Christian Zwanziger
Herr Vizepräsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Worum geht es denn eigentlich heute? – Das Fränkische Seenland lebt von attraktiven Seen. Blaualgen sind nicht nur Gift für Menschen und Tiere, sondern sind auch Gift für den Tourismus, für die Attraktivität der Region. Ich glaube, wir sind uns einig: Badeverbotsschilder locken keinen Tagesgast, locken keinen Übernachtungsgast in die Region. Kollege Scheuenstuhl, deswegen danke schön, dass wir den Antrag heute noch einmal debattieren. Diese Debatte begleitete uns schon das gesamte letzte Jahr und auch davor. Kollegin Müller, Kollege Waldenfels, ich habe heute viel Verständnis für komplexe Zusammenhänge, für Sachen gehört, die vor Ort schon gemacht werden. Ich befürchte nur – ich hoffe, ich täusche mich –, dass wir uns bei diesem Thema wiedersehen werden. Ich glaube, deswegen hat Kollege Scheuenstuhl den Antrag heute hochgezogen, auch wenn es noch früh im Jahr ist, auch wenn die Algenblüte noch weit weg ist. Es muss sich etwas ändern. Kollegin Müller, da geht es nicht um Schuldzuweisungen. Es geht darum, dass der Tourismus in der Region 1,32 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Es geht darum, dass von Übernachtungsgästen und auch von Tagesgästen Hunderte Millionen Euro ausgegeben werden. Es geht darum, dass die Lebensqualität der Menschen vor Ort davon abhängt, auch ein attraktives Ausflugsziel zu haben, nebenbei: auch eines, das auch Personen mit kleinerem Geldbeutel offensteht. Es ist ein Problem, wenn wir es nicht schaffen, für Seen – anders als naturbelassene Seen, weil bei ihnen auch besonders auf Naturschutz geschaut wird usw. usf. –, die explizit als Badeseen in einer Tourismusregion angelegt worden sind und dafür gedacht waren, eine Balance hinzubekommen, damit diese auch als Badeseen und touristisch genutzt werden können. Kollege Scheuenstuhl hat die Badeverbotstage zitiert. Ich kann auch die dort befindliche Wakeboard-Anlage betrachten. Schulen dürfen ja nicht nur Skilager veranstalten – das ist eine andere Diskussion –, Schulen dürfen auch Sportwochen anbieten. Wenn die Wakeboard-Anlage zu ist, die Schüler sich aber auf eine Wassersportwoche gefreut haben, dann ist eine Wassersportwoche ohne einen See, in dem man baden kann, blöd. Für den Betrieb ist das doppelt blöd; denn er muss dann über die Saison fünfstellige Beträge zurückzahlen. Das ist existenzgefährdend. Das heißt, wenn wir darüber reden, dass es eine Balance zwischen Landwirtschaft vor Ort, Tourismus vor Ort und anderen Akteuren braucht – das wurde ja oft genannt –, dann kommt es wirklich auf die Balance an. Die Balance kann nicht bedeuten, dass der Tourismus immer dann hinten herunterfällt, wenn man glaubt, dass andere Sachen unbequem sind. Ja, der Klimawandel sorgt für eine wärmere Welt. Ja, der Klimawandel sorgt dafür, dass wir mit der Algenblüte mehr Probleme haben werden. Ja, vieles von dem, was wir machen können, geht nicht schnell. Es tut mir aber leid: Künstliche Abtrennungen im See, die das Baden in einem Bereich noch ermöglichen, halte ich für keine dauerhafte Lösung. Immer und immer wieder auszubaggern halte ich auch für keine dauerhafte Lösung. Deswegen diskutieren wir heute darüber. Ich würde darum bitten, dass wir nicht immer darüber sprechen, dass Bayern Tourismusland Nummer eins ist, sondern dass wir endlich einmal danach handeln und nicht nur so tun – ich sehe schon viele Zwischenbemerkungen –, als ob jetzt ein Antrag gegen die Landwirtschaft gestellt würde. – Das hat die Kollegin Müller gesagt. Aus meiner Sicht ist das ein Antrag für den Tourismus. Wir hatten dazu auch einen GRÜNEN-Antrag. Jetzt können Sie sagen, dass Sie doch alles schon machen. – Ich kann nur sagen: Ich würde mir wünschen für die Menschen in der Region, die dort baden gehen, ich würde mir wünschen für die Übernachtungsbetriebe, die darauf angewiesen sind, dass sie auch gerne weiter gebucht werden und nicht im nächsten Sommer aufgrund von Schlagzeilen wie "Fränkisches Seenland, Altmühlsee, Blaualgen" nicht mehr gebucht werden, dass sich endlich etwas ändert. Es muss sich etwas ändern; denn sonst sehen wir uns dieses Jahr, nächstes Jahr, in zwei Jahren wieder. Herr Kollege Waldenfels, ich glaube, wir beide wollen hier noch öfter diskutieren. Ich hätte aber Lust, dass es mal andere Debatten und nicht immer dieselben sind. – Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN)
