Dennis Buchner
Liebe Kollegen! Wenn Sie Dialogbedarf haben, treffen Sie sich doch einfach noch einmal privat, aber lassen Sie jetzt die Kollegin reden! [Beifall bei den GRÜNEN] Bürgermeisterin Bettina Jarasch (Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz): Vielen Dank! – Von Vattenfall Wärme erwarte ich, dass der Konzern zu seinen eigenen Zusagen steht. Das bedeutet, dass bis zu einem möglichen Verkauf die vereinbarten Dekarbonisierungsfahrpläne für die Kraftwerke weitergeplant und vorangetrieben werden und die Bereitschaft zu Investitionen in die Wärmewende auch bei den Verkaufsüberlegungen des Konzerns oberste Priorität hat. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Auch auf den massiven Ausbau der Solarenergie kommt es in den nächsten Jahren selbstverständlich an. Hier gibt es ein großes Potenzial zu heben. Das weiß jeder, der irgendwann mal, so wie ich neulich, auf dem Dach des Humboldt-Forums, aber auch auf anderen Dächern dieser Stadt gestanden und sich umgeguckt hat, wie viele Klimadächer da potenziell bereitstehen. Und ja, das werden wir auch mit privaten Betrieben vorantreiben müssen, das schaffen die Stadtwerke allein nicht. [Ronald Gläser (AfD): Dann wird es noch teurer!] Wir werden aber auch Wärme unter der Erde und die Abwärme in der Luft oder in unserem Abwasser nutzbar machen. Wir brauchen Gewerbegebiete, die ihre Energie selbst erzeugen können und so klimaneutral werden, und Nahwärmenetze, die Quartiere versorgen können. Mit unser wichtigster Partner wird das Berliner Handwerk sein. Wir waren gestern alle beim Berliner Handwerk zu Gast, denn die Handwerkerinnen und Handwerker sind die Klimaberufe, ohne die wir weder unsere Häuser sanieren noch Heizungsanlagen umbauen können. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Zuruf von Harald Laatsch (AfD)] Deshalb werden wir auch alle gemeinsam dafür sorgen müssen, dass mehr Menschen solche Klimaberufe ergreifen und dass uns der Meister genauso viel Wert ist wie der Master. [Beifall bei den GRÜNEN, der SPD und der LINKEN – Zuruf] – Da müssen Sie sich doch freuen, Frau Meister! – [Sibylle Meister (FDP): Ich freue mich immer, wenn Sie uns zitieren!] Neben der Energieversorgung sind es Berlins Häuser, die in den kommenden Jahren über die Energiesicherheit, die Energiekosten der Menschen, aber auch über den Schutz unseres Klimas entscheiden. Auch das wurde heute schon angesprochen. Bei kaum einem anderen Thema wie dem Wohnen zeigt sich so klar, dass sich Verbraucherschutz und soziale Fragen nur durch konsequenten Klimaschutz lösen lassen. Eine Zahl macht das deutlich, und das ist die Zahl 40: Bis zu 40 Prozent des Haushaltseinkommens müssen Mieterinnen und Mieter in Großstädten für Warmmiete und Nebenkosten aufbringen. Rund 40 Prozent der CO -Emissionen in Berlin verursacht 2 alleine der Gebäudesektor, und zwar vor allem als Folge des Energieverbrauchs für das Heizen und die Warmwassernutzung. [Zuruf von Sibylle Meister (FDP)] Energiekosten senken und das Klima schützen: Um diese beiden Ziele zu erreichen, kommt es in den nächsten Jahren auf die energetische Sanierung unserer Gebäude an, und zwar zuerst der am schlechtesten sanierten Bestände. Auch dafür werden wir in den nächsten zehn Jahren Milliardeninvestitionen brauchen. Wir werden Genehmigungen beschleunigen und eine Fachkräfteoffensive für Klimaberufe ausrollen müssen. All das beginnt allerdings mit guter Beratung, und zwar durch Fachleute. Dabei geht es letztlich auch um das Energiesparen. Wer heutzutage Energiespartipps als überflüssig bezeichnet, hat wirklich nicht verstanden, welche Sorgen die Menschen gerade umtreiben. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Elif Eralp (LINKE)] Nur so senken wir langfristig die Energiekosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir senken die CO - 2 Emissionen dieses Landes, und wir schützen die Menschen und das Klima in dieser Stadt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Für die Menschen in dieser Stadt geht es angesichts der Klimakrise in den kommenden Jahren um mehr als um steigende Energiekosten. Im Sommer 2022 fielen in Berlin und in Brandenburg nur 63 Prozent des üblichen Niederschlags. Die Grundwasserstände sinken. Die vergangenen Jahre waren die wärmsten und die trockensten seit Beginn der Beobachtung. Gerade ältere und kranke Menschen litten enorm unter dieser Hitze. Diese Dürrejahre sind eine noch nie dagewesene Extremsituation für Mensch und Natur. Besser zu sein als vor der Krise, bedeutet deshalb, die Stadt an diese Entwicklungen anzupassen. Das ist grüner Stadtumbau. Auch das ist ein Megaprojekt für die gesamte Stadt. Es bedeutet, die Stadt so zu verändern, dass sie für die Menschen trotz der enormen Hitzesommer, die uns bevorstehen werden, lebenswert bleibt. Es braucht ein Berlin, in dem mehr Flächen entsiegelt als versiegelt werden. Es braucht ein Berlin, in dem jeder Tropfen kostbaren Regenwassers aufgefangen und genutzt wird, statt über die Kanalisation abgeleitet zu werden. Es ist fast überflüssig, es noch einmal zu betonen: Auch das sind Investitionen. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Es braucht ein Berlin, in dem der Grundwasserverbrauch so gesenkt wird, dass sich auch eine Vier-Millionen-Metropole in Zukunft noch selbst versorgen kann, wie es Berlin in der Vergangenheit immer geschafft hat, ein Berlin, dessen Wälder als Mischwälder den Klimaveränderungen trotzen und ein Berlin, dessen Fassaden und Dächer begrünt sind und im Sommer Kühle spenden. [Heiko Melzer (CDU): Jetzt müsste man nur regieren!] Mit anderen Worten: Es braucht eine klimaresiliente Metropole im 21. Jahrhundert. Dafür sind die nächsten zehn Jahre die entscheidenden. In zehn Jahren müssen wir sagen können: Ja, Berlin hat es geschafft, besser zu werden als vor der Krise. – Dafür müssen wir innovativ sein und auch neue Wege gehen. Weil ich so viel von Milliardeninvestitionen gesprochen habe: Wir müssen auch bei der Finanzierung neue Wege gehen. Unser Finanzsenator tut das. Dank nachhaltiger Anleihen, die das Land Berlin auflegt, können die Berlinerinnen und Berliner jetzt selbst in unsere Mischwälder, aber auch in unsere E-Bus-Flotte und in viele andere nachhaltige Zwecke investieren, die für unser Land gut sind. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Raed Saleh (SPD)] Lassen Sie uns dieses Jahrzehnt nutzen, um Berlin zur Stadt der erneuerbaren Energien zu machen! Lassen Sie uns das kommende Jahrzehnt nutzen, um Berlin zu einer grünen und klimaresilienten Metropole umzugestalten, für die Natur und unsere Umwelt, aber vor allem für die Menschen, die in dieser Stadt leben, für die Rentnerin genauso wie für die vierköpfige Familie! – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD]
