Laura Weber
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Hebammen, zuerst will ich mich bedanken. Ihr habt wahrscheinlich einen der verantwortungsvollsten und auch schönsten Berufe, die ich mir nur vorstellen kann. Gerade wenn ich mit Hebammen spreche, spüre ich das Feuer dahinter. Vielen Dank dafür. Ihr helft Frauen in den wahrscheinlich empfindlichsten und auch verletzlichsten Momenten ihres Lebens. Ihr unterstützt vor, während und nach der Geburt. Ihr gebt Sicherheit, ihr spendet Vertrauen. Ihr, liebe Hebammen, mit eurer Erfahrung und eurem Können, bleibt in schwierigen Situationen gelassen und vertretet zu jeder Zeit die Interessen der Frauen. Vielen Dank dafür! (Beifall bei den GRÜNEN) So wichtig dieser Beruf ist, so wichtig ist es auch, diesen Beruf attraktiv zu halten. Dafür sollten wir alles tun, was in unserer Macht steht. Der neue Hebammenhilfevertrag, der seit November letzten Jahres gilt, schafft aber ein System der Unsicherheit. Es besteht die Gefahr, dass nicht mehr wirklich jede Frau bestens betreut wird. Auch wenn das gesteckte Ziel dieses Hebammenvertrags die Eins-zu-eins-Betreuung ist, was ein gutes Ziel ist, kann es im bestehenden System noch lange nicht umgesetzt werden. Die Realität schaut gerade noch anders aus. Deswegen will ich das hier auch ausdrücklich kritisieren. Daten, die schon evaluiert wurden, zeigen, dass Beleghebammen bis zu 20 % weniger für die gleiche Arbeit bekommen. Was wäre das für ein Aufschrei, wenn das ein ausgesprochener Männerberuf wäre? – Es wäre ein riesiger Aufschrei. Diesen Aufschrei will ich hier durchaus unterstützen. Deswegen stehen wir gerade auch hier in Bayern, im Bayerischen Landtag, weil hier 80 % der Geburten von Beleghebammen begleitet werden. Aber wir sind hier eben im Bayerischen Landtag. Das heißt, die Zuständigkeit liegt nicht hier, die Zuständigkeit liegt auch nicht beim Bundestag, sondern die Zuständigkeit liegt auf Bundesebene bei einer Arbeitsgruppe, die festgelegt wurde und die wir mit unserer Diskussion hier durchaus beeinflussen wollen, der wir durchaus klar in Richtung Bundesregierung sagen wollen: Hier sind riesige Defizite. Schaut euch das genau an. Wir brauchen die beste Versorgung für unsere Frauen, für unsere Kinder, für die Familien, schaut euch das an. – Wir wollen mit dem Finger darauf zeigen. Wir aber sind im Bayerischen Landtag, und auch hier kann einiges getan werden. Ich will eine Sache nennen: Das ist der Bayerische Hebammenbonus. Er ist grundsätzlich eine gute Sache. Wir in der GRÜNEN-Fraktion haben uns eingehend mit den Hebammen beschäftigt. Wir haben uns über Anfragen Daten zum Beispiel über den Hebammenbonus geholt. Man sieht, dass seit Juli 2025 kein einziger Antrag mehr gestellt wurde. Nach den Zahlen, die wir bei der Staatsregierung eingeholt haben, wurde kein einziger Antrag gestellt. Ich habe mit Hebammen gesprochen; diese sprechen von extremer Bürokratie. Keine kommt mehr mit der überbordenden Bürokratie zurecht: jedes Jahr aufs Neue mehrere Seiten Antrag. Wenn man im Landkreis zum Beispiel aus der Gesundheitsregion plus noch Zuschüsse bekommt, kollidiert das. Man muss dann noch einen Antrag auf Zuschuss zur Haftpflichtversicherung stellen, der auch sehr kompliziert ist. Jedes Jahr muss man das Hebammenzeugnis hinschicken. Man geht in enorme Vorleistung und bekommt den Zuschuss dann auch noch völlig zeitversetzt. Das ist eine Katastrophe, das Gegenteil von Entbürokratisierung. Liebe CSU, liebe Staatsregierung, macht eure Hausaufgaben! So kann es nicht weitergehen. Hier könnt ihr direkt vor Ort etwas tun. Macht es! – Danke schön. (Beifall bei den GRÜNEN)
