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Anna Stolz

30.09.2026 Sitzungen 19/88

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! In einem kann ich zunächst mal den Kolleginnen und Kollegen der GRÜNEN zustimmen: Die Pisa-Ergebnisse sind inakzeptabel und erfordern konsequente Gegenmaßnahmen. Das habe ich auch in Berlin bei der Bundespressekonferenz sehr deutlich gesagt. Vorab möchte ich aber die Ergebnisse zur Klarstellung einordnen. Ich glaube, ich kann damit, sehr geschätzte Frau Kollegin Rasehorn, auch Aufklärung geben, woher diese unterschiedliche Einordnung der Zahlen kam. Pisa liefert nur Ergebnisse für ganz Deutschland. Das heißt, Pisa sagt nichts über Bayern aus. Es sagt etwas über Deutschland aus, nicht über Bayern, weil Pisa keine länderscharfe Auswertung hat. Die Bundesministerin Karin Prien hat bei der Bundespressekonferenz selbst gesagt, Bayern hätte einen internationalen Spitzenplatz, wenn es eine solche länderscharfe Auswertung gäbe. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Hört, hört! – Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Auch der Bildungsmonitor, der wenige Tage nach Pisa erschienen ist, bestätigt genau diese bayerische Spitzenposition im Bildungsbereich mit Platz zwei. Die Kollegin Schorer-Dremel hat eben die IQB-Ergebnisse aus dem Jahr 2022 vorgetragen. Die will ich nicht wiederholen. Ich sage es gleich vorweg noch mal ganz deutlich: Das ist unser bayerischer Anspruch. Den werden wir auch behalten. Wir werden auch zukünftig alle Anstrengungen unternehmen, die dafür nötig sind, diese Spitzenposition in Deutschland zu halten. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir auch in Bayern Kompetenzrückgänge zu verzeichnen haben. Das sehen wir aus verschiedenen Vergleichsstudien. Wir handeln aber nicht erst jetzt, sondern wir haben ja schon nach der letzten Pisa-Studie – die Ergebnisse sind aus dem Jahr 2023 – unsere Pisa-Offensive an den bayerischen Grundschulen mit wichtigen Maßnahmen umgesetzt. Im Übrigen sind es genau die Maßnahmen, die jetzt aus den Handlungsempfehlungen der jetzigen Pisa-Studie wieder hervorgehen. Ich danke Ihnen, dass ich noch einmal die Gelegenheit habe, diese Pisa-Offensive kurz vorzustellen, weil sie scheinbar noch nicht so bekannt ist. Ich sage es noch einmal: Bereits seit dem Schuljahr 2024/2025 haben wir an den Grundschulen mehr Zeit für Deutsch und Mathematik geschaffen. Mehr Zeit allein ist nicht ausreichend. Es geht immer auch darum, die Zeit, die geschaffen wird, zielgerichtet zu nutzen. Deswegen setzen wir auch stärker auf wissenschaftsbasierte Förderprogramme und auf Diagnostik und verzahnen Diagnose und entsprechende Förderung noch enger miteinander. Genau diesen Weg, den wir an der Grundschule gegangen sind, führen wir jetzt im Übrigen zu diesem Schuljahr auch an den Mittelschulen mit unserer Mittelschul-Initiative ganz konsequent fort. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Mit der verpflichtenden Sprachstandserhebung vor der Einschulung – das ist auch schon angesprochen worden –, deren Umsetzung in Bayern im Übrigen bundesweit als Vorbild gilt, schauen wir schon vor der Einschulung hin: Wo steht ein Kind sprachlich? Wir fördern es dann ganz gezielt und eben frühzeitig. Wir haben dafür im letzten Schuljahr 900 zusätzliche Förderkurse eingerichtet. Unser Anspruch ist es, so früh wie möglich gezielt zu fördern. Denn bei den Grundlagen, die wir heute schaffen, wissen wir, dass sie über viele Schuljahre tragen. Die aktuelle Pisa-Studie – das muss man auch sagen – kann das jetzt noch gar nicht abbilden. Ich habe es gesagt: Wir haben in der Grundschule angesetzt, frühe Förderung, gezielte Maßnahmen. Bei der Pisa-Runde jetzt wurden 15-Jährige getestet. Entscheidend ist, dass unsere Maßnahmen wirken, und das tun sie. Ich nenne gerne ein Beispiel. An unserem bayerischen Lesescreening BYLES haben im vergangenen Schuljahr rund 233.