Gabriele Triebel
Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über die Mittelschulen, was dringend notwendig ist. Wir müssen uns fragen, ob die Staatsregierung für die Kinder und Jugendlichen dieser weiterführenden Schule genug tut; denn zu oft setzt sich dort bei den Schülerinnen und Schülern der Eindruck fest, dass sie auf einer Resteschule sind. Diesen Ausspruch habe ich dort selbst schon mehrfach gehört. Also, was brauchen die knapp 1.000 bayerischen Mittelschulen, um die Jugendlichen bestmöglich mit umfassender Bildung zu versorgen? Was brauchen sie für die dort so wichtige individuelle Förderung, weil die Schülerschaft an dieser Schule höchst vielfältig ist? – Um ihre Talente entdecken zu können, brauchen diese Kinder und Jugendlichen Menschen, die sie ganz individuell auf ihrem schulischen Weg betreuen und begleiten, also Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams. Die gibt es an den Mittelschulen seit Jahren eindeutig zu wenig. (Beifall bei den GRÜNEN) Wir haben vorhin einmal mehr die Lobeshymne auf die Staatsregierung bei ihrem Umgang mit der Mittelschule gehört. Jetzt kommt der Realitätscheck: Dieses Schuljahr fehlten dort laut BLLV bereits 500 Lehrkräfte. Das bedeutet, dass die Lehrkräfte an den Schulen bereits jetzt 500 Vollzeitkapazitäten ersetzen müssen, und das bei circa 7.000 Schülern mehr an diesen Schulen. Wir hatten das Thema letzte Woche schon, Frau Ministerin. Zu diesem von Ihnen hausgemachten Lehrkräftemangel kommt jetzt on top das Stellenmoratorium dazu. Wenn Sie, Frau Ministerin, die Mittelschule so toll finden, hätten Sie sich beim Ministerpräsidenten durchsetzen und unserem Vorschlag zustimmen müssen, mindestens 500 neue Stellen für diese Mittelschulen zu schaffen. (Beifall bei den GRÜNEN) Das wäre gute Bildungspolitik für diese Schulart gewesen. Wenn Sie die Mittelschulen so schätzen, frage ich Sie: Wieso haben Sie im jetzigen Haushalt die Mittel bei den so wichtigen Praxisklassen gekürzt? Wieso haben Sie bei der Haushaltsstelle zur Weiterentwicklung der Mittelschulen das Geld für die Unterstützung der Schülerfirmen gekürzt? – Wahrscheinlich, weil Ihnen die Mittelschulen so viel bedeuten. Es geht weiter: Wieso haben Sie es nicht geschafft, das Förderprogramm gemeinsam.Brücken.bauen auch an den Mittelschulen zu etablieren? – An allen Schularten kam diese Extraförderung nach Corona an, nicht an den Mittelschulen. Die dortigen Schülerinnen und Schüler hätten das Programm genauso dringend wie die Gymnasiasten gebraucht. Wenn es nach uns GRÜNEN gegangen wäre, hätte dieses Förderprogramm verstetigt werden müssen, und zwar für alle Schülerinnen und Schüler. (Beifall bei den GRÜNEN) Ich frage Sie weiter: Wieso haben Sie die Eins-zu-eins-Ausstattung für alle weiterführenden Schulen von der 5. auf die 8. Klasse verlegt, mit fatalen Folgen für die Mittelschülerinnen und Mittelschüler? – Sie haben jetzt nur noch zwei Jahre Zeit, sich intensiv mit der digitalen Welt auseinanderzusetzen. Das drücken Sie den künftigen Absolventen auf, die in ihrer Ausbildung meist sofort digital bestehen müssen. Das geht für uns gar nicht. (Beifall bei den GRÜNEN) Jetzt kommen Sie mit der Maßnahme der Jahrgangsmischung um die Ecke. Das ist wieder nur ein laues Lüftchen anstatt des dringend notwendigen frischen Windes, den diese Schulart und überhaupt unsere Bildungspolitik braucht. Frau Ministerin, wenn wirklich das das Ergebnis Ihrer landesweit abgehaltenen Mittelschulwerkstätten ist, muss ich sagen: Ich weiß nicht, ob sich das alles gelohnt hat. Ich kann Ihnen nur raten: Geben Sie den Mittelschulen endlich genügend Personal, finanzielle Mittel und richtige Eigenverantwortung. Schülerinnen und Schüler müssen dort überzeugt von sich sagen können: Ich kann etwas, ich weiß etwas, ich kenne meine Talente, ich gehe meinen Weg. – Sie von der Staatsregierung haben es in der Hand, das zu ermöglichen. Strengen Sie sich für diese Schulart also bitte etwas mehr an. (Beifall bei den GRÜNEN)
