Andreas Kaufmann
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Zum Jahresauftakt darf ich zu einem wirklich wunderbaren Thema sprechen: der bayerischen handwerklichen Braukunst. – Vielen Dank, liebe Frau Müller, liebe SPD-Fraktion. Aber was zunächst plakativ sehr wohlwollend klingt, könnte am Ende für die SPD-Fraktion heute Abend zum Bumerang werden. Aber dazu später. Beginnen wir mit einem kurzen Schlaglicht auf die aktuelle Situation: Ja, Frau Müller, der gesamte Brauereiensektor steht vor der Herausforderung eines nachlassenden Bierkonsums. Die Gründe hierfür sind vielfältig und genau zu betrachten. In der Fachliteratur, in der man gerne einmal nachlesen kann, wird von einer demografischen Veränderung der Bevölkerung und einer Änderung in der Genussmittelauswahl gesprochen. Die Vielfalt der Angebote und die Veränderung der Einstellung zum Alkohol kommen hinzu. Wir haben den Dry January; Kollege Bauer, noch drei Tage durchhalten, dann läuft es so weiter. Wir haben natürlich veränderte Wettbewerbsbedingungen. Wir haben Großbrauereien mit eigenem Labor, und wir haben kleine Brauereien mit dem Meister oder mit dem Inhaber. Ist somit der innovative neue Ansatz der alkoholfreien Bierherstellung der Gamechanger für große und kleine Brauereien? – Nein. Aber er ist die Möglichkeit, sich diversifizierter aufzustellen. Er birgt allerdings ein Risiko in der Erweiterung und Auslastung der Anlagen. Gerade aus der Zeit des Craftbeer-Trends sind viele kleine Brauereien in eine Risikospirale geraten, die am Ende sogar existenzbedrohend war, weil der Trend schneller zu Ende war als die Amortisation der Investitionen. Ob der Trend der alkoholfreien Biervielfalt anhält, weiß man nicht. Brauereien berichten auf jeden Fall, dass es einen Trend zu alkoholfreien Getränken gibt. Das stimmt. Hier ist aber die Vielfalt zu nennen, vor allem: Fermentationen, nahe am Kombucha-Tee, alternative Destillerie, neue Brauverfahren oder auch der Versuch von alkoholfreien Keltereien. Ich habe gehört, dass es in naher Zukunft den Frankenwein auch in alkoholfreier Version gibt. Das ist aber alles Zukunft. Genau darin liegt der Haken in Ihrem Antrag: Die Behörden müssen mit viel größerem Personalaufwand und immensen Prüfverfahren in winzigsten Nischen prüfen, bewilligen oder auch entwerfen. Der Kosten-Nutzen-Faktor ist hier gar nicht darstellbar und treibt am Ende kleinste Brauereien in unkalkulierbare Risiken. Ich will Ihren Antrag hier jetzt aber nicht nur einfach damit zerreden, was kleine handwerkliche Brauereien in Bayern brauchen. Ich will hier einfach einmal darstellen, wie es eigentlich wirklich ist. Alle Mittelständler, alle Handwerksbetriebe brauchen Verlässlichkeit und Top-Rahmenbedingungen. Da wir uns oft genug über Energie unterhalten, reden wir hier einmal über weitere Themen. Dieses Feld ist sehr groß. Zum Beispiel: Freiheit beim Tüfteln und Forschen; das müssen die Brauer ja machen. Mit der aktuell nicht vorhandenen Möglichkeit, Arbeit flexibel zu gestalten, ist das faktisch unmöglich. Kleine Brauereien haben im Gegensatz zu einer Entwicklungsabteilung in Großbrauereien oft nur einen Braumeister, einen Inhaber. Dieser Braumeister muss neben seiner Hauptarbeit noch Neues probieren und auch weiterentwickeln. Das kann er aber nicht, weil er seine Arbeitszeit nicht flexibel einteilen darf. Die Herstellung von Bier hat einen großen Vorteil, was Rohstoffe angeht: Wasser, Hopfen, Malz – und los geht's. Was wirklich ins Kontor schlägt, ist neben der Energie eine hohe Anforderung an Platz, Anlagen und Logistik. Das macht kleine Brauereien zu Unternehmen mit einem stattlichen Anlagevermögen. Nichts gefährdet eine solche Konstellation mehr als die aktuellen Erbschaftsteuerpläne der SPD. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Sollte ein solcher Betrieb unter Anwendung der von der SPD ins Spiel gebrachten Erbschaftsteuerreform weitergegeben werden, ist er faktisch am Ende. Er muss aufgespalten und verkauft werden. Denn Anlagevermögen hat nur einen reellen Wert, wenn es bewirtschaftet wird und daraus eine Wertschöpfung entstehen kann. Also, nehmen Sie ganz schnell Ihren roten Telefonhörer in die Hand, rufen Sie im Willy-Brandt-Haus an und erklären Sie Ihren Kollegen in Berlin, wie gute Politik für mittelständische Handwerksunternehmen funktioniert. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Unser Fazit ist ganz klar: Das bayerische mittelständische Handwerk braucht in seiner ganzen Breite und Vielfalt Innovation, Investition und Bildung – und dabei auch Unterstützung. Hier sind wir in Bayern super aufgestellt. Neben den Kammern und den Verbänden hat auch der Freistaat einen erheblichen Anteil. Gerade die LfA ermöglicht jedes Jahr unbürokratisch Investitionen von Handwerksbetrieben in einer Höhe von einer Viertelmilliarde Euro. Die Handwerkskammern steuern, ebenfalls durch den Freistaat unterstützt, ingenieurwissenschaftliche qualifizierte Fachberatung im Bereich Innovation und Technologie bei. Sie sehen, Bayern erkennt, Bayern macht und Bayern kümmert sich um sein Handwerk. Helfen jetzt auch Sie mit, damit die Rahmenbedingungen im Bund einfacher werden – und keinesfalls schwerer. Wir lehnen den Antrag ab. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Herr Kollege Kaufmann. – Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Köhler für die AfD-Fraktion.
