese unangebrachte Debatte um das Gendern, die immer wieder von Männern angefacht wird, die eigentlich keine neuen Ideen für die Zukunft haben, haben wir unserem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner zu verdanken. Er sprang beherzt über das Stöckchen, das ihm die AfD hinhielt. Das war super! Gleich nach Ihrer Wahl tönten Sie, Herr Wegner: Ich möchte gern das Deutsch sprechen, das ich in der Schule gelernt habe Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Herr Wegner, aber als Sie die Schule besucht haben, also damals, wurden unverheiratete Frauen noch Fräulein genannt, war sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ein Kavaliersdelikt und war die Vergewaltigung in der Ehe noch nicht strafbar. Diese Zeiten sind zum Glück – zum Glück! – vorbei. [Beifall bei der LINKEN, der SPD und den GRÜNEN – Antonin Brousek (AfD): Hoho!] Sie verstehen es leider nicht: Die Erde hat sich seitdem weitergedreht. Ich möchte Sie, Herr Wegner, und die AfD – vielleicht können Sie heute mal zuhören – auf den neuesten Stand bringen. [Zuruf von Gunnar Lindemann (AfD)] 1982, vor 40 Jahren, also nicht gestern und nicht vorige Woche, sondern vor 40 Jahren [Zuruf von Gunnar Lindemann (AfD)] – Hör zu! Du kochst doch hier keine Gulaschsuppe. Hör einfach zu! – [Beifall bei der LINKEN, der SPD und den GRÜNEN] verabschiedete der Deutsche Frauenrat eine Resolution gegen die Diskriminierung von Frauen in der Gesetzessprache. Im Januar 1990 ist die Arbeitsgruppe Rechtssprache des Deutschen Bundestages schon zu dem Ergebnis gekommen, dass die männliche Rechtssprache überkommene gesellschaftliche Strukturen verfestigt, weitere gesellschaftliche Veränderung behindert beziehungsweise überhaupt nicht zulässt. 2001 bringen alle Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck, im Übrigen verankert im Bundesgleichstellungsgesetz. 2002 wurde die gendergerechte Sprache in den Gewerkschaften fest verankert. 2007 haben unsere landeseigenen Unternehmen Dienst- und Betriebsvereinbarungen zur Anwendung der gendersensiblen Sprache abgeschlossen. Seit nunmehr 40 Jahren wird in ganz Deutschland dafür gesorgt, dass die Geschlechtergerechtigkeit auch in Form der Sprache sichtbar wird, [Antonin Brousek (AfD): Geschlechtergerechtigkeit!] denn wie wir alle wissen, bildet die Sprache nicht nur gesellschaftliche Strukturen ab, sondern sie prägt auch unsere Wahrnehmung. Ich frage mich wirklich: Wollen Sie wirklich in einer so diversen, bunten Stadt, Herr Wegner – Sie sind ja eigentlich der Regierende Bürgermeister –, 40 Jahre zurückgehen? Gender ist Sprache, und Sprache ist ein Grundelement von Respekt. Und niemand, aber auch niemand hier in diesem Saal und draußen in ganz Berlin würde zulassen, dass irgendjemand die Tochter, die Schwester, die Frau oder die Mutter respektlos behandelt. [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Es ging immer darum, die Frauen als Mehrheit der Bevölkerung sichtbar zu machen – übrigens in Berlin 51 Prozent, falls das niemand weiß – und eine sprachliche Gleichstellung herzustellen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Also werden Sie, Herr Wegner, bitte Ihrem Amt gerecht! Diese geile, tolle Stadt, die total divers ist – sorgen Sie mit dafür, dass diese Gendersprache auch in der Verwaltung ankommt, denn Verwaltungssprache, die auf Respekt und Anerkennung beruht, spricht alle an. – Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD – Zurufe von der LINKEN: Wuh!]

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