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Martin Brunnhuber

FREIE WÄHLER 28.04.2026 Sitzungen 19/78

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! "Chancen sichern, Zukunft gestalten: Die Initiative ‚Mittelschule – stark für jeden Weg‘" soll heute das Thema der Aktuellen Stunde sein, weil wir die Mittelschule bewusst ins Zentrum des bildungspolitischen Geschehens rücken wollen. Ich bin dafür sehr, sehr dankbar; denn unsere Kultusministerin Anna Stolz hat enorm viel Zeit und enorm viel Energie in diese wichtige Schulform gegeben. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Auch wenn es mittlerweile gefühlt nicht mehr so ist: Die Mittelschule ist eine tragende Säule unseres differenzierten Schulsystems. Hier einmal Zahlen: Es gibt in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Schülerzahlen. Es sind mittlerweile 207.000 Schüler, die die Mittelschule besuchen. Das ist ein Plus von 15.000 Schülern seit dem Schuljahr 2021/2022. Dieses Plus verdeutlicht, wie wichtig die Mittelschule als Säule des mehrgliedrigen Schulsystems ist. Wir haben stabile Übertrittsquoten; gefühlt ist das vielleicht auch nicht so. Die Übertrittsquote liegt bei 28,7 %. Das zeigt uns, dass viele Leute und viele Kinder, auch die Eltern der Kinder die Mittelschule bewusst wählen, weil die Mittelschule im Vergleich zu anderen weiterführenden Schulen einen Wahnsinnsvorteil hat: Du kannst als Klassenleiter mit dem Klassenleiterprinzip die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre mitverfolgen und begleiten, was beispielsweise besonders in herausfordernden familiären Situationen einen absoluten Mehrwert bringt. Deshalb ist die Mittelschule so wichtig. Deshalb müssen wir alle Anstrengungen dafür in die Waagschale legen, dass die Mittelschule auch wirklich als starke Säule vorhanden ist. Hohe Abschlussquoten an den Mittelschulen bestätigen dieses Erfolgskonzept. 76 % aller teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bestehen den qualifizierenden Abschluss, also den Quali, und sogar 96 % aller M-Zügler bestehen den mittleren Schulabschluss. Gleichzeitig haben wir aber besonders in der Mittelschule große Herausforderungen: Wir haben zunehmend hohe Heterogenität, was nicht nur in der Mittelschule, sondern auch an den weiterführenden Schulen und in den Berufsschulen zu erkennen ist. Wir haben zunehmend herausforderndes Verhalten. Dieses herausfordernde Verhalten der Schülerinnen und Schüler macht es umso wichtiger, dass man vor Ort geeignete Konzepte hat, um die Schüler individuell zu fördern, aber auch individuell zu fordern. Wir werden deshalb das Profil der Mittelschule weiterhin schärfen, um sie vorwärtszubringen und weiterzuentwickeln. Wir werden weiterhin möglichst viele Expertinnen, Experten und Beteiligte aus der Schulfamilie einbinden, um dort punktgenau nachzujustieren, wo es die Zeit verlangt. Ganz stark ist das Vorgehen unserer Kultusministerin bei den Mittelschulwerkstätten. Insgesamt sind im ganzen Land vier Mittelschulwerkstätten initiiert worden, zu denen wirklich die ganze Schulfamilie eingeladen und an denen sie beteiligt war. Als Auswuchs der Mittelschulwerkstätten können wir drei Z nennen, die unsere Mittelschulen in Zukunft weiterbringen. Das erste Z ist das Thema Zeit, das zweite Z ist das Thema Zukunft, und das dritte Z ist das Thema Ziele. Eine konkrete Maßnahme zum Thema Zeit ist zum Beispiel die Verstetigung des jahrgangsübergreifenden Lernens an der Mittelschule – JAMI –. Wir werden diesbezüglich später auch auf das BayEUG eingehen. JAMI soll als Regelangebot gelten; somit soll diese Beschulung in der 5. und 6. Klasse als Standard ins Schulgesetz aufgenommen werden, damit die Schüler den Lernprozess einfach gemeinsam gestalten können. Die 