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Anna Rasehorn

SPD 30.09.2026 Sitzungen 19/88

Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen der demokratischen Fraktionen! 465 Punkte – so schlecht hat Deutschland beim Lesen noch nie abgeschnitten, seit es Pisa gibt. Heute verfehlt fast jeder dritte 15-Jährige das Mindestniveau. Das sind Jugendliche, die einen Mietvertrag, einen Beipackzettel, eine Prüfungsaufgabe oder, im schlimmsten Fall, den Ausbildungsinhalt nicht sicher verstehen. Pisa zeigt aber auch etwas anderes, und das ist uns als Sozialdemokratie besonders wichtig: Zwischen Jugendlichen aus wirtschaftlich starken Elternhäusern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien liegen beim Lesen 113 Punkte. Das entspricht mehreren Schuljahren. Die Lesekrise ist leider auch eine Gerechtigkeitskrise. Deswegen können wir nicht nur die Eltern in die Pflicht nehmen, sondern da ist auch die Schule gefordert. Eine verbindliche tägliche Lesezeit nach dem Hamburger Vorbild kann dabei eine gute Sache sein. Sie ist wissenschaftlich begleitet – und sie wirkt. Inzwischen haben mindestens 14 Bundesländer vergleichbare Programme aufgelegt. Wir finden, wir können dem zustimmen; Bayern könnte mit dabei sein. (Beifall bei der SPD) Eine tägliche Lesezeit, fünf Lektüren im Jahr, eine lebendige Schulbibliothek – all das hängt davon ab, dass jemand Zeit dafür hat und dass Geld investiert wird. An dieser Stelle müssen wir leider wieder an das Stellenmoratorium erinnern. Wohlgemerkt, trotz steigender Schüler:innenzahlen haben wir einfach zu wenig Lehrer:innen. Nur jede freiwerdende Stelle kann besetzt werden. Lehrkräfte müssen vermehrt zusätzliche Aufgaben erfüllen, aber der Personalbestand wächst nicht mit. Allein an den Mittelschulen fehlen 500 Stellen. Wer Leseförderung ernst meint, muss deshalb mehr tun. Das Lesen von fünf Lektüren dürfte weitestgehend kostenfrei zu organisieren sein. Wir haben aber auch noch öffentliche Einrichtungen. Wir haben – das ist doch unser Schatz vor Ort – 729 kommunale Bibliotheken und über 1.000 katholische und evangelische Büchereien. Auch hier können wir ansetzen. Ich möchte es umdrehen und nehme dafür immer ganz gern das Gurtanlegen beim Autofahren als Beispiel. Dort haben wir es so gemacht, dass wir den Kindern beigebracht haben, dass das Gurtanlegen im Auto unglaublich wichtig ist, und damit haben sie ihre Großeltern und Eltern erzogen. Und ja, in einem gebe ich Ihnen recht: Viele Eltern hängen an ihrem Handy, während sie Zeit mit ihren Kindern verbringen. Aber auch hier haben wir die Möglichkeit, dass Kinder, wenn sie ihren Eltern das Buch in die Hand drücken und sagen: "Ich möchte dieses Buch zu Ende lesen", sie sozusagen miterziehen. Deswegen sagen wir: Die verbindliche Lesezeit ist eine gute Möglichkeit, neben dem Ganztag. Deswegen stimmen wir diesem Antrag zu. – Vielen lieben Dank. (Beifall bei der SPD sowie Abgeordneten der GRÜNEN)

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