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Gabriele Triebel

GRÜNE 22.07.2026 Sitzungen 19/86

Sehr geehrtes Präsidium, verehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler der Münchner Willy-Brandt-Gesamtschule! (Zuruf von der CSU: Hört, hört!) – Genau, hört, hört! Übertrittsdruck, unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten, Entwicklungsgeschwindigkeiten und ungleiche Startbedingungen – Sie von den Regierungsfraktionen haben in der Ersten Lesung und im Bildungsausschuss diese Probleme unserer Viertklässler durchaus treffend beschrieben. Mit dieser Beschreibung haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder sehen Sie die Probleme; dann sollten Sie auch Lösungen zulassen. Oder Sie halten den Status quo für ausreichend; aber dann erklären Sie doch bitte den Familien, warum dieser Übertrittsdruck für Zehnjährige in Bayern doch normal sein soll. Der vorliegende Gesetzentwurf ist ein Angebot an dieses Hohe Haus, an die Staatsregierung und vor allem an die Kommunen und Schulen vor Ort. Weder ist unser Vorschlag radikal noch wird jemand gezwungen, das bestehende Schulsystem aufzugeben. Er eröffnet lediglich eine Möglichkeit. Ist das zu viel verlangt? Mit der vorgelegten Änderung des Artikels 126 BayEUG schaffen wir eine Öffnungsklausel, mit der Kommunen sogenannte Sekundarschulen besonderer Art beantragen können, und zwar dann, wenn Schulträger und Schulgemeinschaften es wollen, dass Kinder von der 5. bis mindestens bis zur 9. Klasse gemeinsam lernen können; (Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der SPD) ohne eine frühe Aufteilung, inklusiv und mit einem Unterricht, der unterschiedliche Begabungen und Entwicklungsgeschwindigkeiten berücksichtigt. Alle Bildungsabschlüsse bleiben erreichbar. Der Anschluss an das Gymnasium und an die berufliche Bildung ist gesichert. Wir schaffen damit überall dort, wo es gewünscht wird, die Möglichkeit des längeren gemeinsamen Lernens und zugleich eine zusätzliche Perspektive für den Erhalt kleiner und ländlicher Schulstandorte. Wie wichtig diese Perspektive insbesondere im ländlichen Raum ist, müssen Sie wissen; denn dort, wo Schülerzahlen sinken, geraten Schulstandorte unter Druck. Gemeinschaftsschulen können helfen, Bildungswege unter einem Dach zu bündeln, kurze Wege zu erhalten und Familien eine gute schulische Perspektive zu bieten. Niemand wird etwas weggenommen, und niemand wird gezwungen, das bestehende Schulsystem aufzugeben. Es entsteht lediglich eine zusätzliche Wahlmöglichkeit. Und genau deshalb ist diese Öffnungsklausel so maßvoll. Sie zwingt niemanden in die Pflicht. Es gibt keine flächendeckende Einführung, sondern überall dort eine Option, wo die Menschen gemeinsam Verantwortung für ihre Kinder und Jugendliche übernehmen wollen. Zum Thema Leistung wurde in der Ersten Lesung und in der Diskussion im Bildungsausschuss auch schon festgehalten: Eine frühe Gliederung benachteiligt insbesondere leistungsschwache Schülerinnen und Schüler. Ein längeres gemeinsames Lernen geht nicht zulasten der leistungsstärkeren Schüler. – Wer Leistung also ernst nimmt, der darf nicht nur sortieren, sondern muss fördern. (Beifall bei den GRÜNEN) Diesen Fördergedanken brauchen wir mehr in unseren bayerischen Schulen. Deswegen ist unser Angebot an Sie ein gutes Angebot. Lassen Sie mich den Blick noch einmal auf den Bildungsweltmeister Singapur lenken. Frau Ministerin, Sie kennen es wahrscheinlich: Dort erfolgt der Übertritt nach der 6. Klasse. Die Verantwortlichen dort haben erkannt, dass diese frühe Trennung Kinder, Eltern und Lehrkräfte stark belastet und soziale Ungleichheiten verstärkt. Das Versprechen "Aufstieg durch Bildung" wird durch diese frühe Trennung immer weniger erfüllt. Deshalb hat sich Singapur 2024 dazu entschlossen, das gegliederte System nach der 6. Klasse abzuschaffen und gegenzusteuern. Man hat sich dort dazu entschlossen, die Schule für die Kinder und Jugendlichen gerechter zu machen. Singapur hat es verstanden. Singapur bewegt sich in die richtige Richtung. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, Sie hätten heute die Chance, sich auch zu bewegen. Sie könnten ein neues Modell erproben, es wissenschaftlich begleiten und daraus Erkenntnisse für das gegliedertes Schulsystem hier in Bayern gewinnen. Sie könnten zeigen, dass Bayern offen ist, Schule gerechter zu gestalten, ohne Bestehendes abzuschaffen. Sie brauchen keine großen Sprünge zu vollführen. Es bedarf nur einer kleinen Bewegung in die richtige Richtung, auf die draußen so viele warten. – Herzlichen Dank.

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