5. und 6. Klasse könnte dann auch noch auf ein drittes Jahr ausgeweitet werden, falls es die individuellen Bedürfnisse erfordern. Wir haben zum Thema Zeit die Flexibilisierung der Stundentafel im Blick. Die Flexibilisierung soll vor Ort genau da, wo es notwendig ist, vonstattengehen, damit die Basiskompetenzen gezielt gefördert werden können. Diese Flexibilisierung beinhaltet pro Woche immer zwei Stunden in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, wechselt dann durch und kann auf die anderen Fächer übertragen werden. Der Schulversuch "Integrierter M-Zug" ist besonders für kleine Schulstandorte sehr wichtig, weil hier die kleinen Schulstandorte gestärkt werden und M-Schüler dann auch an kleinen Schulstandorten gemeinsam mit dem Regelzug beschult werden können. Es wird nicht zu einer Konkurrenz mit den reinen M-Klassen kommen, sondern es ist ein zusätzliches Angebot, um zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen, einen höheren Schulabschluss zu erreichen. Thema Zukunft. Wir haben die Verankerung innovativer Lehr- und Lernformen. Da wird es eine verpflichtende Durchführung einer benoteten Projektarbeit in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 geben. Wir haben die Ausweitung projektorientierter Abschlussprüfungsformate, damit man auch andere Prüfungsformate, andere Prüfungsmöglichkeiten geben kann. Wir haben den Schulversuch "Persönlichkeitsentwicklung und Talentförderung" und Berufsentwicklungsgespräche als Vorbereitung auf die Zeit nach der Mittelschule. Dieser Block soll die Schüler festigen und unterstützen, damit sie auch nach der Mittelschulzeit gut in eine Berufsausbildung starten und gut ins Leben eintreten können. Das Thema Ziele beinhaltet die Einführung von Fortbildungsangeboten und digitalen Tools besonders für die Mittelschullehrkräfte, damit diese auch die neuen und guten Methoden gezielt einsetzen können. Zu nennen sind zum Beispiel das Programm "Fachintegrierte Leseförderung Bayern" – FiLBY –, das auf die Jahrgangsstufen 5 und 6 ausgeweitet wird, und die Qualitätsoffensive im Mathematikunterricht mit dem Programm QuaMath. Ferner geht es um die konzeptionelle Ausgestaltung der Schulleitung im Team. Hier ist es mir besonders wichtig, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und so den Blick innerhalb des Teams zu weiten, um punktgenau nachzujustieren, wo es Justierungsbedarf gibt. Schließlich haben wir die Verankerung der Evidenzbasierung an der Mittelschule. Das bedeutet: Man entwickelt Strategien, um eine systematische Qualitätsentwicklung an der Schule voranzubringen. Die Umsetzungsperspektiven werden, beginnend mit dem Schuljahr 2026/2027, schrittweise initiiert und dann fortlaufend ausgeweitet. Wir haben in Bayern mit der Initiative "Mittelschule – stark für jeden Weg" einen großen Schritt gemacht. Nochmals: Ich bin sehr dankbar, dass unsere Kultusministerin genau diese Schulart in den Blick nimmt; denn als ehemaliger Berufsschulleiter weiß ich, wie wichtig die Mittelschule als Zubringer für die duale Ausbildung und für die zukünftigen Facharbeiterinnen und Facharbeiter für die Berufsschule ist. Wir müssen damit aufhören, nur immer den Weg über die Gymnasien in den Blick zu nehmen. Meines Erachtens sind alle Schulformen gleichberechtigt; sie alle haben in unserer Schullandschaft ihre Daseinsberechtigung. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Mein Anliegen ist es, mit dieser Mittelschulinitiative eine wirklich gute, starke Säule für die Mittelschulen zu bieten. Insgesamt muss gesagt werden: Wir müssen für unsere Kinder wieder den richtigen und nicht den formal höchsten Bildungsweg einschlagen. – Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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