Markus Walbrunn
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Trojanische Pferde gibt es aktuell nicht nur im Kino, sondern auch bei uns hier im Plenum. Von außen betrachtet, handelt es sich um ein harmloses Angebot. Doch wer sich darauf einlässt, dem droht der Niedergang. Die GRÜNEN wollen längeres gemeinsames Lernen ermöglichen. Auf freiwilligen Antrag der Schulträger möchten sie die Errichtung von Sekundarschulen besonderer Art – vulgo Gemeinschaftsschulen – in Bayern gestatten. Das soll freiwillig erfolgen, was ja erst einmal gar nicht schlecht klingt. Deshalb habe ich mir auch noch einmal Ihre bisherigen Beiträge im Plenum und im Ausschuss angesehen. Was soll ich sagen? Es war weder etwas Überraschendes noch etwas Überzeugendes dabei. Eine Idee zu vermarkten, die sich in anderen Bundesländern bereits weitgehend als Rohrkrepierer entpuppt hat, ist halt schwer. Anders gesagt: Von Grün und Rot zu lernen, das heißt Versagen lernen. Das gilt nicht nur in der Bildungspolitik, aber gerade auch dort. Sie reden von Freiwilligkeit, und Sie sprechen von Gemeinschaftsschulen. Aber machen wir uns doch nichts vor: Dieses längere gemeinsame Lernen ist eben nur besagtes trojanisches Pferd. Darin wartet der Einstieg in die Einheitsschule. Fast spannender als der eigentliche Vorschlag ist die Frage, wie Sie versuchen, uns diesen vergammelten Apfel vom Baum sozialistischer Erkenntnis herunterwürgen zu lassen. Dafür, das muss man sagen, werden wirklich alle Register gezogen: Von Emotionalisieren über Moralisieren bis hin zu wissenschaftlicher Verbrämung Ihrer Ideologie ist alles dabei. Beginnen wir einmal mit der Emotionalisierung. In Ihrer ersten Rede, Frau Triebel, haben Sie folgendes Zitat gebracht: Ich weiß, jetzt geht es um mein Leben. – Das soll von einem Drittklässler mit Blick auf den angeblich unerträglichen Übertrittsdruck gekommen sein. Selbst wenn ein Kind so spricht, dann sagt das doch mehr über das Elternhaus aus als über unser Schulsystem. Letzteres ist nämlich durchaus sehr durchlässig, und es führen zahlreiche Wege zum Abitur, zum Studium und zum beruflichen Erfolg. Wer Kindern einredet, dass mit zehn Jahren schon über ihr gesamtes Leben entschieden wird, der schürt Panik und sonst gar nichts. Nach dem Emotionalisieren kommt das Moralisieren. Das Stichwort lautet Bildungsgerechtigkeit. Wenn Linke von Gerechtigkeit sprechen, dann ist Vorsicht geboten und man muss die Geldbörse in Sicherheit bringen; denn dann geht es in der Regel um andere Dinge, nämlich um Neid und Gleichmacherei. Das sieht man auch wieder an den angesprochenen ressentimentbeladenen privilegierten Elternhäusern, ohne die Ihr Begründungstext wiederum nicht auskommt. Nicht Chancengerechtigkeit, sondern Ergebnisgleichheit ist letzten Endes Ihr Ziel. Deshalb erfolgt auch diese ständige Fixierung auf das Abitur, die bei Ihnen jetzt gerade schon wieder angeklungen ist. Darin ist schon enthalten, dass das Abitur im Grunde jeder bekommen müsste. Und bei denjenigen, bei denen es nicht klappt, kann das natürlich nicht aufgrund fehlender Leistungsfähigkeit oder mangelnden Fleißes oder falscher Entscheidungen zustande gekommen sein. Am Ende des Tages findet sich immer irgendeine strukturelle Benachteiligung. Aber Sarkasmus beiseite. Wir sagen Nein zu Gleichmacherei und zu Niveau-Limbo-Wettbewerben. Dafür braucht es weniger moralinsaures Geschwätz und weniger Symbolpolitik, dafür mehr Fokus auf Leistung und bessere Ergebnisse. Gerade diese Ergebnisse sprechen gegen diesen Gesetzentwurf; denn dort, wo Sie regieren, erzielen Schüler nun einmal die schlechtesten Resultate. Das ist die harte, nüchterne Realität. Ihre Bildungsgerechtigkeit bedeutet häufig nur, dass am Ende alle gleich schlecht sind, und davor müssen wir unsere Kinder schützen. Mit ein paar Studien aus dem Elfenbeinturm um sich zu werfen, ist dabei nicht hilfreich, besonders dann nicht, wenn Ihr Hauptzeuge – John Hattie ist ja schon mehrfach zitiert worden – von der Wirkung der Gemeinschaftsschulen selbst nicht überzeugt ist. Er stellt nämlich nüchtern fest, dass es im Durchschnitt keinen Unterschied macht, ob Kinder länger gemeinsam lernen oder früher getrennt werden. Seine entscheidende Erkenntnis ist: Auf den Lehrer, auf die Qualität des Unterrichts, auf klare Strukturen und auf eine funktionierende Lernumgebung kommt es an. Ich muss sagen, hier widerspricht er sich in meinen Augen sogar ein Stück weit, weil er einerseits sagt: Es ist egal, ob hier ein gegliedertes Schulsystem oder eine Gemeinschaftsschule vorliegt. Er räumt aber andererseits ein, dass es für die Lehrer doch leichter ist, mit homogeneren Lerngruppen zu arbeiten. Aber was liefert denn in der Praxis homogenere Lerngruppen? Natürlich zum einen eine vernünftige Migrationspolitik, aber in diesem Zusammenhang vor allem auch unser gutes, bewährtes, mehrgliedriges Schulsystem – ein System, das unterschiedliche Veranlagungen respektiert, unterschiedliche Bildungswege ermöglicht und zugleich Aufstieg immer offen hält. Quod erat demonstrandum, wie die Lateiner oder auch Oskar Atzinger sagen würden. (Felix Locke (FREIE WÄHLER): Schwierig!) Wir lehnen dieses trojanische Pferd der Einheitsschule natürlich ab. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD)
