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Ruth Müller

SPD 09.06.2026 Sitzungen 19/81

Lieber Herr Kollege Kraus, ich würde mich jetzt gerne hier vorne von meiner Schokoladenseite zeigen. Würdest du dich also bitte hinsetzen? (Allgemeine Heiterkeit) Wir wissen alle: Zu viel Zucker ist ungesund. Das haben wir jetzt schon ein paar Mal gehört. Hochverarbeitete Lebensmittel können problematisch sein. Darüber müssen wir uns auch nicht mehr unterhalten. Wir lassen jetzt auch einmal außer Acht, dass laut einer Studie drei von vier US-Amerikanern deutlich zu dick sind. Das Ernährungsmodell, das die AfD zum Vorbild nimmt, scheint also wirklich sehr gut zu funktionieren. Bei diesem Antrag geht es längst nicht nur um Ernährung. Er zeigt vielmehr, welches Gesundheitsverständnis die AfD hat. Sie pickt sich einzelne Aspekte heraus, ignoriert wissenschaftliche Standards und versucht, ideologische Kulturkämpfe auf dem Rücken der Gesundheitsvorsorge auszutragen. Wenn die AfD von Gesundheitsgefahren spricht, lohnt sich ein Blick auf das, was sie selbst politisch vorhat; denn die Gesundheit von Menschen hängt nicht nur davon ab, wie viel Zucker sie essen. Gesundheit hängt auch davon ab, ob man saubere Luft atmet. Die AfD stellt den Klimaschutz infrage, obwohl Hitzewellen, Dürren und Extremwetterereignisse längst gesundheitliche Risiken sind. Gesundheit hängt davon ab, ob man sich ärztliche Versorgung leisten kann. Die AfD setzt auf Spaltung statt auf Solidarität und gefährdet damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der unser Gesundheitswesen trägt. Gesundheit hängt auch davon ab, ob Menschen sicher leben können, ohne Angst vor Hetze, Ausgrenzung und Diskriminierung. Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren, dass soziale Unsicherheit und Ausgrenzung krank machen. Gesundheit hängt auch davon ab, ob politische Entscheidungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Genau daran fehlt es in diesem Antrag. Statt auf Empfehlungen unabhängiger Fachgesellschaften und unserer europäischen Institutionen zu setzen, will die AfD einseitig amerikanische Leitlinien übernehmen und gleichzeitig etablierte Erkenntnisse zum Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit infrage stellen. Wir brauchen eine ausgewogene Ernährungspolitik, mehr Prävention, gute Bildung und gesunde Lebensbedingungen für alle Menschen. Ja, von zu viel Zucker bekommt man vielleicht Karies, aber von zu viel AfD-Politik bekommt man deutlich größere gesellschaftliche Probleme. Um diese sollten wir uns in diesem Land kümmern. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN – Zuruf von der SPD: Sehr gut!)

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