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Anton Rittel

FREIE WÄHLER 30.09.2026 Sitzungen 19/88

Geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wenn ich mir die Reden so anhöre, könnte man meinen, wir sind auf dem Basar: 10 Stunden, 15 Stunden, 20 Stunden – wer bietet mehr, wer will noch etwas Gutes tun? Ich glaube, wir müssen uns schon mal im Klaren darüber sein: Wir brauchen für unsere Familien Verlässlichkeit. Wir brauchen gute Strukturen. Wir brauchen keinen Wettbewerb, wer jetzt mehr und wer weniger bietet, wer jetzt die bessere Familienpolitik macht. Man kann dies nicht daran messen, wie viele Krankheitstage man melden kann, wenn Kinder krank sind. Ich glaube, das ist nicht der richtige Zeitpunkt und nicht der richtige Punkt, um das hier auszudiskutieren. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN) Die alte Regelung hat vor Corona gut funktioniert. Sie ist vielleicht ein bisschen problematisch; ja, es ist schwierig, wenn Kinder krank werden. Man kann das nicht planen. Ich habe selber zwei kleine Kinder daheim. Wenn die krank sind, dann stehst du in der Früh auf; vielleicht merkst du nachts schon, dass sie krank sind, weil sie auf einen Schlag ins Bett kommen. Dann stehst du in der Früh da und musst irgendeine Lösung parat haben. Ja, es ist wichtig, dass man die Kinderkrankheitstage hat. Das ist wichtig, das soll so bleiben, und das ist auch gut so. Frau Rasehorn sagt hier – und ich habe das jetzt nicht mehr genau nachrecherchieren können –, dass Leute über die schwer arbeitende Bevölkerung entscheiden, die selber noch nichts gearbeitet haben. (Widerspruch der Abgeordneten Anna Rasehorn (SPD)) Ich glaube, von mir sagen zu können, dass ich zwei Kinder aufgezogen und auch schon schwer gearbeitet habe, vielleicht mehr als jeder Einzelne von euch oder mehr als alle zusammen. Das traue ich mir, glaube ich, einmal zu sagen. Deswegen habe ich auch das Recht, hier mitzureden. Auf jeden Fall muss ich ganz ehrlich sagen, dass das schon hart an der Grenze zur Beleidigung war. Das muss ich ganz klar sagen. (Anna Rasehorn (SPD): Das hat niemand behauptet!) – Das können wir nachher noch einmal prüfen. Okay? – Wie gesagt, ich habe selber zwei kleine Kinder und weiß um die Probleme. Der Bund will die Leistungen einführen. Deswegen muss er auch dafür sorgen, dass die finanziellen Mittel sichergestellt sind. Wenn ich das haben will, wenn ich Sozialpolitik machen will, wenn ich Familienpolitik machen will, dann kann nicht immer alles dem System unserer Krankenkassen aufgelastet werden. Das ist wichtig das ist auch mir wichtig und das ist, glaube ich, uns allen wichtig. Der Grund dafür ist, dass wir die Kinder und vernünftige sowie funktionierende Familien brauchen. Darum sind wir auch dafür. Man muss aber bei der Frage, ob wir jetzt 10 oder 15 oder 20 Kinderkrankheitstage haben, auch wissen: Die AOK PLUS Sachsen & Thüringen hat im Jahr 2025 eine Umfrage gemacht und dabei erfahren, dass nur 98,6 % Kinderkrankheitstage für einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen beanspruchen. Das bedeutet, nur 1,4 % beanspruchen mehr als zehn Tage. Wir veranstalten aber jetzt eine Riesendiskussion, ob wir 15 Tage oder 20 Tage brauchen. Nur ein kleiner Prozentsatz beansprucht diese Anzahl an Tagen. Das muss man sich immer wieder klarmachen. Darum stimmen wir dem Antrag der AfD natürlich nicht zu. Wir in Bayern wollen ganz klar – so hat es der Kollege schon gesagt – einen anderen Weg gehen. Das ist der bessere Weg. Wir müssen Familienpolitik so gestalten, dass alle an einem Tisch sitzen. Dafür brauchen wir einen Runden Tisch für die Familienpolitik. Der muss zeitnah eingeführt werden. Deswegen soll nicht nur darüber geredet werden. Nein, den Runden Tisch brauchen wir, und wir müssen ihn einführen. Dort sollen Eltern-, Familienverbände, Sozial- und Jugendverbände, Träger und Fachkräfte der Kinderbetreuung ihre Erfahrungen einbringen. Wichtig ist, Fachleute am Tisch zu haben, da es um ganz praktische Fragen geht: Wie können die Verfahren einfacher und schneller werden? Wie können wir Familienzeit sparen? Wie können wir Betreuung und Beruf besser vereinbaren? Wie schaffen wir verlässliche Bedingungen für die Familien und die Betriebe? Man muss, glaube ich, auch die Betriebe, die mit fehlendem Personal zurechtkommen müssen, im Blick haben. Das ist vielleicht in einem kleinen Betrieb schwieriger; in einem großen Betrieb kann man das eher kompensieren, wenn jeden zweiten Tag eine Kraft fehlt. Die Ergebnisse muss man dann in eine weite Familienpolitik und in das Arbeitsmarkt- und Familiengesetz einfließen lassen. So verbinden wir Unterstützung für Familien mit verlässlichen Rahmenbedingungen und Unterstützung für Betriebe mit einer Finanzierung, die morgen noch trägt. Ich bitte um Zustimmung für unseren Antrag.

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