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Christian Zwanziger

GRÜNE 10.02.2026 Sitzungen 19/70

Herr Vizepräsident, meine Damen und Herren! Herr Kollege Brunnhuber, ich hätte mir gewünscht, dass wir hier nicht nur warme Worte für die Bildung für nachhaltige Entwicklung finden, sondern dass wir ernsthaft darüber diskutieren, was sich verändern muss. Herr Kollege Brunnhuber, Sie haben warme Worte gefunden. Sie haben von der Eigenverantwortung und den Entscheidungsmöglichkeiten vor Ort gesprochen. – Ich bin für mehr Entscheidungsmöglichkeiten vor Ort und für mehr Eigenverantwortung an den Schulen. Es ist jedoch eine Illusion, über diese Themen zu sprechen, wenn wir nicht gleichzeitig über die dafür nötigen personellen und finanziellen Ressourcen sowie über die Begleitung sprechen. Es ist gut, dass es 600 Schulungen gab, an denen 14.000 Lehrerinnen und Lehrer teilgenommen haben. Sie wissen aber, dass diese Leute ebenso wenig die Fläche abbilden wie die fünf Prozent der Schulen, die Klimaschulen sind. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung muss als globaler Ansatz verstanden werden. Sie muss ein Querschnittsthema sein. Mit einem Anteil der Klimaschulen von fünf Prozent und 600 Schulungen kommen wir nicht weiter, so groß diese Zahlen vielleicht auch klingen mögen. Bei den Anträgen, die die SPD vorgelegt hat, erkenne ich viele Forderungen wieder, über die wir schon in der letzten Wahlperiode diskutiert haben. Das sind aber Facetten. Sie haben heute das Thema Erwachsenenbildung aufgemacht. – Bitte, gerne. Sie können aber nicht behaupten, dass diese Anträge zu pauschal seien und damit alles Mögliche gefordert werde, wenn Sie gleichzeitig behaupten, die Erwachsenenbildung müsste in diese Anträge auch noch aufgenommen werden. Ich glaube nicht, dass sich Frau Kollegin Bäumler und die anderen Kolleginnen und Kollegen der SPD und der GRÜNEN im Bildungsausschuss gegen eine bessere Erwachsenenbildung beim Thema "Bildung für nachhaltige Entwicklung" wenden würden. Herr Kollege Baur, eines hat mich bei Ihnen fasziniert: Sie haben gesagt, dieses Thema sei im Ausschuss ausführlich beraten worden. Frau Kollegin Dr. Strohmayr war zu diesen Anträgen die Mitberichterstatterin. Ich habe das Protokoll angeführt, weil ich es vor der Sitzung heute durchgelesen habe. Ich war ein bisschen über die Aussage "ausführlich" erstaunt. Ich lese da ganze 17 Zeilen Mitberichterstattung zu dem Thema. Da war lange nicht der Strauß an Gegenargumenten dabei, wie Sie ihn heute aufgemacht haben. Das ganze Protokoll zu dem Tagesordnungspunkt umfasst zweieinhalb Seiten Text. Man kann es auch mal kurz machen. Aber so zu tun, als ob das die ausführlichste Beratung über Bildung für nachhaltige Entwicklung gewesen sei, wie sie der Landtag noch nicht gesehen hat, fand ich sportlich, fand ich ambitioniert. Ich finde es aber vor allem nicht richtig an der Stelle. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD) Das ist geschenkt. Aber Sie haben noch eine andere Sache gesagt, die mich irritiert hat, nämlich diese Anträge seien "ein Angriff von außen". Ich habe gedacht: Wo sind wir jetzt? Reden wir jetzt über Putin und Trump, oder worüber reden wir denn? – Es ist doch das Normalste der Welt, dass wir im Parlament Vorschläge von Oppositionsfraktionen, Vorschläge von Regierungsfraktionen diskutieren. Sie haben es gesagt: Die müssen nicht einer Meinung sein. Aber bei Formulierungen wie "ein Angriff von außen" würde ich doch bitten, dass Sie das zukünftig bei der Redevorbereitung vielleicht ein bisschen herunterfahren und für Sachen aufheben, die wirklich Angriffe von außen sind. (Beifall bei den GRÜNEN) An einem Punkt habe ich kurz aufgehorcht. Da habe ich mich gefreut. Da dachte ich, es geht in eine Richtung, die mir gefällt. Ich habe vier Jahre lang im Bereich Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet. Bildung für nachhaltige Entwicklung war quasi der inländische Teil für globales Denken und globale Zusammenhänge, nicht allein für Klima und Umwelt, wie das bei Ihnen beiden betont worden ist, sondern auch für Mensch-Umwelt-Zusammenhänge, für globale Zusammenhänge von menschlicher Entwicklung, von Bildung, von vielem anderen. Sie haben gesagt, Sie wollten mal eine andere Flugebene erreichen. Ich habe gedacht, Sie gehen jetzt genau auf diese globale Ebene, genau auf das Globale, das eigentlich gefordert ist, um dann lokal zu sagen, welches Rüstzeug, welches Verständnis, welche Fertigkeiten Menschen brauchen und welche Projekte man auch einmal durchführen kann, um zusammen vernetzt zu denken und das zu sehen. Aber dann sind Sie in eine ganz andere Richtung abgebogen. Deswegen möchte ich noch einmal betonen: Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eben nicht allein Wissen über Klimawandel, ist nicht allein Umweltbildung. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist im besten Fall für junge und auch für ältere Menschen ein Leben lang das Rüstzeug, um globale Zusammenhänge zu verstehen, um zu verstehen, dass es ein ziemlich billiges Argument ist zu sagen, mit Klimaschutz in Deutschland retten wir die Welt nicht, sondern um auch zu verstehen, dass alles zusammenhängt. Natürlich ist jeder immer nur ein kleiner Teil, aber globales Denken und lokales Handeln gehören zusammen. Das sollte eigentlich Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bayern leisten. Die Vorschläge der SPD-Fraktion, denen wir zugestimmt haben, halte ich weiterhin für richtig. Wir können uns darüber streiten, ob schon etwas passiert oder ob es genug ist. Wir finden, es ist nicht genug. Sie finden, es ist genug. Wir werden bei den nächsten Anhörungen wahrscheinlich von allen Experten wie auch beim letzten Mal gesagt bekommen, es ist noch nicht genug. Deswegen verstehe ich die Diskussion nicht und werbe noch einmal um Zustimmung für die SPD-Anträge. (Beifall bei den GRÜNEN)

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