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Carolina Trautner

CSU 09.06.2026 Sitzungen 19/81

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! "Lass Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung." Dieses Zitat stammt von Hippokrates und ist über 2.400 Jahre alt. Es hat aber nicht an Aktualität verloren, im Gegenteil. Die moderne Wissenschaft bestätigt jeden Tag aufs Neue, was Hippokrates wusste: Ernährung ist Medizin, Ernährung ist Prävention, Ernährung ist Lebensqualität. Trotzdem wird die Ernährung in unserem Gesundheitssystem oftmals noch sehr stiefmütterlich behandelt. Das müssen wir ehrlich zugeben. Sie gilt oft als Lifestyle-Thema, als persönliche Entscheidung und als etwas, was jeder selbst im Griff haben sollte. Dabei wissen wir, das ist falsch. Fehlernährung ist neben anderen Faktoren wie Stress, Rauchen und Alkohol einer der größten Risikofaktoren für chronische Krankheiten. Ein gesunder Lebensstil ist also immens wichtig, und dazu gehört die gesunde Ernährung. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zu einem Drittel aller Krebserkrankungen ernährungsbedingt mitverursacht wurde. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Adipositas, all dies hängt maßgeblich damit zusammen, was wir essen. Und all das kostet unser Gesundheitssystem jedes Jahr Milliarden. Hier setzen wir an. Wir wollen eine Gesundheitspolitik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet, wir müssen auch bei der Ernährung endlich den Schritt vom Wissen zum Handeln machen. Ich freue mich sehr, dass unsere Gesundheitsministerin Judith Gerlach diesen Weg konsequent mitgeht. Der Masterplan Prävention Bayern, den sie auf den Weg gebracht hat, ist ein starkes Signal. Ernährung ist kein Anhängsel der Gesundheitspolitik, sondern das Fundament. Mit dem Masterplan bekennen wir uns als Freistaat klar zur Prävention und nehmen sie ernst. Wir verankern darin die Ernährung als zentrales Instrument. Das ist vorausschauende Politik. Das ist Politik, die heute und morgen die Kosten von übermorgen vermeidet. Wir gehen noch weiter. Wir wollen nicht nur über gesunde Ernährung reden, sondern wir wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass professionelle Ernährungstherapie wirklich bei den Menschen ankommt, bei den Kranken, die sie brauchen, bei den Risikogruppen, die von ihr profitieren, und bei den Fachkräften, die sie leisten. Diese Fachkräfte müssen auch endlich die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Genau darum geht es in unseren Anträgen. Einmal geht es um die dringend notwendige Reform des Berufsrechts für die Ernährungstherapie. Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene stehen die Berufsgesetze für die Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, für die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie für die Logopädinnen und Logopäden bereits auf der Agenda. Das ist richtig und wichtig. Warum aber fehlt das Gesetz über den Beruf der Diätassistentin oder des Diätassistenten auf dieser Liste? Das Gesetz wurde erstmals 1973 eingeführt und dann im Jahre 1994 reformiert. Und seitdem? – Während die Medizin weiterentwickelt und neue Erkenntnisse über den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit gewonnen wurden, blieb das Berufsrecht stehen. Das ist nicht zeitgemäß, und das ist schlicht nicht mehr vertretbar. Wir fordern deshalb die Staatsregierung nachdrücklich auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass das Berufsgesetz für Ernährungstherapie und Diätetik umfassend reformiert und zu einem Gesetz zur Diätetik weiterentwickelt wird. Es geht um die Inhalte der Ausbildung, um fachlich einheitliche Qualitätsstandards und um Ausbildungsmodalitäten. Wir regen an, auch die Berufsbezeichnung zu überdenken. Statt "Diätassistent" sollte der Begriff "Ernährungstherapeutin" oder "Ernährungstherapeut" verwendet werden. Das beschreibt die Arbeit dieser Fachkräfte viel treffender als der bisherige Begriff. Sprache schafft Realität. Wer über Therapie spricht, wird auch als Therapeutin oder Therapeut besser wertgeschätzt, von den Patientinnen und Patienten, von den Ärztinnen und Ärzten und von der Gesellschaft. Diese Fachkräfte werden dringend gebraucht, und zwar in viel größerer Zahl. Aktuell befinden sich in Bayern gerade einmal 293 angehende Diätassistentinnen und Diätassistenten in der Ausbildung. 