Nicole Bäumler
Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Dass junge Menschen lernen müssen, mit Geld umzugehen, da sind wir uns alle einig. Die Zahlen sind alarmierend. Wie Kollege von Waldenfels bereits erwähnt hat, lebt rund ein Fünftel aller 14- bis 29-Jährigen mit Schulden. "Buy now, pay later", Klarna und Co. machen Verschuldung leider so einfach wie einen Mausklick. Dagegen müssen wir die jungen Menschen wappnen, und deshalb stimmen auch wir diesem Antrag zu. Verehrte Kolleginnen und Kollegen der CSU, bevor Sie sich jetzt aber mit diesem Antrag als die Entdeckerinnen und Entdecker der finanziellen Bildung etablieren wollen, schauen wir doch einmal in die Lehrpläne: Bayern hat bereits ökonomische Verbraucherbildung, und zwar als fächerübergreifendes Bildungsziel in allen Schularten und für alle Jahrgangsstufen. Bayern hat auch das Programm "Schule fürs Leben" – das wurde schon mehrfach angesprochen –, das Alltagskompetenzen und Lebensökonomie mit den verschiedenen Handlungsfeldern umfasst, darunter beispielsweise auch selbstbestimmtes Verbraucherverhalten. Dieses Programm wurde erst zum Schuljahr 2024/2025 ausgeweitet und wird gerade evaluiert. Das heißt also: Die Strukturen sind eigentlich vorhanden. Jetzt kommen wir aber zu dem Punkt, der uns bei dem Antrag dann doch auch ein bisschen hellhörig werden lässt. Sie fordern nämlich in diesem Antrag – Zitat –, "die bestehenden Kooperationsmöglichkeiten von Schulen mit externen Partnern" zu liberalisieren. Wen meinen Sie damit eigentlich? – Sie meinen die "regionale Banken- und Sparkassenlandschaft" und – ich zitiere an dieser Stelle – "spezialisierte Start-ups". Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die KMK hat erst im Juli 2025 ihre Empfehlung zur Verbraucherbildung bekräftigt, und darin steht klipp und klar: "Verbraucherbildung ist frei von wirtschaftlichen Interessen und ermöglicht unternehmensunabhängig" den Erwerb von Kompetenzen. Der Beutelsbacher Konsens – Überwältigungsverbot und Kontroversitätsgebot – muss gelten. Als Lehrerin sage ich Ihnen: Banken sind nun einmal nicht neutral. Sie haben ein handfestes wirtschaftliches und geschäftliches Interesse, auch an jungen Kundinnen und Kunden. Das Versprechen werbefreier Angebote klingt nett; aber wer kontrolliert das denn eigentlich? Und welche "spezialisierten Start-ups" sind denn gemeint? Welche Qualitätskriterien gelten? Der Materialkompass des Verbraucherzentrale Bundesverbands, der etablierte Qualitätsstandard für Unterrichtsmaterialien, wird in Ihrem Antrag leider nicht einmal erwähnt. Mein Kollege Volkmar Halbleib hat im Haushaltsausschuss deswegen völlig zu Recht die Frage gestellt: Was genau soll denn mit dem Pilotprojekt erprobt werden? – Wir haben es heute schon mehrfach gehört: Sieben Schulen für ganz Bayern, in jedem Regierungsbezirk genau eine. Ist das Ihr Ernst? Und das bei ungefähr 6.000 Schulen in ganz Bayern? Der Antrag ist ein bisschen so wie die Angebote, vor denen er warnen will. Die Überschrift klingt sehr verlockend; aber wenn man das Kleingedruckte liest, dann stellt man fest, es fehlt trotzdem ein Stück weit die Substanz. Der Grundgedanke ist aber, wie gesagt, richtig: Wir brauchen finanzielle Bildung. Deswegen stimmen wir diesem Antrag zu. (Beifall bei der SPD)
