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Ulrike Gote

20.10.2022 Sitzungen 19/18

Herr Präsident! Frau Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir haben über die Zeit gelernt, insbesondere mit der Omikron-Welle, dass uns der Blick alleine auf die Sieben-Tage-Inzidenz keine verlässliche Auskunft mehr über die Coronalage gibt. Deshalb schauen wir uns jetzt ein ganzes Bündel von Parametern an, um die Lage in ihrer ganzen Breite bewerten zu können. Die berühmte Sieben-Tage-Inzidenz kann nur noch als Trend verstanden werden. Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahlen, die wir dort lesen, mindestens zweibis dreifach unterschätzt sind. Was schauen wir uns zusätzlich an? – Das ist vor allem die Belastung in den Krankenhäusern auf den peripheren Stationen, aber auch auf den Intensivstationen. Das ist die Hospitalisierungsinzidenz, diese ist in Berlin derzeit stark am Steigen, und sie ist sehr hoch. Sie betrug gestern 21,9 und ist im Vergleich zur Vorwoche innerhalb von sieben Tagen um 35 Prozent gestiegen. Das bedeutet, wir haben eine sehr starke Belastung in den Krankenhäusern. Wir haben über 1 000 Patienten mit oder wegen Covid-Infektionen in den Krankenhäusern, und wir haben – was hinzukommt und was in dieser Dimension ein Stück weit neu ist – einen starken Ausfall von Mitarbeitenden, die ebenfalls coronainfiziert sind. Deshalb schauen wir uns die Zahlen und dieses Kriterium, wie viele Mitarbeitende ausfallen, insbesondere im Gesundheitswesen, aber durchaus auch in anderen Bereichen – Stichwort Post; da haben wir auch gehört, dass das ein großes Problem ist –, genau an. Nun bekommen wir nicht regelmäßig Daten über den Krankenstand in den Krankenhäusern, aber wir haben, weil sich die Lage zu entwickeln scheint, eine Sonderabfrage gemacht. Da muss ich Ihnen sagen, dass der Krankenstand in den Plankrankenhäusern in Berlin derzeit bei 14 Prozent liegt. 14 Prozent ist fast so hoch wie beim Höhepunkt der Omikron-Welle. 14 Prozent bedeutet, dass in einem großen Krankenhaus 60 bis 100 Schichten ersetzt werden müssen. Daran können Sie vielleicht ermessen, dass die Lage schon sehr angespannt ist. Wir sehen, dass bei den gemachten PCR-Tests der Positivanteil stark ansteigend ist. Das ist immer ein Indiz dafür, dass das Infektionsgeschehen sehr stark ist. Wir sehen weiterhin, dass in den Pflegeeinrichtungen wieder vermehrt Ausbrüche zu sehen sind und insbesondere ältere Menschen, vulnerable Gruppen, die wir insbesondere schützen wollen, wieder stärker von Infektionen betroffen sind. Sie wissen: Auch wenn die derzeitige Variante eher mildere Verläufe, wobei „mild“ nicht zu unterschätzen ist, man ist auch richtig krank, wenn man mild erkrankt ist an der Omikronvariante, mit sich bringt, ist das dennoch ein besonderes Risiko, gerade für die Älteren. Und auch diese Gruppe sehen wir jetzt wieder verstärkt in den Krankenhäusern. Punktuell sind zurzeit, zum Beispiel häufig in der Nacht – tagsüber ist es etwas besser –, nur 5 der 37 Berliner Notfallkrankenhäuser aufnahmebereit für die peripherstationäre Aufnahme von Covidinfizierten. Da ist die Lage ebenfalls recht dramatisch. In der Gesamtschau muss ich also zu dem Schluss kommen, dass wir uns in einer sehr dynamischen Entwicklung befinden, dass wir eigentlich schon mitten in der von uns erwarteten Herbst-Winter-Welle sind und dass es jetzt darum geht, die zu schützen, die uns schützen, damit wir in den nächsten Wochen gut durch den Herbst und Winter kommen.

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