Florian Köhler
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren! Sie nennen Ihren Antrag "Bayern schneller ans Netz". Liebe CSU, liebe FREIEN WÄHLER, das ist ein treffender Titel, nur leider nicht in dem Sinne, den Sie meinen. Sie wollen Bayern nicht schneller an eine sichere Versorgung anschließen, Sie wollen Bayern schneller in die immer höheren Folgekosten Ihrer Energiewende treiben – und das in einem Land, das sich das schon längst nicht mehr leisten kann. Schauen wir uns Ihre Forderungen an, was Sie so in Ihrem Antrag stehen haben: neue Leitungen, neue Umspannwerke, Netzkuppelstellen, bis zu sechs priorisierte Vorhaben pro Regierungsbezirk, Projektmanager und neue Clearingstellen. Da wundert es mich, dass Kollege Vogel bei so vielen neuen Stellen, die hier geschaffen werden sollen, noch nicht im Dreieck springt – alles, damit die Energiewende weiter vorangebracht wird. Sie behandeln nicht die Krankheit, Sie verabreichen dem Patienten nur immer teurere Schmerzmittel. Zuerst schalten Sie zuverlässige Kraftwerke ab und bauen massenhaft wetterabhängige Anlagen zu. Dann staunen Sie, dass das Netz nicht mehr mithält, und fordern für Milliarden Euro neue Infrastruktur, um die selbst erzeugten Schwankungen und Engpässe irgendwie zu beherrschen. Das ist keine Energiepolitik, das ist teure Reparaturverwaltung eines Systems, das Sie selbst kaputt gemacht haben. (Beifall bei der AfD) Und wer zahlt die Rechnung. Der Bürger zahlt die Rechnung. Der "Global Wealth Report 2026" der UBS sagt ganz klar, das Medianvermögen in Deutschland lag 2025 bei gerade einmal 47.300 Euro je Erwachsenem. Real und inflationsbereinigt bedeutet das, dass wir 11.700 Euro weniger in der Tasche haben als noch 2020. In genau dieser Situation wollen Sie die nächste kostentreibende Ausbaurunde starten. Bezahlt wird das über steigende Netzentgelte, über Steuern, über Schulden und, wenn Sie beim Kollegen Merz nachfragen, vielleicht auch über Sondervermögen. Am Ende zahlt einer, nämlich der Bürger. Die Bundesnetzagentur beziffert die Kosten für das Netzengpassmanagement 2025 auf 3,1 Milliarden Euro. 2014 waren das noch 200 Millionen Euro; das hat sich in elf Jahren verfünfzehnfacht. Tut mir leid, da von einer erfolgreichen Energiewende zu sprechen oder sich bei Ihrer Symptombehandlung hier überhaupt zu trauen, so einen Antrag zu stellen, ist blamabel; das muss ich ganz ehrlich sagen. (Beifall bei der AfD) Für den Winter 2025/2026 müssen wir weitere 6.493 Megawatt Netzreserve vorhalten, davon über 1.300 Megawatt aus dem Ausland. Sie wollen digital souverän werden, schaffen es aber nicht einmal, für Energiesouveränität zu sorgen, weil wir keine grundlastfähigen Kraftwerke in dem Sinne mehr haben. Das ist keine souveräne Energieversorgung, was Sie hier betreiben, das ist dauerhafte kostspielige Krisenverwaltung. Jetzt die harten Zahlen: Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln schätzt die bundesweiten Investitionskosten für den Stromnetzausbau bis 2045 auf 732 Milliarden Euro. Allein in Bayern plant das Bayernwerk bis 2030 15,1 Milliarden Euro für sein Verteilnetz. SuedLink schlägt mit weiteren 13,6 Milliarden Euro zu Buche, zusammen also schon 28,7 Milliarden Euro mit unmittelbarem Bayernbezug. Was bietet die Radiant Energy Group demgegenüber? Das konnte man kürzlich in der Presse lesen: die Reaktivierung der vier bayerischen Kernreaktoren Isar 2, Gundremmingen B, Gundremmingen C und Grafenrheinfeld für 10,1 Milliarden Euro. Dafür bekämen wir 5,4 Gigawatt regelbare Leistung und 42,7 Terawattstunden Strom im Jahr: wetterunabhängig, grundlastfähig, planbar. Das ist rechnerisch 18,6 Milliarden Euro günstiger, oder, wenn Sie es prozentual haben wollen, 65 %. Wenn man das Ganze auf die Bundesebene überträgt, ist der Unterschied noch krasser: Man zahlt 39,3 Milliarden Euro für 14 Reaktoren gegenüber 732 Milliarden Euro Netzausbau. Unsere Vorschläge sind um 95 % billiger, und Ihrer ist 18,6-mal so teuer. (Beifall bei der AfD) Das ist noch nicht alles: Zwischen 2013 und 2023 wurden in Bayern bereits 171 Hektar Wald für Stromleitungen gerodet, 240 Fußballfelder. Die Schutzstreifen von SuedLink und SuedOstLink umfassen zusammen 2.486 Hektar, also rund 3.500 Fußballfelder. Die Bürger wehren sich zu Recht gegen diesen Eingriff in ihre Heimat. Ihre Antwort darauf kann man heute lesen: noch mehr Beschleunigung, noch mehr Projektmanager und noch mehr Clearingstellen. Mehr Verwaltung macht eine wirtschaftlich falsche Entscheidung einfach nicht richtig. (Beifall bei der AfD) Unser Antrag setzt genau hier an: Wir wollen den Netzausbau auf das technisch, wirtschaftlich und versorgungspolitisch notwendige Maß begrenzen. Wir fordern Technologieoffenheit, Kernkraft, sichere Gaslieferungen, moderne Kohlekraftwerke, Wasserkraft, flexibles Biogas und erneuerbare Energien eben dort, wo sie sich rechnen und dem Netz nicht schaden. Verbrauchsnahe, regelbare Kraftwerke reduzieren den Bedarf an gigantischem Ferntransport, an Redispatch und teurer Reserve. Deshalb müssen die vier bayerischen Kernreaktoren unverzüglich wieder in Betrieb genommen werden oder wiederaufgebaut werden, zumindest muss man das einmal überprüfen. Die Zahlen der Radiant Energy Group zeigen, das ist technisch planbar und wirtschaftlich darstellbar. Wir lehnen Ihren Antrag also ab, weil er die Milliardenkosten der Energiewende weiter beschleunigt, ohne die Ursachen zu beseitigen. Bayern braucht kein "schneller ans Netz", kein immer teureres, komplizierteres und störanfälligeres System. Bayern braucht bezahlbaren Strom, gesicherte Kraftwerksleistung und stabile Netze. Deshalb lautet die richtige Antwort nicht "Bayern schneller ans Netz"; die richtige Antwort lautet: Bayern günstiger und sicherer ans Netz durch Kernkraft, Technologieoffenheit und energiepolitische Vernunft. Hören Sie auf, die Bürger für Ihre ideologischen Experimente zur Kasse zu bitten. Stellen Sie die Vernunft wieder her, und stimmen Sie unserem Nachzieher zu. (Beifall bei der AfD)
