Katharina Günther-Wünsch
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Ich freue mich, dass die FDP heute dafür sorgt, dass wir über frühkindliche Bildung sprechen. Das haben wir lange nicht mehr getan im Hohen Haus. Ich bin ein wenig entsetzt. Ich habe gehört: Gute Übergänge, erste Bausteine in der Bildungskarriere, aber eigentlich können wir nichts tun, wenn ich die SPD richtig verstehe, und das ist eine Bankrotterklärung und macht deutlich, was das Problem ist. [Beifall bei der CDU und der FDP] Liebe Frau Haußdörfer! Ich glaube, Sie haben den Antrag nicht richtig gelesen. Es ist nicht von einem zusätzlichen Test, sondern von einem wirksamen Test die Rede. Denn das, was der Kollege Fresdorf zu Recht bemängelt, ist, dass wir weniger als 50 Prozent der Kinder testen, obwohl es rechtlich vorgeschrieben ist, geschweige denn, sie der Förderung zuführen, die sie benötigen, und das ist, glaube ich, das, was wir alle beobachten können, wenn wir in die Grundschulen schauen: Kinder, die nicht lesen, rechnen und schreiben können, und das sind die Versäumnisse, die im Kindergarten oder in der Kita stattgefunden haben. [Beifall bei der CDU und der FDP] Das, was grundsätzlich fehlt im Bereich der Bildung, frühkindliche, schulische und berufliche Bildung, ist, dass wir endlich mal über die Wirksamkeit unserer Maßnahmen sprechen. Sie haben ganz viel aufgezählt. All das hat nichts mit Bildung, mit bildungspolitischen Maßnahmen zu tun, und die Ergebnisse sind mehr als deutlich nach 27 Jahren SPD-geführter Bildungspolitik. Wir müssen endlich dahinkommen, dass das, was wir hier beschließen, auch nachgehalten wird. Ein wenig Bauschmerzen, liebe FDP, habe ich tatsächlich damit, wenn Sie davon sprechen, dass Sie die Durchsetzung der Teilnahme mit allen rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen wollen. Das, was in Schule funktioniert, wenn man vielleicht den schuldistanten Schüler mit der Polizei dem Schulunterricht wieder zuführt, kann ich mir bei Dreijährigen de facto schwerlich vorstellen. [Zuruf von Holger Krestel (FDP)] Aber das, was wir debattiert haben, was auch Koalition und insbesondere SPD ablehnen, ist doch das, was diese Stadt braucht, ist der Ausbau der Kitasozialarbeit. Wir müssen mit Trägern, mit Kitas und Eltern ins Gespräch kommen, um endlich unseren Kindern die Förderung angedeihen zu lassen. [Beifall bei der CDU] Ich glaube, worin wir uns alle einig sind, ist, dass wir ganz dringend darüber reden müssen, dass wir auch die Kitas ausfinanzieren müssen. Auch ich war die Woche in mehreren Kitas, und das, was ich überall höre, ist, dass das Kitakostenblatt schon lange nicht mehr kostendeckend ist. Wenn Sie von guter Qualität reden und sagen, Sie haben so viel geleistet, dann stellt sich mir die Frage, warum immer noch 17 000 Kitaplätze fehlen in dieser Stadt. Die Kinder fallen ja nicht vom Himmel. Sie haben dafür gesorgt, dass alle einen rechtlichen Anspruch auf einen Kitaplatz haben, aber bauen tun Sie die Plätze nicht. Da muss nachgebessert werden und das ganz schnell. [Beifall bei der CDU und der FDP] Wenn wir über Qualität von frühkindlicher Bildung sprechen, dann sprechen wir natürlich auch über die Fachkräfte vor Ort, und auch da ist ein großes Defizit. Wir müssen über die Ausbildungssituation von Erziehern sprechen: Ist sie praxisnah? Ist sie finanziert? Und insbesondere, ist sie standardisiert? Leisten unsere Erzieher das, was sie wirklich erwartet vor Ort? Können sie das überhaupt mit der Ausbildung, die ihnen angedeiht? Da müssen wir ran. Da müssen Standards ran, damit wir wirklich – Herr Fresdorf sagte es – von weltbester Bildung sprechen. Ich wäre schon froh, wenn wir innerhalb dieser Republik mal wieder von guter Bildungsqualität in Berlin sprechen würden. [Beifall bei der CDU] Wenn wir dabei sind, dann ist es auch ganz wichtig, dass wir endlich sagen: Bildungserfolge und Bildungsgerechtigkeit beginnen in der Kita, beginnen mit frühkindlicher Bildung, und deshalb fangen wir endlich an, auch unsere Kitas als Bildungseinrichtung zu verstehen. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU und der FDP]
