Martin Brunnhuber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte jetzt auch gleich einmal das Lob aufgreifen: Simone, du hast vollkommen recht, dass du sagst, herzlichen Dank allen, die an der Basis vor Ort wirklich schauen, dass die Kinder in unserem Land die bestmöglichen Bedingungen haben. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD) Sie leisten Hervorragendes. Das steht völlig außer Frage. Das Zweite, was ich auch gleich ganz an den Anfang stellen möchte, ist die Aussage von der Ute: Es gibt kein System, das nicht Optimierungsbedarf hätte. Gibt es nicht! Es gibt immer ein Mehr, es gibt immer Noch-mehr, es gibt immer mehr Ressourcen, es gibt immer mehr so und so. Diese Forderung ist also vollkommen verständlich, auch vollkommen verständlich aus Oppositionssicht. Ich kann das nachvollziehen. Aber "Schulen am Limit – Kein Sparkurs bei der Bildung" –, da möchte ich jetzt einfach auf ein paar Details eingehen: Wir haben zwei Ausschussreisen gemacht. Die erste Ausschussreise war mit dem Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes nach Finnland, die zweite war mit dem Bildungsausschuss nach Schweden. Diese beiden Länder Finnland und Schweden gelten als hervorragend und als die Leuchtturmländer in Sachen Bildung. Jetzt ist mir aufgefallen: Erstens. Wir werden ja nicht Schulen besucht haben dürfen, die irgendwo hintanstehen. Das sind keine Bamperlschulen, sondern das sind die Vorzeigeschulen. Das ist das Erste; das würde ich auch so machen. Zweitens. Es sind dabei brutal interessante Erkenntnisse herausgekommen, weil die Kollegen anscheinend unterschiedliche Schulen angesehen haben. Wir sind aber mit dem gleichen Bus zum gleichen Standort gefahren. Der erste Punkt. Nach dem Besuch ist eines klar: Es werden immer die positiven Eigenschaften der ausländischen Schulen in Finnland und Schweden mit den negativen Eigenschaften unserer Schulen verglichen. Das ist schon mal der erste Fehler. Der zweite Fehler. Beispiel Inklusion – Inklusion ist super, da wird Inklusion betrieben. Dann Teamteaching – das ist ja auch total nett. Teamteaching wird betrieben, das können wir so übernehmen. Das dritte Beispiel ist eine längere gemeinsame Schulzeit – das sind immer die Strukturdebatten –, es geht aber auch um die Digitalisierung. Auf die Digitalisierung will ich noch eingehen. Wir verkennen aber komplett, dass Finnland einfach nur 5,5 Millionen Einwohner hat (Felix Locke (FREIE WÄHLER): So ist es!) und Schweden einfach auch ganz anders strukturiert ist als wir. Der dritte Punkt. Beobachtungen werden komplett ungefiltert und undifferenziert bewertet. Es heißt, die Finnen sind Weltmeister in der Digitalisierung. Dann gehen sie einen Schritt zurück, dann wird gesagt: Die Finnen, die gehen schon wieder einen Schritt zurück, das geht ja gar nicht. – Jetzt kommt das, was abgeht: ein differenzierter Vergleich von Experten. Am Beispiel Digitalisierung: Bei den Finnen hat jeder Schüler ein Notebook. Das Notebook wird aufgeklappt, die schauen da rein; lehrerzentrierter Unterricht. Alle hocken genauso da wie die meisten Kollegen von uns jetzt hinter dem Notebook. – Wir schaffen es, dass wir die passenden Geräte an die Schulen bringen. Das ist ein Unterschied. Ein weiterer Unterschied betrifft Unterrichtskonzepte. In dem Notebook – ich habe hineingeschaut, weil ich hinten gesessen bin – war die Hälfte das Schulbuch, die andere Hälfte das Buch zum Ausfüllen. Das hat meines Erachtens nichts mit Digitalisierung zu tun. Hier hat man die bestehenden antiquierten Unterrichtskonzepte einfach digitalisiert. Da gibt es einen Spruch: Wenn man einen suboptimalen – ich sage das jetzt mal so, ich wollte eigentlich "Scheißprozess" sagen – Prozess digitalisiert, (Heiterkeit) dann ist es halt einfach ein digitaler suboptimaler Prozess.
