Karsten Woldeit
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Gästetribüne, insbesondere die Delegation der Athletinnen und Athleten! Erst mal herzlich willkommen! Ich wollte anders anfangen, aber, Frau Schubert: Sie haben kritisiert, dass die Koalition dieses Thema heute zur Aktuellen Stunde anmeldet. Sie haben es kritisiert, weil Sie heute in der Aktuellen Stunde gerne aus Ihrer Sicht wichtigere Themen beraten hätten. Sie sprachen das Thema Enteignung an. Ich gebe Ihnen Recht, dass es in der Tat Themen gibt, die die Menschen in der aktuellen Zeit bewegen: Inflation, Energiekrise und Ähnliches. Es läuft in Berlin wirklich nicht immer alles rund. Ich glaube sogar, die wenigsten Dinge laufen rund, aber wenn es mal gelingt, ein hervorragendes Sportereignis auf die Beine zu stellen, das so viel Euphorie, Leidenschaft und Freude in diese Stadt bringt, das Berlin nach außen wirklich mal positiv dastehen lässt, dann hat es das Thema verdient, ganz prominent in der Aktuellen Stunde behandelt zu werden. [Beifall bei der AfD] Ich erinnere mich noch an die letzte Sitzung des Sportausschusses. Das war unmittelbar vor der Eröffnung am Samstag. Dort hatten wir in einer Anhörung den Geschäftsführer der Special Olympics Philipp Bertram und Herrn Silbersack zu Gast, die uns Rede und Antwort gestanden haben. Ich war beeindruckt. Ich war beeindruckt von der Euphorie, die die beiden Menschen ausgestrahlt haben, von der Vorfreude. Ich habe mir selbst die Frage gestellt: Meine Güte, wir haben jetzt nach den Olympischen Spielen 1972 das wahrscheinlich vergleichbar größte Sportevent in Deutschland. Die sind ja gar nicht nervös! Ich erinnerte mich: Drei Wochen vorher habe ich – das ist im Vergleich so gering, aber nicht minder wichtig, würde ich sagen – ein Fußballturnier der U12-E-Junioren mitorganisieren dürfen. Das waren ganze zwölf Mannschaften. Ich hatte mich auch bemüht, Profis von Turbine Potsdam zu bekommen und so weiter. Ich war unfassbar angespannt und nervös, ob das alles funktioniert, die App und Ähnliches, das Klein-Klein. Diese Professionalität unter diesem Druck – wenn ich überlege, man wusste: 7 000 Athleten aus 176 Nationen, diese Herausforderung. Ich habe die Staatssekretärin Böcker-Giannini immer wieder gefragt: Wie ist der Stand bei den Volunteers? –, weil ich mir nur schwerlich vorstellen konnte, dass es uns wirklich gelingt, 16 000, 17 000 Volunteers zu finden, diese Größenordnung hinzubekommen, die gesamten Kooperationen mit ganz großen Privatsendern. Ich habe mich in der Vorbereitung zu den World Games immer gefreut, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren bin. Ich habe die Werbung gesehen und Ähnliches. Es begann für mich – ich bin ja erst seit eineinhalb Jahren im Sportausschuss – mit den Special Games auf nationaler Ebene. Dort wurde ich logischerweise mit eingeladen. Auch da war ich schon von den Fähigkeiten beeindruckt, von dem Fußballturnier, von der Leidenschaft, von den Emotionen der Athleten, von der Freude. Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung haben es im Alltag definitiv nicht leicht, aber wenn man diesen Menschen eine Möglichkeit gibt, eine Sportveranstaltung wahrzunehmen, wo sie aus sich herauskommen, wo sie euphorisch sind – wenn Sie bei einer Siegerehrung dabei waren und gesehen haben, welche Emotionen dort kommen: Allein das macht es notwendig, dass wir das heute in der Aktuellen Stunde besprechen. [Beifall bei der AfD] Ich freue mich auch, dass wir dieses positive Signal nach außen gebracht haben. Die Zahlen sind schon genannt worden, aber ich wiederhole sie noch mal: 7 000 Athleten aus 