Sascha Schnürer
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal weise ich darauf hin, wer im Freistaat Bayern regiert. Meines Wissens sind das nicht die GRÜNEN – auf sie war ja Ihr Antrag mehr oder weniger ausgerichtet –, sondern die Regierungskoalition aus CSU und FREIEN WÄHLERN. Wenn man Ihren Antrag so liest, frage ich mich, worum es darin eigentlich geht. Sie verkaufen uns mit Ihrem Antrag jetzt wieder eine Ernährungsrevolution. In Wahrheit ist es aber so – sagen Sie es doch ehrlich –: Im Januar haben Sie einen Zeitungsartikel mit so einem Titel wie: "Kennedy stellt die Ernährungspyramide auf den Kopf" gelesen und haben sich gedacht: Dazu stellen wir einen tollen Antrag. (Zuruf des Abgeordneten Toni Schuberl (GRÜNE)) Wenn man ganz ehrlich ist – und ich möchte dabei auch seriös bleiben –, muss man sagen: Tiefgang seitens der AfD – Fehlanzeige! (Beifall bei Abgeordneten der CSU) Recherche seitens der AfD – Fehlanzeige! (Beifall bei Abgeordneten der CSU) Lösungsvorschlag seitens der AfD – Fehlanzeige! (Beifall bei Abgeordneten der CSU) Führungs- und Regierungskompetenz – nicht vorhanden. Sie fordern mit Ihrem Antrag Sachen, die eigentlich schon längst Realität sind, nämlich: weniger hochverarbeitete Lebensmittel und weniger Zucker konsumieren, auf eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Proteinversorgung achten. Genauso emotionslos könnte man das bringen. Das ist alles okay. Das ist alles nichts Neues. Wir nehmen Neuigkeiten von unseren amerikanischen Freunden natürlich wahr, prüfen sie und schauen, was wir daraus lernen können. In diesem Fall macht Bayern das längst; und so, wie Bayern es macht, ist es auch gut so. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention bedanken, das auch das Wort "Prävention" – falls Ihnen das entgangen ist – seit dieser Legislaturperiode im Titel trägt. Ich bedanke mich auch beim Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus. Beide Ministerien arbeiten die zugehörigen Punkte bestens ab. (Beifall bei Abgeordneten der CSU) Herr Mannes, wir haben Ihren Antrag im Landwirtschaftsausschuss schon behandelt. Wir haben damals abgewogen und Ihren Antrag für schlecht befunden. Deshalb haben wir ihn damals abgelehnt und werden das heute wieder tun. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich habe noch ein bisschen Redezeit, deswegen möchte ich anmerken: Die AfD gibt sich gerne im Kettensägenstil – so neu, so leicht, so blau. Mir kommt sie aber eher ein bisschen blauäugig vor. Wenn wir uns wirklich über Ernährung hier im Hohen Haus unterhalten sollen, dann sollte das nicht über staatliche Umerziehung erfolgen, was Sie immer wieder bei uns anklingen lassen. Sie haben das vorhin schon beim Kollegen Schuberl bei der veganen Kost anklingen lassen. Im Freistaat machen wir das nicht. Ich möchte daher an dieser Stelle einen ausdrücklichen Dank an unseren Bundesminister Alois Rainer richten, der das im Bund korrigiert und justiert hat. Wenn wir jetzt über aktuelle Themen der Ernährung sprechen, sollten wir uns über wirklich ernste Themen unterhalten, die wir tatsächlich haben. Das betrifft erstens unsere Ernährungssouveränität im Freistaat. Sie müssen wir bei den strategischen Feldern, die wir haben, erhalten oder weiter ausbauen. Zweitens müssen wir darüber sprechen, wie wir Lebensmittel das ganze Jahr über produzieren oder auch vorhalten können; denn dabei haben wir noch viel vor. Drittens müssen wir uns fragen, wie wir unseren Kindern und unseren Eltern noch besser den Wert unserer heimischen Lebensmittel verklickern können. Wir müssen uns fragen, wie wir den Menschen die regionalen Wertschöpfungsketten besser verdeutlichen und Zusammenhänge erklären können. Wir haben dabei vielleicht auch unterschiedliche Auffassungen mit den Kollegen ganz links. Das betrifft zum Beispiel den Konsum heimischer Milch und den Konsum heimischen Fleisches – Stichwort: Grünlandgürtel. Über kurz oder lang trägt alles dazu bei, unsere Kulturlandschaft, wie wir sie kennen, zu erhalten, auch die Artenvielfalt. (Beifall bei Abgeordneten der CSU) Wir müssen darüber sprechen, wie wir den Leuten Lust machen können, dass man Lebensmittel selbst anbaut, anlangt, begreift, diese selbst verarbeitet und zubereitet. Wir müssen uns fragen, wie wir diese Grundfähigkeiten wieder stärker in den Mittelpunkt rücken können. Da mache ich mir wirklich Sorgen. Wie schafft man es, dass man in der Familie erkennt, was es heißt, gemeinsam zu kochen, gemeinsam am Tisch zu sitzen, mal das Handy wegzutun, gemeinsam Qualitätszeit zu verbringen und für Körper, Geist und Seele etwas Gutes zu tun? Herr Mannes, das sind Themen, über die wir uns unterhalten sollten, aber nicht über einen so lächerlichen Antrag wie Ihren. (Beifall bei der CSU sowie Abgeordneten der FREIEN WÄHLER) Ich kann Ihnen nur eines sagen: Die Regierungsfraktionen nehmen alle diese genannten Themen ernst. Wir kümmern uns um all das und schauen jeden Tag, dass wir besser werden. Wir tun das unabhängig davon, ob Sie einen Antrag stellen oder nicht. – Herzlichen Dank und einen schönen Abend. (Beifall bei der CSU sowie Abgeordneten der FREIEN WÄHLER)
