bayern.landtag.de ↗

Martin Brunnhuber

FREIE WÄHLER 10.02.2026 Sitzungen 19/70

Sehr geehrter Herr Vizepräsident, sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin, ehrlich gesagt, sehr dankbar, diese Anträge heute auf dem Tisch zu haben; denn dadurch kann ich einiges klarstellen: Zunächst bin ich unserer Kultusministerin Anna Stolz sehr dankbar, dass sie den Schulen vor Ort Freiräume gibt und ihnen die Eigenverantwortung zuspricht, Projekte durchzuführen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist nichts, was irgendwo im Kühlschrank gewachsen ist. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung ist vielmehr in einem Prozess entstanden. Die Grundlage ist, dass wirklich jeder an den Schulen auf die Nachhaltigkeit und das Einsparen von Ressourcen achtet. Diese Bestrebungen gibt es schon sehr lange. Ich kann mich an meine eigene Zeit in der Schule gut erinnern. Ich war stellvertretender Schulleiter. Ich habe die Ausstellung "Klimaladen", bei der es um das Einsparen von Ressourcen in der Textilindustrie ging, schon vor 15 Jahren an meine Schule geholt. Diese Ausstellung ist wirklich gut; denn sie ist im Rahmen eines basisdemokratischen Prozesses an die Schule gekommen. Das Schulforum und die Klassensprecher haben sich damals zusammengetan und gesagt: Wir wollen auf die weltweiten Missstände in der Textilindustrie hinweisen. Nun zum Projekt "Klimaschule". Meine letzte Schule war Partnerschule für das Projekt "Biosphärenregion Berchtesgadener Land" und für den Nationalpark Berchtesgadener Land. Jetzt kommt es: Uns vorzuwerfen, dass wir keine Strategien hätten, ist schlichtweg falsch. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Die Bildung für nachhaltige Entwicklung ist seit Jahren an den Schulen verankert. Sie geht auf das Grundgesetz zurück und ist im BayEUG mit den Worten "Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt" manifestiert. Von diesem Grundsatz leiten sich sehr viele Projekte ab, die in der Praxis umgesetzt werden. Hier gibt es keine Freiwilligkeit. Jeder hat sich diesem Grundsatz unterzuordnen, weil das eines der höchsten Bildungsziele ist, die wir in Bayern haben. Ein Argument der SPD lautet, Bildung für nachhaltige Entwicklung würde nicht verbindlich umgesetzt. – Dieses Argument stimmt nicht. Herr Kollege Baur hat schon gesagt, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Schularten fächerübergreifend in den Lehrplänen verankert ist. Es gibt jedoch kein Fach "Bildung für nachhaltige Entwicklung", in dem Leistungsnachweise erbracht werden müssen und gefragt wird: Wie hat sich denn deine Einstellung verändert? – Dies abzuprüfen, ist nicht unser Ziel. Das wäre auch grundlegend falsch; denn Einstellungen kann man nicht in Noten messen. Einstellungen müssen durch basisdemokratische Prozesse wachsen. Die SPD sagt weiter, die Lehrkräfte wären nicht ausreichend qualifiziert. – Hier sprechen die Fakten für uns: Wir haben das Thema "Bildung für nachhaltige Entwicklung" im Studium, im Vorbereitungsdienst und in der dritten Phase, der Weiterbildung, an allen Schulen verankert. Im Jahr 2024 sind 600 staatliche Fortbildungen zu diesem Thema durchgeführt worden, an denen insgesamt 14.000 Lehrkräfte teilgenommen haben. Das ist eine beachtliche Zahl, die natürlich noch gesteigert werden kann. Ich denke aber, dass bei anderen Themen erst einmal eine solche Teilnehmerzahl erreicht werden muss. Die SPD behauptet, die Klimabildung komme zu kurz. – Auch das stimmt nicht. Durch Programme wie die "Klimaschule Bayern" wird die Klimabildung enorm in den Vordergrund gerückt. Das wird auch zunehmend wichtiger. Wir haben schon oft im Landtag über Starkregenereignisse, veränderte Wetterbedingungen, das Einsparen von Ressourcen und die Wassernutzung diskutiert. Diese Themen werden sich in den Lehrplänen widerspiegeln, sie werden aber nicht aufgesetzt; denn sonst könnten wir nicht ressourceneffizient auf die Fragen vor Ort reagieren. Das zentrale Problem dieser Anträge besteht darin, dass Sie damit Defizite konstruieren, die nicht vorhanden sind. Mit unserer Strategie einer Bildung für nachhaltige Entwicklung haben wir verhindert, dass solche Defizite entstehen. Unser Hauptargument gegen dieses Antragspaket lautet: Sie haben damit die außerschulische Bildung überhaupt nicht berücksichtigt. Hier tut sich einiges. Dieses Thema ist nämlich auch in unserer Bildungsstrategie für außerschulische Einrichtungen fest verankert. Eine Weiterentwicklung ist hier sinnvoll und wird auch angestrebt. Vielleicht bringen Sie auch einmal Anträge zu den außerschulischen Einrichtungen ein. Das würde mich freuen; denn dann kann ich wiederum Gegenargumente sammeln. Meine Schlussfolgerung: Wir sind hier auf einem guten Weg. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Weg abschließend ist. Wir haben einen Weg beschritten, der genau in die richtige Richtung führt und der uns dem wichtigen Thema der Bildung für nachhaltige Entwicklung näherbringt. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

Alle Reden von Martin Brunnhuber Protokoll ↗