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Katharina Günther-Wünsch

CDU 22.09.2022 Sitzungen 19/16

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Sage und schreibe 2 645 Lehrkräfte haben den Berliner Schulen in diesem Schuljahr gefehlt, so viele wie niemals zuvor. Alleine 1 500 Lehrkräfte, die eingestellt werden konnten, waren Referendare. Diese Zahl muss aber um eine Information ergänzt werden: Über 50 Prozent dieser Referendare waren Quereinsteiger, also Kolleginnen und Kollegen, die nachträglich, verkürzt und mit wesentlich mehr Aufwand qualifiziert werden mussten. Und auch da lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen. Von diesen Quereinsteigern befinden sich über 50 Prozent allein in unseren Grundschulen, also bei den Kindern, die erstmals Lesen, Schreiben und Rechnen lernen müssen. Diese Zahlen werden von den aktuellen Meldungen übertroffen, wo wir hören müssen, dass gerade für diese Quereinsteiger ab Januar die Sonderzulage wegfällt. Wir haben dazu am kommenden Samstag die erste große Demonstration. Hunderte von Kollegen werden sich vor dem Roten Rathaus treffen und dagegen demonstrieren, und die Petition hat innerhalb von 24 Stunden über 2 000 Unterschriften. Was macht das deutlich? – Wir haben eine akute Mangelsituation. Wir haben Grundschulen mit über 50 Prozent Quereinsteigern, weiterführende Schulen mit über 30 Prozent Quereinsteigern. Und jetzt sage ich Ihnen noch eine andere Zahl: In den unterschiedlichsten Positionen unseres Landes befinden sich über 800 abgeordnete grundständig qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. [Torsten Schneider (SPD): Sind ja alles Quereinsteiger hier!] – Es ist gut, dass die SPD das ins Lächerliche zieht, das macht einmal mehr die mangelnde Wertschätzung unserem Bildungssystem gegenüber deutlich. [Beifall bei der CDU und der AfD – Vereinzelter Beifall bei der FDP] Die abgeordneten Lehrer befinden sich in Schulinspektionen, Hochschulen, in der Bildungsverwaltung, aber natürlich auch in wichtigen Institutionen wie unserem SIBUZ, das die Diagnostik für unsere Kinder mit Förderbedarf übernimmt, in der Schulpsychologie, aber eben auch in der regionalen Aus-, Fort- und Weiterbildung und als Seminarleiter. Lassen Sie mich dazu ein paar Zahlen nennen! Allein als Seminarleiter haben wir in Berlin über 300 grundständig qualifizierte Lehrer, aber das bedeutet, sie befinden sich nur mit einer Abordnung von zehn oder zwölf Stunden da. Das heißt, Sie können doppelt so viele Kolleginnen und Kollegen annehmen. Und wir reden von Situationen, dass sich zwischen drei bis fünf Referendare und Referendarinnen in einem Seminar befinden. Wenn Sie jetzt noch sehen, dass wir dieses Jahr alleine bloß 800 Referendare und Referendarinnen ausgebildet und entlassen haben, bedeutet das eine Betreuungsquote für die Referendare und Referendarinnen, von der unsere Schülerinnen und Schüler seit Jahren träumen. Stattdessen haben wir Klassen mit 30 oder 35 Schülern, und davor stehen Quereinsteiger, die das erste Mal unterrichten sollen. Da muss man sich doch die Frage stellen: Kann ich einem erwachsenen Studenten, einem angehenden Pädagogen, nicht zumuten, andere Strukturen auf sich zu nehmen, weiter zu fahren, um in Seminaren mit zehn oder 15 Kollegen und Kolleginnen ausgebildet zu werden, dafür, dass unsere Schülerinnen und Schüler wieder ordentlich unterrichtet werden? [Beifall bei der CDU] Ähnlich viele Kollegen befinden sich in der regionalen Aus- , Fort- und Weiterbildung, und ich stelle Ihnen die Frage, liebe Koalition: Wen wollen Sie in den nächsten Jahren in die Aus-, Fort- und Weiterbildung stecken, wenn Ihnen tausend Lehrer fehlen? Welche Schule soll noch jemanden freistellen? Schicken Sie die Kollegen aus der Aus-, Fort- und Weiterbildung zurück an unsere Schulen, und lassen Sie sie endlich unterrichten, um unseren Kindern guten Unterricht zuteilwerden zu lassen. [Beifall bei der CDU] Auch in Ihrer Verwaltung stecken knapp 150 Stellen. Davon ist sicherlich die eine oder andere dringend notwendig, aber auch in der Verwaltung – sie heißt nicht ohne Grund Verwaltung – gibt es jede Menge Tätigkeiten, die von Verwaltungsbeamten und nicht von Pädagogen ausgeübt werden sollten. Lassen Sie mich zum Schluss noch grundsätzlich etwas sagen: In unserer Landesverfassung in Artikel 20 steht ganz deutlich, dass jeder Mensch in diesem Land das Recht auf Bildung – gute Bildung – hat und dass das Land dieses nach Maßgabe der gültigen Gesetze ermöglicht. Das gültige Gesetz für unsere Schulen ist das Schulgesetz, und in diesem steht, dass alle Schülerinnen und Schüler in unserem Land ein Recht auf Bildung und Erziehung haben, [Zuruf von Torsten Schneider (SPD)] – Herr Schneider, hören Sie gut zu! – [Torsten Schneider (SPD): Bisschen anstrengend bei Ihnen!] und dass dafür die Grundlage der Rahmenlehrplan ist und dass dieser erfüllt wird. Das, was Ihre Senatorin und Ihre Partei unseren Schulen momentan anbieten, ist die Kürzung von Rahmenlehrplänen, die Kürzung von Förder- und Forderstunden, und das können wir nicht länger so hinnehmen. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU]

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