293 – für den Freistaat Bayern mit über 13 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Das ist angesichts des enormen Versorgungsbedarfs schlicht zu wenig. Die Qualität der Ernährungstherapie muss gesichert werden. Das gelingt nur, wenn wir dieses Berufsbild stärken, rechtlich, strukturell und in seiner gesellschaftlichen Wahrnehmung. Wenn wir über die Attraktivität eines Berufs sprechen, kommen wir an einem Thema nicht vorbei, nämlich an der guten Ausbildung und an einer Akademisierung. Wir fordern ein umfassendes Konzept zu einer Teilakademisierung der Ernährungstherapie. Das bedeutet die Schaffung akademischer Ausbildungswege, klar definierte Tätigkeiten und perspektivisch auch Masterstudiengänge für Lehre, Forschung, Advanced Practice sowie eigene Promotionsprogramme. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer kluge, engagierte junge Menschen für einen Beruf begeistern will, der muss ihnen Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen und wissenschaftliche Karrierewege bieten. Das kennen wir aus anderen Gesundheitsberufen, und es funktioniert. Eine anspruchsvollere, hochwertige Ausbildung steigert nicht nur die Qualität der Versorgung, sie steigert auch die Anerkennung und Wertschätzung für einen Beruf, der dies längst verdient hat. Dabei denken wir auch an den Fachkräftebedarf von morgen. Bayern braucht gut ausgebildete Ernährungstherapeutinnen und -therapeuten in Kliniken, in Praxen, in der Beratung und in der Forschung. Dieser Antrag und der vorherige sind wichtige Mosaiksteine, um diesen Beruf noch attraktiver zu gestalten und langfristig mehr Menschen für diesen Beruf zu begeistern. Hier ist natürlich der Bund in der Pflicht. Damit komme ich zu dem Antrag, der für viele Patientinnen und Patienten die unmittelbarsten Auswirkungen hätte: Mehr Ernährungstherapie auf Rezept. Heute sind in der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses gerade einmal zwei Indikationen verankert, für die Ernährungstherapie auf Rezept verordnet werden kann: angeborene Stoffwechselerkrankungen und Mukoviszidose – zwei Indikationen für eine so wichtige therapeutische Maßnahme. Das muss sich ändern; denn die Realität in unseren Arztpraxen und Kliniken sieht ganz anders aus: Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Nierenerkrankungen. All das sind Felder, auf denen eine fundierte, professionelle Ernährungstherapie nachweislich wirkt. Millionen von Menschen in Deutschland sind betroffen, gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Viele von ihnen könnten von einer gezielten Ernährungstherapie profitieren, wenn sie nur den Zugang dazu hätten und eine Verordnung auf Rezept. So sind sie oft allein auf sich gestellt und müssen das aus eigener Tasche bezahlen. Das kann nicht jeder. Somit ist dies auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Eine gute Gesundheitsversorgung darf nicht davon abhängig sein, wie dick das Portemonnaie ist. Wir appellieren deshalb an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Heilmittel-Richtlinie zu überprüfen und mehr Ernährungstherapie auf Rezept möglich zu machen. Wir bitten die Staatsregierung, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen. Das wäre nicht nur ein Gewinn für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten, auch wenn das allein schon genügen würde. Es wäre auf längere Sicht auch wirtschaftlich klug. Wer früh in Ernährungstherapie investiert, spart später bei teuren Krankenhausaufenthalten, Operationen und Langzeitmedikationen. Die Rechnung ist einfach, und sie geht auf. Kehren wir also zu Hippokrates zurück. Er hatte damals, und er hat heute recht: Ernährung ist Medizin. Aber Medizin braucht auch eine Struktur, die sie zu den Menschen bringt. Sie braucht gut ausgebildete Fachkräfte, sie braucht ein modernes Berufsrecht, und sie braucht den Zugang über das Rezept. Gemeinsam mit Frau Gesundheitsministerin Judith Gerlach arbeiten wir daran, Bayern zu einem Vorreiter in der Prävention und in der therapeutischen Versorgung zu machen. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Zustimmung. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)

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