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Lars Düsterhöft

SPD 29.06.2023 Sitzungen 19/33

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Sportlerinnen und Sportler auf der Tribüne! Sie haben es gemerkt, wir hier im Parlament von Berlin sind sehr stolz auf Sie. [Beifall bei der SPD und der CDU– Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN, der LINKEN und der AfD] Wir sind stolz auf Ihre tollen sportlichen Leistungen. Wir freuen uns sehr, dass Sie heute bei uns sind, und ich glaube, wir haben alle gemeinsam eine tolle Woche erlebt. Sie haben viele Medaillen geholt, Sie haben andere Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt kennengelernt, Menschen haben miteinander getanzt und gefeiert. Egal, ob jemand eine Beeinträchtigung hat oder nicht, alle haben zusammengehalten. Über 16 000 freiwillige Helferinnen und Helfer haben mitgemacht. Die Stimmung war einzigartig und bewegend. Die Special Olympics haben uns gemeinsam weitergebracht. Wir wollen diese Stimmung nutzen, damit künftig mehr Menschen mit Beeinträchtigung Sport machen, und wir wollen, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gut zusammenleben. Wir wissen, dass dafür noch sehr viel zu tun ist, und Sie sollen wissen, dass wir uns hier im Parlament für Sie und Ihre Belange einsetzen. [Beifall bei der SPD und der CDU – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Dr. Kristin Brinker (AfD) und Karsten Woldeit (AfD)] Aber tatsächlich haben wir gemeinsam noch viele Hürden abzubauen. Wir haben in der vergangenen Woche ein Sport- und Begegnungsfest der Superlative in Berlin erlebt, das von der Eröffnungsfeier im Olympiastadion bis zum Abschluss am Brandenburger Tor getragen wurde von der Begeisterung von 7 000 Athletinnen und Athleten, ihren Begleitpersonen und Familien sowie von unglaublich hilfsbereiten Freiwilligen. Weit über 300 000 verkaufte Eintrittskarten zeigen auch: Die Veranstaltung wurde von den Berlinerinnen und Berlinern und darüber hinaus hervorragend angenommen und mit Leben erfüllt. Mein Dank gilt dem Organisationskomitee unter Leitung von Sven Albrecht, das die Veranstaltung auf den Punkt organisiert hat. Die Sportverwaltungen des Landes Berlin und des Bundes haben ebenso hervorragende Arbeit geleistet. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei der CDU – Beifall von Dr. Bahar Haghanipour (GRÜNE) und Karsten Woldeit (AfD)] Ein bisschen Eigenlob muss auch sein: Vielen Dank auch an die Runde und die Abgeordneten im Bundestag, denn letztendlich haben diese Abgeordneten – und auch wir – das nötige Kleingeld zur Verfügung gestellt. Mit der Veranstaltung ist ein insgesamt achtjähriger Prozess an sein Ende gekommen, von dem wir von Anfang an gesagt haben, dass die Special Olympics nicht nur ein einmaliges Sportereignis sein dürfen, sondern nachhaltig für den Abbau von Barrieren und für mehr Inklusion genutzt werden müssen. Menschen mit sogenannten geistigen und Mehrfachbehinderungen kommen so wenig im Sport an wie keine andere Zielgruppe. Nicht einmal 10 Prozent treiben regelmäßig Sport. Dabei haben es die vielen Interviews mit Athletinnen und Athleten gezeigt: Sport schafft Begegnung, gibt Selbstvertrauen und macht selbstständiger. Deshalb lohnt es sich, die inklusiven Strukturen zu stärken. Wir haben hierzu mit dem letzten Haushalt begonnen, den Verband Special Olympics Berlin zu fördern, der die notwendige Vernetzung organisiert und die Expertise hat, wir fördern schon heute niedrigschwellige Sportangebote wie „Sport im Park“, die auch gut für Menschen mit Lernbeeinträchtigung geeignet sind, und wir wollen die Vereine unterstützen, die sich auf den Weg gemacht haben, inklusive Sport- und Bewegungsangebote zu machen und Menschen mit Lernschwierigkeiten in den Vereinsalltag zu integrieren. Dabei sollten wir auf das Knowhow der Vereine zurückgreifen, die das heute schon hervorragend machen. Ich denke da beispielsweise an Pfeffersport oder die Karower Dachse. Wir müssen mehr Sporthallen und Plätze so gestalten, dass sie inklusiv sind. Das sind oftmals Kleinigkeiten wie vernünftige Wegeleitsysteme, einfache Beschriftungen, ruhige Farbgebungen – Kleinigkeiten, die oft nicht viel kosten, aber tatsächlich einfach einmal bedacht werden müssen. Diese Barrierefreiheit von öffentlichen Sporthallen müsste uns dank der