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Klaus Holetschek

CSU 21.05.2026 Sitzungen 19/80

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin ein Sudetendeutscher. Letztendlich geht es um die Menschen, um Versöhnung, um Verbindung, um ein Miteinander und kein Gegeneinander. Mir ist es extrem wichtig, dass wir heute diese Diskussion führen, weil sie ein Bekenntnis auch zu den Wurzeln der Menschen ist. Die Geschichte der Sudetendeutschen ist auch meine Geschichte. Zwar bin ich nicht dort geboren, aber ich habe durch meine Eltern erfahren, was Vertreibung und der Aufbau einer neuen Heimat bedeuten und welche Gedanken damit verbunden sind. Ich weiß, wie ich das erste Mal mit meiner Mutter vor dem Haus in Marienbad war, aus dem sie damals vertrieben wurde. Sie ist in einem Viehwaggon in Oberfranken angekommen. Die Begeisterung für die Vertriebenen war damals auch nicht groß. Not und Elend beherrschten die Szene. Trotzdem hat man es geschafft anzupacken. Meine Mutter stand vor diesem Haus in Marienbad in der Nähe der russischen Kirche und hatte Tränen in den Augen, weil sie ihre Heimat dort gesehen hat. Aber sie hat auch eine neue Heimat gehabt. Sie wollte nie irgendetwas zurückhaben. Für sie ging es nie darum, etwas zurückzubekommen. Stattdessen geht es um ein Gefühl. Es geht um eine große Sache für diese Menschen, die in Bayern wichtige Impulse gesetzt haben. Deswegen ist es gut, wenn wir heute denjenigen Danke sagen, die sich beim Aufbau nach dem Krieg eingebracht haben. Wir sollten aber auch deutlich machen, dass die Geschichte der Sudetendeutschen die Geschichte einer großen Friedensbewegung ist. (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN, den GRÜNEN und der SPD) Markus Söder hat es einmal zum Ausdruck gebracht, indem er gesagt hat: Eigentlich müssten die Sudetendeutschen für das, was sie am 5. August 1950 in ihrer Charta niedergelegt haben, den Friedensnobelpreis kriegen. Im Jahr 1950 war das Kriegsende noch gar nicht lange her. Trotzdem beginnt diese Charta mit: "1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat. 2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. 3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas." (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN, den GRÜNEN und der SPD) Das finde ich großartig. Das ist die Botschaft. In dieser Zeit ist so viel passiert – so viel Gutes, so viele Brücken. Erst vor Kurzem war ich mit Gerhard Hopp wieder in Prag und wir haben mit den Menschen geredet. Es gab so viel Verbindendes, positive Stimmungen und Gefühle, dass ich es schade finde, wenn das alles jetzt durch die Diskussionen im tschechischen Parlament von einer nationalistischen Partei, der SPD, die mit der SPD hier nichts zu tun hat, kaputt gemacht wird. Das ist so schade. Mit einer kleinen Diskussion wird wieder so viel eingerissen, was mühsam aufgebaut worden ist. (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN, den GRÜNEN und der SPD) Diese SPD aus Tschechien sitzt übrigens im Europaparlament zusammen mit der AfD. Das ist an dieser Stelle nur eine kleine Randnotiz der Geschichte. Deswegen glaube ich, dass wir gut daran tun, heute noch einmal zu sagen: Wir freuen uns, dass dieser Sudetendeutsche Tag auch auf Einladung Tschechiens in Brünn stattfindet. Viele gehen hin. Es geht um Versöhnung und um eine ausgestreckte Hand. Ich will auch Petra Loibl noch sehr herzlich danken, die als Beauftragte für Aussiedler und Vertriebene unermüdlich unterwegs ist. Sie ist jetzt auch wieder in Brünn dabei. Du machst wirklich eine großartige Arbeit. (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN, den GRÜNEN und der SPD) Lassen Sie uns deswegen heute tatsächlich noch einmal dieses gemeinsame Signal senden – ich freue mich, dass wir auch den Anträgen der SPD und der GRÜNEN zustimmen –: Wir stehen zu den Sudetendeutschen. Wir stehen zur Versöhnung. Wir stehen zu Frieden und Freiheit. Das wollen wir heute mit dieser Debatte zum Ausdruck bringen für die Menschen in Europa und auf der Welt. (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN, den GRÜNEN und der SPD)

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