156 Nationen, knapp 17 000 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland – schwerpunktmäßig aus Berlin –, 26 Sportarten und insbesondere eine unfassbar große Delegation aus Deutschland. Das wurde schon angesprochen: Wir haben zwar keinen Medaillenspiegel gehabt, aber ich gratuliere der deutschen Delegation zu 150 Medaillen! [Beifall bei der AfD] Es gab in der Tat Mittel aus dem Land und auch aus dem Bund. Das wird ja mitunter kritisiert, aber ich sage Ihnen auch: Wenn wir hier in dieser Stadt so ein Event haben, mit Sponsoren, mit Touristen, die natürlich auch zu uns kommen, wenn über 300 000 Karten verkauft werden, dann ist das auch ein Wirtschaftsmotor. Das ist ein Wirtschaftsmotor für Gaststätten, für die Hotellerie, für die Pensionen und Ähnliches. Das darf man nicht vergessen. Ich möchte aber trotzdem auch etwas Wasser in den Wein schütten. Im Bereich der Inklusionssportstätten hätten wir schon weiter sein können. Wenn ich an den Ludwig-Jahn-Sportpark denke: Da ist in der Vergangenheit viel versäumt worden. Diese Kritik müssen Sie sich selber anziehen, meine Kollegen von Rot und Grün! Das ist mitunter Ihre Verantwortung gewesen. Das dürfen wir nicht vergessen. [Beifall bei der AfD] Wenn wir schon so ein Event hatten, und wenn wir diese Strahlkraft haben, dann müssen wir diese Strahlkraft auch für zukünftige Veranstaltungen mitnehmen. Wir haben gezeigt, dass Berlin Sport kann. Ich hatte eingangs gesagt, Berlin zeigt immer wieder, wo es Schwächen hat, wo die Verwaltung nicht funktioniert, wo die innere Sicherheit erodiert, wo sich die Menschen im öffentlichen Personennahverkehr nicht sicher fühlen, wo wir Schienenersatzverkehr haben und Ähnliches, aber in einem Bereich – und Sie können sich vorstellen, dass mir dieser Kontrast als Innenpolitiker, als Sportpolitiker mitunter unglaublich viel Freude macht – ist Berlin wirklich hervorragend aufgestellt, und das ist der Sport. Das ist der Spitzensport in Berlin, das ist der Breitensport in Berlin – ich bin selbst ehrenamtlich aktiv –, da können wir Berlin auch durchaus mal loben. [Beifall bei der AfD] Wenn wir gezeigt haben, dass Berlin Großveranstaltungen kann – und das haben wir gezeigt –, dann müssen wir auch am Ball bleiben. Dann müssen wir auch zeigen, dass wir hier in Berlin weitere Großveranstaltungen haben wollen. Ich bin da ganz bei dem Kollegen Standfuß, und ich bin ganz weit weg von Ihnen, Frau Schubert! Ja, wir haben jetzt die Chance, uns für die Olympischen Spiele 2036 zu bewerben. Wir haben jetzt die Chance, etwas Großes auf die Beine zu stellen, das Berlin wiederum mit großer Strahlkraft nach vorne bringt, all Ihren Unkenrufen und Ihrem historischen Verdrehen zum Trotz. [Katina Schubert (LINKE): Fliegenschiss, ne?] Es kann doch wohl nicht sein, dass – obwohl wir alle eine tolle Zeit hatten; wir haben uns ja sehr oft bei den Events gesehen, am Brandenburger Tor, zusammen mit dem Landessportbund und Ähnlichem; übrigens auch ganz toll für Familien mit Kindern, ich war ja auch mit meinen Kindern unterwegs – wir so was schlechtmachen. Im „Tagesspiegel“ lese ich von Frau Schedlich, dass sie allein kritisiert, wie teuer das theoretisch werden könnte und dass das aus monetären Gründen nicht ginge. Nein, wenn wir ein positives Beispiel gehabt haben und dieses positive Beispiel weiter nach vorne bringen wollen und hier auch ein Stück weit Nachhaltigkeit im Sport haben wollen, dann nehmen wir diesen Schwung mit! Dann unterstützen wir hoffentlich alle gemeinsam unsere Olympia-Bewerbung für 2036/40 und ziehen da alle gemeinsam an einem Strang. – Ich danke Ihnen! [Beifall bei der AfD]
