Ruth Müller
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der Frühling steht schon vor der Tür. In vielen Gärten wird aufgeräumt, geplant und vorbereitet. Mancher schielt schon auf den perfekt gemähten Rasen. Die Nächte sind noch kalt. Viele Tiere, die wir im Sommer kaum wahrnehmen, schlafen noch. Auch mein Igel, von dem ich schon in der Ersten Lesung erzählt habe, liegt noch in seinem Laubbett und schläft. Da hat er es auch ganz gut, solange er in meinem Garten bleibt – das weiß er auch –, weil ich nämlich tagsüber selbst mähe. In vielen anderen Gärten sieht es aber anders aus: Sobald die Temperaturen steigen, beginnt für den Igel die gefährlichste Zeit des Jahres. Dann wird er wieder nachts aktiv, dann sucht er Nahrung, dann sucht er nach Fortpflanzungsmöglichkeiten, und dann ist er unterwegs. Dann treffen zwei Welten aufeinander: die Nachtaktivität eines Wildtieres und der nächtliche Einsatz von Mährobotern. Wir wissen alle: Igel fliehen nicht. Sie laufen nicht davon, sie rollen sich bei Gefahr zusammen. Genau dieses Verhalten wird ihnen zum Verhängnis, wenn der Mähroboter kommt. Mähroboter erkennen Kleintiere oft nicht zuverlässig. Das Ergebnis kennen wir alle: schwerste Verletzungen oder der Tod. Wer solche Bilder einmal gesehen hat, weiß: Das ist kein theoretisches Problem, das ist brutale Realität, und zwar für den Igel. Der Igel ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Trotzdem erleben wir auch bei uns in Bayern einen deutlichen Rückgang. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat ihn nicht ohne Grund zum Wildtier des Jahres 2024 gewählt. Er steht inzwischen auf der Roten Liste. Die Ursachen sind vielfältig: weniger Lebensräume, weniger Insekten, versiegelte Flächen, monotone Gärten. Heute reden wir über einen Faktor, den wir ziemlich direkt beeinflussen können: den nächtlichen Einsatz von Mährobotern. Es gibt Geräte mit Sensoren, es gibt technische Versprechen, aber die Realität ist: Kleintiere werden oft nicht zuverlässig erkannt. Es trifft eben nicht nur den Igel, sondern auch andere nachtaktive Wildtiere. Der Deutsche Tierschutzbund warnt seit Jahren. Der Landesbund für Vogelschutz begrüßt klare Regeln. Pro Igel fordert, dass Geräte ohne Tiererkennung gar nicht erst verkauft werden sollten. Das sind keine Ideologen, das sind Menschen, die täglich mit den Folgen zu tun haben. Es gibt auch kommunale Beispiele, die zeigen: Regeln sind möglich. Über Lärmschutz- und Hausarbeitsverordnungen wird der nächtliche Einsatz teilweise schon eingeschränkt. Wir wissen aber doch auch alle: Gerade weil Mähroboter so leise sind, fällt es kaum auf, wenn trotzdem nachts gemäht wird. Die Norm existiert, aber sie schützt den Igel nicht zuverlässig. Deshalb reicht es nicht, nur auf Aufklärung zu setzen. Wir haben die Antwort der Staatsregierung schon gehört, Infoflyer, Broschüren, Bewusstseinschaffen, aber ehrlich gesagt ist das nicht ausreichend. Dem Igel hilft kein Flyer, wenn er nachts unterwegs ist und der Roboter kommt. Der Igel lässt sich auch nicht aufklären. Menschen, die keine Kinder in der Schule haben, werden auch nicht aufgeklärt; das Beispiel kam gerade von der Kollegin Marina Jakob. Appelle ersetzen keine klaren Regeln. Noch etwas darf bei dieser Diskussion nicht unter den Tisch fallen. Wenn etwas schiefgeht, sind bei uns in Bayern meist die Ehrenamtlichen am Zug, die verletzte Igel versorgen, weil viele Tierheime Wildtiere gar nicht behandeln oder schlicht überlastet sind. Ihnen, den Ehrenamtlichen in den Tierheimen, gilt heute mein ausdrücklicher Dank. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen nicht jede Nacht das Ordnungsamt in die Gärten schicken, aber wir können klare, verständliche Leitplanken setzen, damit der nächtliche Einsatz von Mährobotern keine tödliche Falle mehr sein wird. Darum sage ich für die SPD-Fraktion in dieser Zweiten Lesung ganz klar: Wir unterstützen den Gesetzentwurf und stimmen zu – für mehr Artenvielfalt, für echten Tierschutz und dafür, dass unsere Igel ihre nächtlichen Spaziergänge unbeschadet überstehen können. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
