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Anna Rasehorn

SPD 30.09.2026 Sitzungen 19/88

Vielen lieben Dank an Tanja Schorer-Dremel, die mein schlafendes Kind übernommen hat. (Beifall bei der CSU sowie Abgeordneten der FREIEN WÄHLER) Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen der demokratischen Fraktionen! (Zuruf von der AfD) Stellen Sie sich vor: Es ist früh morgens, die Brotzeitdosen stehen gepackt auf der Arbeitsplatte. Die Jacken hängen an der Garderobe, und plötzlich hat Ihr Kind Fieber. Die Eltern unter uns wissen, wie die Debatte jetzt laufen wird: Wer bleibt daheim? Wer ruft den Chef an? Wer geht zum Kinderarzt? Wie viele Kinderkrankheitstage haben wir überhaupt noch? Und was sagt eigentlich die Kollegin dazu, die letzte Woche schon die Schicht übernommen hat? Die Antworten auf diese Fragen werden mit der angekündigten Kürzung der Kinderkrankentage von 15 auf 10 durch den Gesundheitsminister nicht leichter. Das Ganze wird maßgeblich als Abschaffung einer Corona-Sonderregelung und die Rückkehr zu einer alten Regelung deklariert. Liebe Kolleginnen, nur weil etwas früher schon ungerecht war, wird es bei der Rückkehr nicht besser! (Beifall bei der SPD) Nur wenige Tage vor dieser Ankündigung stand unser Ministerpräsident vor seiner Fraktion und versprach ein "noch kinderfreundlicheres Bayern", eine "Fast Lane für Familien". Ein "noch familienfreundlicheres Bayern"? Habe ich da richtig gehört? Das sagt die Partei, deren Agieren gegen Familien seit Monaten – ich muss ehrlicherweise sagen – System hat, mit der es ein ständiger Kampf um den ohnehin schon erbärmlichen Status quo ist. Was müssen Eltern denn noch alles ertragen? Das Krippengeld wurde gestrichen. Der Beitragszuschuss wurde gestrichen. Das Familiengeld wurde gestrichen. Verlässliche Betreuung in Bayern? – Fehlanzeige! Im Bund wird über die Kürzungen beim Elterngeld, Wohngeld, Kindersofortzuschlag und beim Unterhaltsvorschuss vonseiten der Union debattiert. Und jetzt sollen Eltern auch noch weniger Zeit und mehr Druck bekommen, wenn ihr Kind krank im Bett liegt. So agiert nur jemand, der von der Lebensrealität hart arbeitender Familien nichts versteht. Nichts wird durch diese Kürzung besser, gar nichts! (Beifall bei der SPD sowie Abgeordneten der GRÜNEN) Und dann wundern Sie sich, warum es in Deutschland immer weniger Kinder gibt? Fragen Sie doch mal die Eltern aus Ihrem Umfeld, wie die Realität mit kranken Kindern ist! Erst die Erkältung, dann das ohnehin geschwächte Immunsystem, der Magen-Darm-Infekt, dann kommt Fieber dazu. Wenn das eine Kind langsam wieder gesund wird, wird das zweite krank, und dann beginnt das Ganze wieder von vorne. Sind alle Tage aufgebraucht, bleibt nur noch der eigene Urlaub oder die unbezahlte Freistellung oder die bittere Entscheidung, das Kind doch krank in den Kindergarten zu bringen und das Beste zu hoffen. Was dabei immer herauskommt? – Noch mehr kranke Kinder, kranke Erzieherinnen und übrigens dann auch kranke Arbeitgeber, die sich erst recht bedanken. Das ist ein Teufelskreis. Besonders betroffen sind zwei Gruppen: Erstens Familien von ohnehin schon chronisch kranken Kindern, deren Alltag ohnehin aus Arztterminen, Therapien und Klinikumsaufenthalten besteht, und zweitens Alleinerziehende, die niemanden haben, der morgens um Viertel vor sieben bereitsteht. Wer sucht sich denn aus, wann und wie oft das eigene Kind krank ist? – Niemand! Schon heute bedeutet ein krankes Kind schräge Blicke vom Arbeitgeber, weniger Lohn und ein schlechtes Gewissen. (Zuruf der Abgeordneten Petra Högl (CSU)) Und mit dieser neuen Schikane, dieser familienfeindlichen Politik soll genau was erreicht werden? Wird dadurch das Kind weniger krank? – Mich macht das mittlerweile wirklich wütend. Hinter all dem steht nämlich ein Bild, das die Union seit Monaten zeichnet: das Bild von Eltern, die sich ein paar Tage frei erschleichen. Wer kennt sie nicht, diese berühmten Lifestyle-Teilzeit-Mütter mit kleinen Kindern? Nicht nur Eltern, auch arbeitenden Menschen wird beim Thema Krankheit mittlerweile pauschal Drückebergerei unterstellt. Was sollte die Sache mit der Krankschreibung ab dem ersten Tag? Eltern, die ihr krankes Kind pflegen, machen nicht blau. Sie übernehmen Verantwortung, (Beifall bei der SPD) Elternschaft und den Spagat zwischen Familie und Beruf, und das ist schon hart genug. Warum ihnen jetzt ausgerechnet da die Daumenschraube angezogen wird, ist mir völlig unverständlich. Bei den Kinderkrankheitstagen geht es um mehr als eine Zahl. Es geht um eine Botschaft an jede Familie in diesem Land: Ihr dürft für eure Kinder da sein, wenn sie euch brauchen. Herr Söder, Sie haben letzte Woche von der Fast Lane gesprochen. Wir nehmen Sie beim Wort. Wer Familien Vorfahrt verspricht, muss sich jetzt in Berlin auf der Überholspur dafür einsetzen, dass die geplanten Kürzungen zurückgenommen werden, und dafür braucht man ehrlicherweise keinen Runden Tisch. (Zuruf des Abgeordneten Walter Nussel (CSU)) Vielleicht hilft es Ihnen und Sie finden einen Geistesblitz. Beim BayKiBiG hat es nicht funktioniert; aber vielleicht klappt es hier. Wir wünschen, dass es funktioniert, und bitten um Ihre Zustimmung. (Beifall bei der SPD)

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