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Das sind rund 50.000 mehr als noch im Vorjahr. Die Auswertungen zeigen: In vielen Klassen war die intensive, wissenschaftsbasierte Leseförderung mit FiLBY mit messbaren Fortschritten verbunden. Das will ich an konkreten Zahlen belegen. Es sind Zahlen aus Oberbayern, die ich hier jetzt beispielhaft anführe. Im Bereich der Leseflüssigkeit erreichen jetzt mit unserer Diagnostik und der darauf aufbauenden Förderung mehr als fünfmal so viele Zweitklässler die höchste Kompetenzstufe. Mehr als fünfmal so viele! Am unteren Ende der Skala ist der Anteil von 22,2 % auf 4,7 % zurückgegangen, also der Anteil von denjenigen, die die niedrigste Kompetenzstufe erreicht haben. Das belegt: Wir haben in Bayern schon jetzt nachweislich messbar wirksame Maßnahmen umgesetzt, meine Damen und Herren. Aber natürlich ruhen wir uns auch jetzt nicht aus, selbstverständlich nicht, ganz im Gegenteil. Wir brauchen noch mehr Zeit für gute Bildung. Diese Zeit geben wir den Grundschulkindern. Der Ministerpräsident hat vergangene Woche angekündigt, dass wir die Stundentafel in der Grundschule um insgesamt sechs Stunden ausweiten. Damit liegen wir bundesweit an der Spitze, im Übrigen auch vor Hamburg. Das bedeutet sechs Stunden mehr Unterricht in der Grundschule. Das, meine Damen und Herren, ist unser bayerischer Bildungs-Booster. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Wir schaffen mit Wucht Raum nicht nur für mehr Deutsch, sondern auch für mehr Mathematik, aber auch für mehr ganzheitliche Bildung, noch mehr Persönlichkeitsbildung, mehr Zeit für individuelle Förderung, mehr Zeit für Sport und Musik. Damit schaffen wir mehr Zeit und Raum für qualitativ hochwertige Bildung. Wir entlasten Familien bei der Betreuung. Wir sorgen für noch mehr Bildungsgerechtigkeit. Wir schaffen echte Begegnungszeit. Am Ende stärken wir damit die sozialen Kompetenzen. Wir können auch bei der Medienerziehung noch stärker ansetzen. Ich werde in Kürze wieder zu einem Runden Tisch einladen, die Akteure der Grundschulfamilie einladen, um die Umsetzung im Detail zu diskutieren. Auch hier setze ich wie immer auf Dialog. Ich bin der festen Überzeugung, dass erfolgreiche Bildungsarbeit nicht einfach von oben verordnet werden kann, so wie es der Antrag der GRÜNEN vielleicht vermuten lässt. Die besten Lösungen werden an der Schule vor Ort selbst gesehen und werden an der Schule vor Ort selbst umgesetzt. Hierzu haben wir hervorragende Lehrkräfte, die tagtäglich ihr Bestes geben. Das ist übrigens, das sei auch erwähnt, auch ein Ergebnis aus der Pisa-Studie, dass unsere Schülerinnen und Schüler gerne zur Schule gehen. Das ist das Verdienst unserer Lehrkräfte. An dieser Stelle an sie alle ein herzliches Dankeschön. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Meine Damen und Herren, wir haben in Bayern wichtige und erfolgreiche Maßnahmen umgesetzt. Wir setzen diesen Weg jetzt mit weiteren, sehr wuchtigen Maßnahmen konsequent fort. Was andere Länder angeht: Natürlich tauschen wir uns aus: Natürlich schauen wir uns Best-Practice-Beispiele an. Aber was wir sicherlich nicht machen, ist, andere Länder eins zu eins zu kopieren. Denn wir wissen in Bayern selbst, wie gute Bildung geht. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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