Markus Walbrunn
Herr Vizepräsident, meine Damen und Herren! Ja, wir haben eine Lesekrise. Immer mehr Schüler können selbst einfache Texte nicht mehr verstehen. Das ist ein Armutszeugnis für ein Land, das einst international als Bildungsnation geachtet wurde und dessen wichtigster Rohstoff in den Köpfen seiner Bürger steckt. Was aber ist die Antwort der GRÜNEN auf diese Krise? – 20 zusätzliche Minuten Lesezeit, 5 Lektüren im Jahr, mehr Schulbibliotheken und mehr Förderbudgets. Meine Damen und Herren, man kann einen Eisberg auch mit einem Föhn bekämpfen, darf sich dann aber nicht wundern, wenn das Schiff danach absäuft. (Beifall bei der AfD) Mit dem heutigen Maßnahmenbündel wandeln Sie auf ausgetretenen Pfaden. Ich halte fest: Es gibt bereits die fachintegrierte Leseförderung Bayern, FiLBY, die landesweite Initiative des ISB "#lesen.bayern" und die Initiative "vorlesen.zuhören.bewegen". Darüber hinaus gibt es zahlreiche Wettbewerbe und Leseclubs sowie diverse andere staatlich bezuschusste Stiftungen, Verbände und Arbeitsgemeinschaften, die sich alle dem Ziel verschrieben haben, Schülern das Lesen näherzubringen. Vielleicht sollten wir erst einmal prüfen, woran es liegt, dass trotz all dieser Maßnahmen und Initiativen die Ergebnisse trotzdem so ausfallen, wie sie ausfallen. Aber diesbezüglich muss man auch hier wieder den Eindruck haben, man weigert sich hartnäckig, den Elefanten im Klassenzimmer anzusprechen: Das sind nun einmal die Folgen der massiven Zuwanderung für unser Bildungssystem. Dabei genügt doch ein einfacher Blick in die OECD-Daten: Würden nur die Schüler, bei denen beide Elternteile deutsch sind, berücksichtigt, lägen wir tatsächlich europaweit in allen drei Kategorien an der Spitze, auch beim Lesen, auch vor Estland. (Zuruf der Abgeordneten Gabriele Triebel (GRÜNE)) Mittlerweile hat aber knapp jeder Dritte der getesteten Schüler in Deutschland einen Migrationshintergrund und fast zwei Drittel dieser Schüler geben an, zu Hause überwiegend nicht Deutsch zu sprechen. (Zuruf des Abgeordneten Toni Schuberl (GRÜNE)) Man muss sich also nicht wundern, dass diese Schüler beim Lesen im Durchschnitt 67 PISA-Punkte schlechter abschneiden. Höhere Quantenphysik ist das in meinen Augen jedenfalls nicht. Es wird immer der Einwand erhoben, man müsse den sozioökonomischen Hintergrund berücksichtigen. Das stimmt zwar, aber selbst dann bleiben 40 Punkte Unterschied bestehen. Die Ursachen liegen also primär nicht in den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses begründet oder in einem allgemeinen kulturellen Wandel, weg vom geschriebenen Wort, hin zum audiovisuellen Medienkonsum. Das spielt zwar auch eine Rolle, ist aber nicht die dominante Ursache. Nein, frei nach dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton: "It's the migration, stupid." (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Ach, mein Gott!) Sie können Bücherkisten bestellen, Bibliotheken ausbauen und immer weitere Förderprogramme mit immer neuen, wohlklingenden Namen erfinden. Im Detail kann man darüber sicherlich reden, aber die Resultate der bereits bestehenden Programme und Maßnahmen zeigen doch, dass das insgesamt zu kurz greift. Wir sind auf diesem Pfad schon längst im Bereich der diminishing returns angelangt. Das 20-Minuten-Leseband löst keine tiefgreifenden strukturellen gesellschaftlichen Probleme, fünf Bücher im Jahr keine Sprachbarriere, eine neue Schulbibliothek ersetzt keine gemeinsame Unterrichtssprache und kein Förderbudget der Welt kann auf Dauer das Elternhaus und eine bildungsorientierte Kultur ersetzen. Wenn es immer mehr Kindern an grundlegenden Deutschkenntnissen mangelt, wenn immer mehr aus Elternhäusern und Kulturen stammen, in denen das regelmäßige Lesen nicht verbreitet ist, führt das unweigerlich zu einer Überlastung des Bildungssystems. Ein solches System hat keine Zukunft und ist zum Scheitern verdammt, auch wenn man immer mehr Programme, Projekte, Personal und Geld hineinpumpt. Die Schulen können nicht reparieren, was gesellschaftlich in Schieflage geraten ist. Da bin ich ganz bei der Vorrede. Aber wer über die Lesekrise redet, aber über deren wesentliche Ursachen wie die Migration schweigt, ist ohnehin an keiner echten Lösung interessiert, noch schlimmer: Er opfert den bildungspolitischen Erfolg und die Zukunft der einheimischen und gut integrierten Kinder auf dem Altar seiner Ideologie. Die AfD wird Ihnen auf diesem Weg nicht folgen. Wir lehnen den vorliegenden Antrag ab. (Beifall bei der AfD)
