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Stefan Ebner

CSU 17.06.2026 Sitzungen 19/82

Herr Vizepräsident, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich vor zweieinhalb Jahren in den Bayerischen Landtag gewählt worden bin, war ich auf Investorenseite im Bereich Start-ups tätig. Wir haben Start-ups auf der ganzen Welt unterstützt. Ich kann mich noch sehr gut an eine Videokonferenz erinnern, wo vor mir eine junge Frau zu sehen war – aber nicht alleine, sondern sie hatte ihr Baby vorgeschnallt. Dieses Bild hat sich mir eingeprägt, weil das dann eine sehr erfolgreiche Gründerin geworden ist. Sie war mit den Produkten, die sie hergestellt hat, erfolgreich. Sie hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt, hat Investoren für sich gewonnen. Das Unternehmen gibt es bis heute, und es ist erfolgreich. Ich bin selbst dreifacher Vater. Ich glaube, wir Männer können nur erahnen, was es gerade für Frauen für eine Herausforderung ist, wenn sie Gründerinnen sind und neben der Familie auch noch von null weg ein Unternehmen aufbauen und versuchen, das groß zu machen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle sagen: Respekt und Dank allen Gründern und ganz besonders Gründerinnen, die dieses Land durch ihre Ideen, durch ihren Mut, durch ihre Risikobereitschaft voranbringen! Das ist toll, und das ist etwas, was unser Land voranbringt – egal, ob man es mit oder ohne Familie macht. Ein herzliches Dankeschön an alle Gründerinnen! (Beifall bei der CSU) Meine Damen und Herren, wo stehen wir in diesem Land aktuell, wenn es um das Thema Start-ups und Gründerinnen geht? – 3 % aller Start-ups haben reine Frauenteams, 94 % sind hingegen reine Männerteams. Lediglich 1 % des kompletten Risikokapitals – im letzten Jahr waren das knapp 8 Milliarden Euro – fließt an reine Frauenteams. Das sind ein bisschen mehr als 50 Millionen Euro. Obwohl das Risikokapital, das wir für unsere Start-ups zur Verfügung haben, in den letzten Jahren gestiegen ist, profitieren davon gerade Frauenteams nicht. Sie sind unterrepräsentiert. Was sind die Gründe dafür? – Die Gründe sind vielfältig und ganz unterschiedlich. Es gibt Studien von EY oder vom Bundesverband Deutsche Startups. Frauen gründen vor allem im B2C-Bereich, also im Bereich, wo es um Produkte geht, die direkt an den Endkonsumenten verkauft werden. Das sind natürlich Produkte, die gerade in der jetzigen Wirtschaftssituation besonders unter Kaufzurückhaltung leiden. Die Zurückhaltung ist groß, und damit wirkt sich das unmittelbar auf die Start-ups aus. Andere Bereiche wie KI, Software, Deep Tech, Defense, FinTech etc. sind hingegen sehr männerdominiert. Hier gibt es auch größere Finanzierungsvolumen, weil diese Branchen aktuell natürlich viel, viel mehr im Trend sind. Frauen sind in technischen Bereichen unterrepräsentiert. Das wissen wir. Die Gründe dafür sind auch strukturelle Faktoren: Rahmenbedingungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es fehlen auch Vorbilder. Was können Lösungsansätze sein? – Zum einen das Thema Förderung von Unternehmertum in Schulen und Hochschulen. Da gibt es tolle Initiativen. Ich war kürzlich in einer Schule in meinem Stimmkreis; die haben jedes Jahr einen Gründungswettbewerb. Vor mir saßen zwei Klassen mit ungefähr 45 Schülerinnen und Schülern. Ich habe nachher dann die Frage gestellt: Wer von euch kann sich denn, nachdem ihr jetzt in der 10. Klasse diese Erfahrung gemacht habt, vorstellen, obwohl ihr es euch vorher nicht habt vorstellen können, später einmal zu gründen? Da sind immerhin fünf Hände hochgegangen, also 10 %. Ich glaube, dass es sehr wertvoll ist, wenn wir es schaffen, diesen Gründungsgedanken, Unternehmertum auch als Zukunftsoption, als Beschäftigung für die Zukunft, stärker in die Schulen zu bekommen. Das Gleiche gilt auch für die Hochschulen und Universitäten. Gründertum, Entrepreneurship als gleichberechtigte dritte Säule zu Forschung und Lehre ist etwas, was sehr wichtig ist. Das ist der eine Punkt. Der zweite Punkt ist: Es fehlt gerade im Gründertum an weiblichen Vorbildern, die erfolgreich Start-ups gegründet haben und die auch sichtbar sind, also Role Models, um ein Mindset zu generieren, damit auch Frauen verstärkt diesen Weg gehen. Dritter Punkt. Wir müssen auch weiter daran arbeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade für Gründerinnen zu verbessern und es zu ermöglichen, dass sie sich neben der Familie auch stärker um ihr Unternehmen kümmern. Der vierte Punkt ist der bessere Zugang zu Kapital. Ich habe vorhin genannt, wie schwierig es ist, dass gerade von Frauen dominierte Teams auch ausreichend Kapital zur Verfügung gestellt bekommen. Da gibt es tolle Initiativen von Investmentfirmen. Die muss man stärken, weil das wichtig ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir diesen Berichtsantrag stellen, weil er ein bisschen mehr strukturiert Licht in das Dunkel bringen soll. Wir wollen die Fragen stellen: Wie haben sich in den letzten Jahren die Gründungsaktivitäten bei Gründerinnen entwickelt? Welche Beratungsangebote gibt es? Welche Unterstützungsangebote gibt es, und welche davon sind auch sinnvoll, werden angenommen und haben einen positiven Effekt? Welche Programme werden gebraucht? Wie wird an Schulen und Hochschulen – so, wie ich es gerade beschrieben habe – Unternehmertum vor allem auch für Frauen vermittelt? Was können wir tun, um Vorbilder stärker ins Licht zu rücken? Das ist der Hintergrund unseres Antrags. Ich bitte um Zustimmung. Wir haben ihn im Ausschuss schon behandelt. Da hat er auch breite Zustimmung erfahren, und ich bitte auch im Plenum hier um Ihre Zustimmung. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)

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