Carolina Trautner
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Prävention ist die klügste Investition, die eine Gesellschaft tätigen kann. Dieser Grundsatz, wie ihn die WHO formuliert, gilt nirgendwo mehr als bei Kindern und Jugendlichen; denn wer früh investiert, schützt nicht nur die Gesundheit, er schützt Zukunft, auch wenn es sich manchmal schwer in Zahlen und Statistiken bemessen lässt. Kindergesundheit geht uns alle an, und sie ist keine Frage der Zuständigkeit, sondern eine Frage des Willens, eine Aufgabe, die wir als Gesellschaft an Priorität eins setzen müssen. Genau das wird in den vier Anträgen deutlich, die wir heute einbringen. Antrag I, "Public-Health-Ansatz stärken": Kindergesundheit ist Daseinsvorsorge. Wer diese einfache Formel unterschreibt, der wird auch anerkennen, dass wir einen Paradigmen-Wechsel brauchen, weg vom reinen Reparieren, hin zur Prävention. Der Pakt für Kindergesundheit setzt genau hier an. Aber ein Pakt lebt nicht mit einer Unterschrift, sondern von dem, was danach kommt, und davon, dass er mit echtem Leben erfüllt wird. Der Masterplan Prävention schafft hierfür schon die strukturellen Grundlagen. In Bayern ist die Bereitschaft zu handeln groß: 56 der Gesundheitsregionen plus – das entspricht ungefähr 90 % – befassen sich bereits sehr aktiv mit der Kinder- und Jugendgesundheit. Das ist bemerkenswert, meine Kolleginnen und Kollegen. Darauf lässt sich aufbauen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Auch wenn wir Probleme haben, die natürlich in ganz Bayern auftreten – seien es Übergewicht, Adipositas oder überbordender Medienkonsum –, müssen wir trotzdem auf die Regionen schauen. Wir brauchen jetzt regionale Kindergesundheitsnetzwerke, die die bestehenden Akteure vor Ort viel besser vernetzen, die vorhandenen Angebote sichtbarer machen und Synergieeffekte erzeugen. Wir können die frühen Hilfen als Beispiel nehmen. Sie zeigen uns seit Jahren, wie gut interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort aussehen kann. Diesen Geist wollen wir auf die gesamte Kindergesundheitsversorgung übertragen. Wo wir dann Versorgungslücken identifizieren – es gibt welche, das wollen wir gar nicht schönreden –, dort sollen regionale Gesundheitskonferenzen konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln: mehr niedrigschwellige Angebote für mehr Nähe zu den Familien. Wer über Kindergesundheit spricht, muss natürlich auch über diejenigen sprechen, die sie sicherstellen: die Kinderärztinnen und die Kinderärzte. Da haben wir auch eine Aufgabe, die wir nicht auf morgen verschieben können. Es geht um die Nachwuchsgewinnung, und es geht um die Weiterbildung. Im ambulanten Bereich haben wir nach den G-BA-Vorgaben derzeit in vielen Regionen eine Regel- oder sogar eine Überversorgung. Das klingt zunächst beruhigend, aber nur auf den ersten Blick; denn es gibt Prognosen, dass wir, nach Berechnungen, in Bayern bis 2030 jede vierte Facharztstelle in der Pädiatrie unbesetzt haben. Das geht doch nicht. Das sind unsere Primärärzte für diese Altersgruppe, unsere Hausärzte. Deshalb brauchen wir ein abgestimmtes Programm zur Nachwuchsgewinnung und zur Weiterbildung in der Kinder- und Jugendmedizin, natürlich gemeinsam entwickelt mit der Bayerischen Landesärztekammer, mit der Krankenhausgesellschaft und mit den pädiatrischen Fachverbänden. Ein Weiterbildungsfonds soll gezielt Anreize setzen. Wir wollen die Facharztprüfungen von 130 auf 180 pro Jahr steigern, befristet auf fünf Jahre. Wir setzen uns dafür ein, dass wir auf Bundesebene darüber sprechen, dass die Pädiatrie in der Weiterbildungsförderung nach § 75a SGB V mit der Allgemeinmedizin gleichgestellt wird. Ja, zusätzliche Weiterbildungsbefugnisse, Rotationsmöglichkeiten, all das ist wichtig. Aber es braucht noch mehr. Es braucht die Stärkung digitaler und telemedizinischer Kompetenzen in Kooperation mit der virtuellen Kinderklinik; denn die Medizin der Zukunft wird hybrid sein, und wer das jetzt nicht in die Ausbildung integriert, der bildet für gestern aus. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) An dieser Stelle möchte ich noch einmal ergänzen, was wir auch auf den Weg gebracht haben, nämlich: Die Landarztquote wurde um die Fachrichtung Kinder- und Jugendmedizin erweitert. Zum Antrag III, "Mädchenspezifische Drogenprävention". Unsere Erfahrung zeigt, dass Mädchen und junge Frauen in der Suchtprävention noch immer zu wenig als eigenständige Zielgruppe wahrgenommen werden. Doch die Forschung ist eindeutig: Mädchen konsumieren anders, entwickeln Abhängigkeiten anders und brauchen daher auch andere Zugänge. Sie haben oft stille und unauffällige Suchtformen ausgesucht. Seit 2023 fördern wir mit Landesmitteln gezielt mädchenspezifische Ansätze wie das Projekt Lilith e. V. in Nürnberg im Rahmen des Nürnberger Drogenhilfemodells. Das sind wichtige Schritte; aber sie reichen noch nicht aus. Wir wollen die wissenschaftliche Auswertung dieser Erkenntnisse voranbringen, weitere Stakeholder und Geldgeber einbinden und die bayerische Suchtpräventionsstrategie weiterentwickeln. Wir brauchen flächendeckende geschlechtersensible Präventionsangebote, entwickelt in enger Kooperation mit der Sucht- und Jugendhilfe sowie der Fachpraxis vor Ort, und wir müssen da auch die Kommunen stärker einbinden. Prävention wirkt vor Ort oder gar nicht. (Beifall bei der CSU)
