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Martin Brunnhuber

FREIE WÄHLER 22.07.2026 Sitzungen 19/86

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Gabi, du hast uns ein Angebot gemacht. Das Angebot dieses Gesetzentwurfs sehe ich so: Das ist auf einem Wühltisch. Wir haben es uns jetzt ganz genau angeschaut, wir haben es gedreht, gewendet. Da ist zwar ein roter Sonderpreisstempel drauf, aber wir werden es trotzdem nicht nehmen, weil dieses Angebot, wie es Björn Jungbauer schon gesagt hat, einfach handwerklich schlecht ist. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Wir unterhalten uns hier – das ist eigentlich das Wichtigste, und das stimmt mich traurig – voll über eine Elitendiskussion. Es geht nur um die Hochschulzugangsberechtigung, um die Bildungsgleichheit und darum, wer auf die Hochschule gehen kann. Wir verkennen unser gutes duales Schulsystem im beruflichen Bereich voll und ganz. Bitte, bitte, bitte gehen Sie weg von dieser Elitendiskussion, die wir hier immer führen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU – Zurufe von den GRÜNEN) – Warum es eine Elitendiskussion ist? Das sage ich jetzt: Kinder haben unterschiedliche Begabungen. Dazu gab es schon zwei Wortmeldungen. Wir müssen nach den Begabungen schauen und danach, wo die Kinder den besten Bildungsweg finden. Der beste Bildungsweg ist nicht immer der formal höchste, sondern der beste Bildungsweg ist der Bildungsweg, der zu den Kindern passt. (Zurufe von den GRÜNEN – Felix Locke (FREIE WÄHLER): So schaut’s aus!) Das verkennen Sie, meine Damen und Herren. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Wir schauen immer nur auf die Eltern, auf den unerfüllten Traum der Eltern, und bringen die Kinder in eine Situation, die sie gar nicht wollen. Ich weiß es selber. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Ich bin nicht übers Gymnasium gegangen, sondern habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die unser gegliedertes Schulsystem bietet. Wir haben ein Schulsystem, das jedem Bildungsabschluss einen Anschluss bietet. Meine Damen und Herren, das ist hervorragend und führt letztendlich auch zu lernhomogenen Gruppen, die wir brauchen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Wir haben beispielsweise den begabungsgerechten Übertritt nach der fünften Klasse. Wir haben nach dem mittleren Bildungsabschluss Übergangsklassen, sodass es trotzdem noch möglich ist, aufs Gymnasium zu gehen. Wir haben ab der siebten Klasse den M-Zug, der meines Erachtens ein absolutes Erfolgsmodell ist, weil hier das Klassenlehrerprinzip so hoch aufgehängt ist und die Schüler über einen längeren Zeitraum begleitet werden können. Wir haben die flächendeckende Einführung der FOS 13, die dann mit einer zweiten Fremdsprache letztendlich auch zur Allgemeinen Hochschulreife führt. Was sollen wir noch machen, damit Sie verstehen, dass unser Schulsystem unschlagbar gut ist? Was sollen wir noch machen? (Gabriele Triebel (GRÜNE): Pisa!) Unser Schulsystem relativiert die Schullaufbahnentscheidung ganz hervorragend. Sie gehen immer davon aus, dass der Druck nach der vierten Klasse zu hoch ist. – Er ist nicht zu hoch, sondern die Eltern machen den Druck. Meines Erachtens geht es nur darum, dass man alle Möglichkeiten, die unser Schulsystem bietet, auch wirklich transparent aufzeigt. Dann werden die Eltern auch erkennen, dass es nie zu spät ist, wenn man einmal weitermachen möchte, einen höheren Abschluss zu erreichen. Ich will Ihnen auch einfach einmal Fakten zum differenzierten Schulsystem verdeutlichen. In Bayern haben wir die niedrigste Quote an Jugendarbeitslosigkeit; sie ist mit 3,7 % die mit Abstand niedrigste von allen Bundesländern. Die Quote der Schulabgänger ohne Schulabschluss ist mit 5,3 % mit Abstand die niedrigste von allen Bundesländern. Wir haben aus dem Schulversuch der Siebzigerjahre, bei dem diese Öffnungsklausel letztendlich an fünf Standorten umgesetzt war, erkannt, dass sich kein signifikanter Vorteil ergeben hat. Sie werden jetzt wieder dagegen argumentieren: Machen wir es so wie in den Siebzigerjahren. – Es wird wieder herauskommen, dass es keinen signifikanten Vorteil gibt, meine Damen und Herren. Das wichtigste Argument gegen diese Öffnungsklausel sind aber die Fakten. Sie argumentieren, dass man kleine Standorte – das ist ein romantisches Bild – erhalten und auch ausbauen könnte. Das stimmt aber nicht; denn die Sachaufwandsträgerschaft wäre absolut überfordert. Das würde unsere Schullandschaft dauerhaft schwächen, weil man, um so eine Schulform zu ermöglichen, mindestens Dreizügigkeit braucht. Dreizügigkeit haben wir in Berlin, Hessen, Sachsen-Anhalt. Berlin ist jetzt nicht dafür bekannt, dass es die besten Schulabschlüsse bietet. Vierzügigkeit haben wir in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland, in Niedersachsen sogar Fünfzügigkeit. Das bedeutet: Wir haben sehr große Schulen, wir haben einen sehr großen Einzugsbereich. Die Sachaufwandsträgerschaft müsste aber trotzdem noch das differenzierte Schulsystem vorhalten, das wir schon ganz gut etabliert haben. Jetzt ist die Redezeit gleich zu Ende. Im Großen und Ganzen muss ich zur Chancengerechtigkeit als Fazit sagen: Bitte lenken Sie den Blick nicht nur auf die Hochschulzugangsberechtigung. Das Ziel muss in homogenen Gruppen bestehen. Diese bekommt man mit Differenzierung. Sie stimmen nämlich Ihre Angebote nur auf die Schwächsten ab. Sie wissen aber gar nicht, was man den Guten antut, wenn die vor Langeweile vom Stuhl fallen, weil sie einfach in so einem großen Brei mitgenommen werden. Und als Nächstes: Es gibt keine Überlegenheit. Das sind die Erkenntnisse aus den Siebzigerjahren. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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