UN-Behindertenrechtskonvention eigentlich seit 15 Jahren eine Verpflichtung sein. Unsere Gesellschaft, unsere Verwaltung und wir als Abgeordnete nehmen diese Verpflichtung aber nicht ernst genug. Ob im Sport, auf Kinderspielplätzen, in unseren Schulen, in unserer Arbeitswelt oder bei nicht funktionierenden Fahrstühlen oder Rolltreppen: Unsere Gesellschaft ist noch immer nicht inklusiv. Wir sind in großen Teilen exklusiv. Das inklusive Denken fällt uns oftmals sehr schwer. Ich bin aber sicher, dass die Special Olympics einen riesigen Anteil daran haben, dass dieses Thema stärker in den Vordergrund gerückt wurde und auch in Zukunft wird. Sport gehört für die meisten von uns irgendwie zum Alltag dazu, mal mehr, mal weniger. Für die Athletinnen und Athleten der Special Olympics aber ist der Sport fast immer das Tor zu einem besseren Leben. Fast alle, die als Athletinnen und Athleten in Berlin teilgenommen haben, haben auch das Programm Healthy Athletes durchlaufen und an insgesamt acht Stationen gesundheitliche Beratung bekommen. Wir reden von einer Zielgruppe, die sich oft nicht ausreichend verständlich machen kann und die in vielen Ländern der Welt zudem auf mäßig entwickelte Gesundheitssysteme trifft. Die Folgen sind Schuhe in der falschen Größe, schlechte Zähne, Übergewicht, falsche oder gar keine Sehhilfen, fehlende Hörgeräte – Basics, könnte man meinen. Es sind diese Geschichten, die mich besonders berührt haben zu hören: eine Athletin, die hier unbedingt eine Medaille holen wollte, aber viel glücklicher darüber war, dass sie nach vielen Jahren erstmals eine passende Brille hat. Über 3 000 Brillen konnten mithilfe von Sponsorinnen und Sponsoren während der Spiele gefertigt werden – über 3 000! [Beifall bei der SPD und der CDU – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Dr. Manuela Schmidt (LINKE), Katina Schubert (LINKE) und Dr. Kristin Brinker (AfD)] Oder die Geschichte einer Sportlerin, bei der durch die Untersuchung der Ohren herausgekommen ist, dass sie schlicht fast nichts hört. Sie erhielt ein Hörgerät und hört erstmals nach vielen Jahren wieder richtig. Kaum zu glauben! Da braucht man dann, glaube ich, auch gar keine Medaille mehr zu gewinnen; da ist das Hörgerät das größte Geschenk überhaupt. Insgesamt wurden – ebenfalls durch Sponsorinnen und Sponsoren – über 500 neue Hörgeräte ausgegeben, und somit wurde die Lebensqualität nachhaltig verbessert. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei der CDU und den GRÜNEN] Seit den Olympischen Spielen von 1972 waren die Special Olympics eine der größten Sportveranstaltungen in Deutschland, ganz gewiss hier in Berlin. Wir haben ein großes Sportfest erlebt, bei dem Freundschaft und Begegnung im Mittelpunkt standen und sportliche Höchstleistungen erbracht wurden. Viele Familien haben uns erzählt, aber auch wir selbst haben es ja gemerkt, wie beeindruckt wir und sie von Berlin waren und sind. Und sie wollen auch wiederkommen: Bilder aus einem bunten und freundlichen Berlin sind mal wieder um die Welt gegangen – eine sehr schöne Sache. Die Geschichte des Berliner Olympiageländes sowie die Nutzung des Sports und der Spiele von 1936 für die Hitler-Propaganda dürfen und werden wir aber niemals vergessen. Aber – und das ist das Wichtige und das Schöne – 2015 haben im Olympiapark mit der Eröffnungsfeier in der Waldbühne die Maccabi Games, die Weltspiele der Sportlerinnen und Sportler jüdischen Glaubens, stattgefunden. Und jetzt, 2023, sind nun Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt mit Beeinträchtigungen in das Olympiastadion eingelaufen. Was für eine Wendung der Geschichte, dass in den Monumenten von einst heute die Menschen Sportfeste feiern, die von den Nazis entmenschlicht, verfolgt und vernichtet wurden. Was für eine tolle Geschichte! [Beifall bei der SPD und der CDU – Beifall von Daniela Billig (GRÜNE) und Dr. Bahar Haghanipour (GRÜNE), Dr. Klaus Lederer (LINKE) und Dr. Kristin Brinker (AfD)] Berlin hat einmal mehr gezeigt, dass es große Sportveranstaltungen organisieren und auch leben kann und wie viel Sportfeste zur Begegnung und Verständigung auf der Welt beitragen können. Solche Chancen sollten wir gemeinsam auch in Zukunft nutzen. – Haben Sie vielen Dank! [Beifall bei der SPD und der CDU]

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