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Franziska Brychcy

LINKE 15.06.2023 Sitzungen 19/32

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Lehrkräftemangel ist verheerend. Zu Beginn des laufenden Schuljahres konnten 875 Stellen nicht besetzt werden, und im kommenden Schuljahr werden es knapp 1 500 sein. Wir sind auch noch gar nicht an der Spitze des Eisbergs angekommen. Laut der neuen Lehrkräftebedarfsprognose des Senats wird die Lücke bis 2026 sogar noch auf 2 500 anwachsen. Ein Drittel der neu eingestellten Lehrkräfte sind aktuell Quereinsteigende. Wir begrüßen sehr, dass mit der vorliegenden Gesetzesänderung eine Rechtsgrundlage für die berufsbegleitenden Studien beziehungsweise den Quereinstieg für Lehrkräfte geschaffen wird. Das Verwaltungsgerichtsurteil von Januar hat die Dringlichkeit noch mal unterstrichen, dass der Zugang und die Prüfungsverfahren des Quereinstiegs rechtlich geregelt werden müssen. Die vielleicht wahlkampfbedingte Panik der CDU damals, dass gegebenenfalls die Notengebung für Tausende Quereinsteigende in Gefahr gewesen sei, hat sich ja nun nicht bewahrheitet. Trotzdem ist es gut, wenn hier endlich Rechtssicherheit geschaffen wird. Natürlich wünschen wir uns, dass perspektivisch auch wieder ausreichend grundständig an den Hochschulen ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Wir diskutieren auch gerade die Kapazitäten und Zielzahlen für Lehramtsabsolventinnen und die nötigen Mittel dafür anlässlich der Hochschulvertragsverhandlungen, denn wir müssen dahin kommen, dass Berlin endlich wieder bedarfsdeckend ausbildet, das heißt, 3 000 Lehrkräfte. [Beifall bei der LINKEN] Ansonsten werden wir die eklatante Lehrkräftelücke nicht schließen können, auch nicht mit Quereinsteigenden. Das Besondere am Quereinstieg in Berlin ist – Frau Lasić hat darauf hingewiesen –, dass er im Vergleich zu anderen Bundesländern zu einem gleichwertigen Abschluss führt, das heißt, auch das zweite Staatsexamen. Hier braucht es einerseits eine sehr gute Balance zwischen der Gleichwertigkeit mit den Anforderungen der grundständigen Lehrkräfteausbildung, und andererseits brauchen wir auch Flexibilität, um möglichst vielen Menschen den Zugang und schnellen Abschluss zu ermöglichen. So ist es auch im Quereinstieg zum Beispiel für das Grundschullehramt, dass das Studium von drei Fächern nötig ist, aber dass zum Beispiel die Bildungsverwaltung auch entscheiden kann, für welche Mangelfächer der Quereinstieg absolviert wird. Es ist sehr gut, dass wir hier flexibel sind. Wir finden als Linksfraktion, es macht auch Sinn, darüber nachzudenken, weitere Gruppen für den Quereinstieg zu erschließen, zum Beispiel die Lehrkräfte für Fachpraxis. Das sind die Meisterinnen und Meister, die in technischen Berufen an den Berufsschulen tätig sind, und es wäre eine Chance, auch ihnen den Quereinstieg zu ermöglichen, damit sie Pädagogik, Didaktik und ein zweites Fach studieren können, um dann in eine eigene Laufbahn eintreten zu können. So könnten wir diese Gruppe auch als Lehrkräfte gewinnen. Auch wenn der Gesetzentwurf jetzt schnell beschlossen werden muss, sollten wir danach unbedingt weiter diskutieren, wie wir den Quereinstieg weiter öffnen können. Vor dem berufsbegleitenden Studium – Frau Lasić hat es schon erwähnt – haben wir die Einstiegsphase, die Begleitphase und die Vertiefungsphase, und die Mentorinnen und Mentoren in der Begleitphase sind auch eine Entlastung für das komplette Kollegium, was gerade jetzt sehr wertvoll ist. Deswegen begrüßen wir sehr, dass der Gesetzentwurf ermöglicht, dass die Hochschulen auch mit der Durchführung der Studien beauftragt werden können, weil die enge Zusammenarbeit der Hochschulen und des StEPS auch für die Studienqualität entscheidend ist. Wir werden da im Wissenschaftsausschuss sehr genau hingucken, ob das gewährleistet ist. Wenn wir sagen, dass die Lehrkräfteausbildung ausschließlich an den staatlichen Hochschulen oder am StEPS erfolgen soll, wofür wir als Linke sind, dann müssen wir natürlich auch die Lehrkräfte für die freien Schulen mit ausbilden. Deswegen reichen die 2 500 Lehramtsabsolventinnen und -absolventen auch nicht, sondern wir müssen jetzt die Weichen für 3 000 Lehrkräfte perspektivisch in den Hochschulverträgen stellen. Wir unterstützen die Verankerung des Quereinstiegs im Lehrkräftebildungsgesetz, wollen aber weiter diskutieren, wie wir, wie gesagt, den Quereinstieg für weitere Gruppen öffnen können. Denn bis zu dem Punkt, wo wir wirklich bedarfsdeckend an den Hochschulen ausbilden, ist es noch ein langer Weg. Wir brauchen jetzt wirklich jede und jeden, der oder die bereit ist, auch berufsbegleitend in das Lehramt zu gehen. – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Daniela Billig (GRÜNE)]

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