Stephanie Schuhknecht
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, was für ein Frauenbild die AfD hat, das haben wir gerade wieder gehört. Ich glaube, es geht nicht darum, dass Frauen geschützt werden müssen oder dass man ihnen vorgibt, was sie zu tun haben, sondern dass wir als Politik gute Rahmenbedingungen vorgeben sollten, dass alle gut gründen können. (Beifall bei den GRÜNEN) Es freut mich grundsätzlich, dass wir heute, wenn auch nicht im Rahmen einer Regierungserklärung, wie es ja ursprünglich eigentlich mal vorgesehen war, zum Thema Start-ups sprechen können. (Felix Locke (FREIE WÄHLER): Das kommt schon noch!) Dabei freut es mich natürlich noch viel mehr, dass es auch darum geht, wie wir Gründerinnen unterstützen können. Ich glaube, es ist uns allen klar: Wir können es uns nicht leisten, unser volles Potenzial nicht auszuschöpfen. Frauen haben eben großartige und innovative Ideen, doch ihnen werden – wir haben es gerade schon gehört – einfach zu viele zusätzliche Steine in den Weg gelegt, wenn es um Gründungen geht. Das muss sich grundsätzlich und dringend ändern. Was macht es Frauen in dem Bereich schwerer? – Wenn wir in den Female Founders Monitor schauen, zeigt sich ein tristes Bild. Einige Zahlen haben wir vom Kollegen Ebner gerade schon gehört: Der Anteil der Frauen am Gründergeschehen ist erstmalig sogar noch gesunken. Nicht einmal mehr ein Fünftel der Start-ups wird von Frauen gegründet. Ich glaube, damit können wir uns nicht zufriedengeben. Ich habe es schon gesagt: Frauen haben genauso gute Ideen, doch die Bedingungen sind für sie einfach schlechter; und zwar zum einen natürlich, weil es einfach noch zu wenig gute Rollenvorbilder gibt. Wir kennen alle wirklich tolle Gründerinnen, die das wunderbar hinbekommen, aber die Anzahl ist noch nicht genügend. Die, die es dann tun, haben einfach noch mal ganz andere Herausforderungen. Eine zentrale Hürde, die der Female Founders Monitor auch nennt, ist nicht überraschend: die mangelnde Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie. Das trifft natürlich grundsätzlich auch Männer, aber wir wissen, dass die Realität von Frauen die ist, dass immer noch mehr Care-Arbeit von Frauen übernommen wird. Das trifft natürlich bei Gründerinnen genauso zu. Da sind wir als Politik ganz klar gefragt. Hier können wir konkret etwas tun und müssen das auch. Dazu braucht es zum Beispiel eine bessere Möglichkeit, als Selbstständige Mutterschutz nehmen zu können. Ich glaube, da kommen wir langsam auch Schritte voran, aber es ist einfach so, dass es gerade in diesen ersten Wochen extrem schwierig ist, als Frau gleichzeitig noch die Selbstständigkeit am Laufen zu halten. Wir brauchen auch verlässliche und qualitativ gute Kinderbetreuung. Auch da sind wir als Politik gefragt. Wenn wir uns anschauen, worauf gründungsinteressierte und gründende Frauen nach wie vor treffen: Na ja, es wurde ja schon gesagt, das ist ein relativ männlich dominiertes Ökosystem, sage ich jetzt mal. Das schreckt viele natürlich ab, und es führt auch dazu, dass gerade im Bereich Venturecapital extremer Aufholbedarf besteht. Ich möchte eine andere Zahl nennen, die noch nicht genannt wurde: 91 % des Venturecapitals gehen aktuell an reine Männerteams. Das heißt, nur 9 % gehen an gemischte Teams oder reine Frauenteams. Das ist ebenfalls eine Zahl, die uns Sorge bereiten sollte. In dieser Hinsicht müssen wir ganz klar besser werden. Das alles sind keine neuen Erkenntnisse. Ich bin jetzt auch schon etwas länger Abgeordnete in diesem Hohen Haus und habe in den letzten Jahren schon einige Anträge zu diesem Thema gestellt, jedoch leider nicht besonders erfolgreich. Ich habe zum Beispiel 2020 ein ganzes Antragspaket vorgelegt, in dem es darum ging, Gründerinnen durch ein Coaching-Programm, ein Forum für Gründerinnen, die Auslobung eines Gründerinnenpreises, die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle in Nordbayern und die verstetigte Finanzierung eines Gründerzentrums, das speziell Frauen fördert, besser zu unterstützen. Ich kann nur sagen: Mich freut es, dass wir uns heute mit dem Thema auseinandersetzen. Aber es ist auch eine vertane Chance, weil es sich nur um einen Berichtsantrag handelt. Damit ist erst einmal noch keiner einzigen Gründerin geholfen. Es ist schade, dass im Antrag steht, man müsse sehen, ob für den Gründerinnenpreis dann wirklich Geld zur Verfügung stehe; denn die Forderung danach besteht schon relativ lang. Es wäre schön gewesen, wenn Sie im Zuge der Haushaltsberatungen Geld für dieses wirklich wichtige Anliegen bereitgestellt hätten. Das Thema wird jetzt schon mindestens sechs Jahre lang in diesem Hohen Haus diskutiert. Ich komme zum Schluss. Ich finde es gut, dass wir diesen Bericht erhalten, und würde mich freuen, wenn darin beschrieben wird, wie die Geschlechterverteilung bei den Fördergeldern aussieht; denn dies ist noch nicht systematisch erhoben worden. Vielleicht erfahren wir das im Kontext dieses Berichts. Wir dürfen dabei jedoch nicht stehen bleiben. Lassen Sie uns gemeinsam für Verbesserungen für Gründerinnen sorgen! Wir brauchen ganz klar das innovative Potenzial der Frauen in diesem Land. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. (Beifall bei den GRÜNEN)
