Marcel Hopp
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erst mal vielen Dank an die Grünen für diesen Antrag, mit dem Sie fordern, auf Grundlage des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom 16. März 2023 – Zitat – „zeitgemäße und innovative“ Prüfungen abseits der schriftlichen Klausurformate in der gymnasialen Oberstufe zu ermöglichen. Ich finde die Debatte erst mal wichtig. Sie führen im Antrag aus, E-Portfolios, Forschungsberichte, praktische Produkte, Kolloquien oder auch Multimediapräsentationen als alternative Prüfungsformate in die Berliner Verordnung zu implementieren. Grundsätzlich sind wir als SPD-Fraktion auch offen darüber zu sprechen, inwieweit aktuelle Klausurformate in der gymnasialen Oberstufe noch zeitgemäß sind und wie wir diese sinnvoll verbessern können. Neben dem beschleunigten Wandel von Gesellschaft und Arbeitswelt, womit Sie Ihren Antrag vor allem begründen, liegt für uns vor allem die Kompetenzorientierung des Unterrichts im Vordergrund, denn diese muss sich folgerichtig auch in den Prüfungsformaten widerspiegeln. Mit den Anforderungsbereichen I, II und III wird das auch in den Klausuren versucht abzubilden, aber wir geben zu, da ist noch Luft nach oben. Allerdings ist hierbei zu bemerken, dass wir uns tatsächlich in einem Spannungsfeld bewegen, welches eine Öffnung zu neuen Prüfungsformaten, wie Sie sie aufgelistet haben, zumindest herausfordernd macht, das möchte ich schon noch mal an dieser Stelle sagen, und wo wir uns gut überlegen müssen, welche neuen Prüfungsformate wirklich sinnvoll etablierbar sind. Das hängt auch damit zusammen, dass wir natürlich den Anspruch und die Verpflichtung haben, dass Abschlussprüfungen vergleichbar sein sollen; und eine Vergleichbarkeit bei gleichzeitig diversen unterschiedlichsten Prüfungsformaten herzustellen, ist schwer und kann in der Folge auch zu ungerechteren Bewertungen führen. Das wollen wir natürlich alle vermeiden. Deshalb begrüßen wir es auch sehr, dass im aktuellen Schulversuch „Hybrides Lehren und Lernen“ an 22 Schulen alternative Formate von Prüfungen aktuell erprobt werden und dass die Senatsverwaltung für Bildung unter Miteinbeziehung schulischer Vertretungen eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema beauftragen wird. Wir glauben, das ist der richtige Weg, zu einem tragbaren Konzept zu kommen. Ich glaube, dass wir aber das eigentliche Problem und die eigentliche Herausforderung hier alle miteinander noch nicht sehen. Ich glaube, dass wir noch nicht im erforderlichen Maße die Tragweite von künstlicher Intelligenz, von OpenAI verstanden haben und darüber im Klaren sind, welche massiven Auswirkungen künstliche Intelligenz und neue Anwendungen wie ChatGPT auf unsere Art zu lernen, zu denken, zu handeln und zu arbeiten haben werden. Auch Unterrichts- und Prüfungsformate werden jetzt schon, aber künftig noch viel mehr, massiv davon beeinflusst und auch in ihrer Sinnhaftigkeit grundsätzlich infrage gestellt werden. Unter dieser Brille sind insbesondere die von Ihnen, liebe Grüne, aufgeführten alternativen Prüfungsformate, die ja vor allem in Eigenverantwortung bearbeitet werden sollen, noch mal ganz anders zu betrachten. Mit dieser neuen Technologie und ihren Auswirkungen auf Bildung und Schule müssen wir uns, muss sich, meines Erachtens, auch die KMK viel stärker beschäftigen. Auch wenn der genannte KMK-Beschluss gerade mal zwei Monate her ist, ist meine Vermutung, dass er fast schon überholt sein könnte. Deswegen ist das für uns tatsächlich ein Grund, SPDseitig einen große Redebedarf anzumelden. Den Antrag in der jetzigen Form können wir so noch nicht mittragen, ich freue mich aber dann sehr auf die Beratungen im Ausschuss und auf die gemeinsame Zusammenarbeit zu einer wirklich sinnvollen und auch zeitgemäßen neuen Prüfungskultur. – Vielen Dank! [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei der CDU]
