Harry Scheuenstuhl
2024 waren die Strandabschnitte am Altmühlsee an 50 von 139 Badetagen wegen einer drohenden Gesundheitsgefahr gesperrt, in allen drei Seezentren. Das ist kein Ausreißer mehr, das ist ein strukturelles Problem. Abschließende Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor, dürften aber in ähnlicher Größenordnung sein. Es ist ein Problem, das längst nicht mehr nur den Altmühlsee betrifft. Auch andere Seen im Landkreis Ansbach und anderswo in Bayern kippen schon fast regelmäßig um. Mit heißen Sommern wird das Risiko noch größer. Wertes Haus, niemand behauptet, dass vor Ort nichts unternommen wird. Ich war selbst bei der Fachtagung zur Entwicklung der Altmühlsee-Region im Juli 2025 mit dabei. Dort wurde deutlich: Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Kommunen, Fischerei, Jagd, Wissenschaft und Tourismus – alle sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Landwirte arbeiten an Bodengesundheit und Erosionsschutz. Es gibt Projekte wie "Grüne Gräben", "boden:ständig" oder "FlurNatur". Es wird seit Jahren befischt, mit Hunderten Tonnen entnommenem Weißfisch. Sedimentmanagement wird geplant, Wasserpflanzen werden geschützt, teilweise künstliche Badebuchten entstehen und werden wissenschaftlich begleitet. Selbst ein regionaler Wasserbeirat ist in Vorbereitung. All dies ist wichtig, all dies ist richtig. Aber eines wurde bei der Fachtagung ebenso klar: Es fehlt der verbindende Rahmen. Es fehlt ein integriertes Gesamtkonzept, und es fehlt vor allem eines: Tempo. Der zentrale Punkt bleibt der Nährstoffeintrag, und hier wissen wir inzwischen sehr genau: Drainagen beschleunigen den Abfluss und damit auch den Eintrag von Phosphor in den See. Deshalb fordern wir in unserem Antrag eine wissenschaftlich begleitete intelligente Steuerung von Drainagen, damit Wasser und somit auch Nährstoffe länger in der Fläche bleiben. In Baden-Württemberg gibt es dafür bereits eine gezielte Projektförderung. Warum nicht auch bei uns in Bayern? Das ist kein Vorwurf an die Landwirtschaft, sondern die Suche nach Lösungen. Eine Notmaßnahme, bei der aus Folie eine abgetrennte Badewanne im See angelegt wird, mag kurzfristig helfen, aber sie bekämpft nicht die Ursache. Man schwimmt im sauberen Wasser, und außen ist die Brühe so stark verschmutzt, dass man da nicht rauslangen kann. Wir dürfen uns auch nicht hinter den Durchschnittszahlen zur Wasserqualität verstecken. Für eine ausgezeichnete Badewasserqualität genügt laut EU-Badegewässerrichtlinie die Bewertung nach mikrobiologischen Parametern: E. coli, iEnterokokken. Blaualgen sind zwar ausschlaggebend für das Badeverbot, fallen aber bei der Bewertung der Wasserqualität nicht ins Gewicht. Trotz ausgezeichneter Wasserqualität – das können Sie im Internet nachlesen – kann in den Sommermonaten aufgrund von Gesundheitsgefahren nicht gebadet werden. Die Maßnahmen kosten Geld, aber ein dauerhaft geschädigter Ruf des Altmühlsees kostet mehr – für den Tourismus, für die Region und für die Menschen, die dort leben. Deshalb bleibt es für uns als SPD nicht bei Appellen. Wir werden unsere Forderungen auch haushaltspolitisch entsprechend hinterlegen. Wir bitten um Unterstützung. (Beifall bei der SPD)
