Marina Jakob
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute die Zweite Lesung zum sogenannten Mähverbot zum Schutz der Igel. Tatsächlich bin ich euch GRÜNEN wirklich dankbar dafür, dass ihr das Thema seit 14 Monaten immer wieder mit Anträgen und mit Gesetzentwürfen auf die Tagesordnung bringt, auch wenn wir sie ablehnen werden. Die Presse nimmt dieses Thema nämlich auf. Wir sehen in der dpa-Meldung, wie lange man über dieses Thema berichten kann, jedes Mal wieder. Ich weiß gar nicht, wie oft es im letzten Jahr in der Zeitung war, und das ist gut so. Bei der dpa-Meldung steht relativ weit unten ganz klar, dass Juristen sagen, dass es nach geltendem Recht – Tierschutz und Artenschutzrecht – jetzt schon verboten ist, einem Tier Schmerz und Leid zuzufügen. Ich darf nicht wissentlich nachts meinen Mähroboter laufen lassen und damit einen Igel gefährden. Das darf ich nicht tun und kann belangt werden. Deshalb ist es eine Doppelgesetzgebung, die wir tatsächlich einfach nicht brauchen. Den Igel gilt es zu schützen, auch in unserem Garten. Da appelliere ich einfach wieder an die Vernunft der Menschen, wie ich es letztes Mal schon gemacht habe: Natur- und Artenschutz fängt bei jedem von uns selbst an. Wir können nicht alles über noch mehr Gesetze regeln. Jeder hat dafür zu sorgen, seinen Garten naturschutz- und bienenfreundlich zu machen. Die allermeisten Menschen waren für das Volksbegehren "Rettet die Bienen"; dann stehen sie auch in der Verantwortung, selbst etwas für den Natur- und Artenschutz zu tun. Es geht darum, dass natürlich nicht nur Igel im Garten verletzt werden und sterben, sondern dass viel mehr Igel im Straßenverkehr sterben. Wir verbieten auch nicht das nächtliche Autofahren, gerade im Herbst, wenn die Igel besonders wanderfreudig sind. Wir brauchen pragmatische Lösungen, wir brauchen vernünftige Lösungen. Die Gesetzgebung ist vorhanden. Wir brauchen nicht zu überbürokratisieren. Die Kontrolle ist einfach nach wie vor schwierig. Wer kontrolliert denn, wo nachts ein Mähroboter im Garten fährt? Kommt es wie in Corona-Zeiten wieder zu Anzeigen von den Nachbarn untereinander? Das wollen wir einfach nicht. Wir wollen Aufklärung. Dafür haben Sie gesorgt, das ist uns gelungen. Ich danke auch dem Umweltministerium und unserem Minister, der das immer wieder auf die Tagesordnung bringt, der eine Kampagne hierzu gestartet hat. Natürlich läuft sie im Winter gerade nicht, weil die Igel jetzt nicht aktiv sind. Wir haben gesehen, liebe Mia Goller, Social Media sind wichtig und richtig. So erreicht man heutzutage die Leute. Dafür tun wir ganz viel. Noch viel wichtiger ist: Wir müssen unsere Kinder schon in der Schule aufklären, was passieren kann. Meine Tochter hat das gerade in der zweiten Klasse. Da ist der Igel ein riesiges Thema im HS-Unterricht. Auch dort wird gesagt: Hey, wenn der Mähroboter nachts bei euch fährt, kann er eurem Igel zu Hause wirklich Schaden zufügen. Macht das nicht. – Die Kinder kommen heim und sagen: Papa, der Mähroboter darf nachts nicht laufen. Stihl und andere europäische Firmen haben das schon voreingestellt. Wir machen das und passen auf unsere Tiere in unserem heimischen Garten auf. Deswegen bedanke ich mich noch einmal bei euch, dass ihr es auf die Tagesordnung setzt, und hoffe, dass wir jetzt nach 14 Monaten fertig sind. Die Kampagne vom Umweltministerium geht ganz sicher weiter. Ich danke der Presse für das Aufgreifen des Themas. Ein zusätzliches Verbot und eine Doppelgesetzgebung braucht es einfach nicht. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)
