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Ruth Müller

SPD 28.01.2026 Sitzungen 19/68

Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Bayern ist Bierland, und ich komme selber aus der Hallertau. Wir wissen alle, wie gut Bier schmeckt und wie wichtig es bei Volksfesten ist. Das ist nicht einfach nur ein Spruch, sondern eine Realität, die wir immer wieder erleben. Bei uns geht es nicht nur um ein Getränk, sondern es geht um Handwerk, es geht um Familienbetriebe, um Ausbildung und um Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Es geht um das, was unsere Gesellschaft zusammenhält, nämlich unsere Wirtshäuser, unsere Vereinsfeste und unser Brauchtum. Das ist alles nicht ersetzbar. Wenn man sich anschaut, wie die bayerische Brauwirtschaft heute aufgestellt ist, dann sieht man vor allem eines: Wir haben in Bayern eine einzigartige Struktur von 598 Braustätten, dabei handelt es sich um 41 % aller Braustätten in ganz Deutschland. Drei Viertel dieser Betriebe produzieren unter 5.000 Hektoliter im Jahr. Das sind alles keine Konzerne, sondern familiengeführte Betriebe, wo die Chefin oder der Chef oft selbst im Sudhaus steht. Das sind Betriebe mit Herz und Identität, die man schmeckt. Genau diese Betriebe geraten zunehmend unter Druck. Der Bierabsatz geht seit Jahren zurück, und gleichzeitig sehen wir, dass viele kleinere Traditionsbrauereien vor existenziellen Herausforderungen stehen. Erst kürzlich musste die oberfränkische Familienbrauerei Leikeim nach 139 Jahren Insolvenz anmelden. Ein Betrieb, der über Generationen Familien ernährt und Regionen geprägt hat, ringt jetzt um seine Zukunft und um die Arbeitsplätze von rund 100 Menschen. Und auch ein anderer Vorgang zeigt, wie tief der Wandel ist: Die traditionsreiche Brauerei Bischofshof in Regensburg wird ihren Betrieb einstellen, weil ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb vor Ort nicht mehr möglich war. Die Marken Bischofshof und Weltenburger wurden vor diesem Hintergrund von der Familienbrauerei Schneider Weisse aus Kelheim übernommen – ein Schritt, der zeigt, dass zwar Marken gerettet werden, aber gleichzeitig Standorte und Arbeitsplätze verloren gehen. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, das ist kein abstrakter Strukturwandel. Das sind Schicksale, das sind Arbeitsplätze, das sind Regionen, die kämpfen. Und gleichzeitig wächst ein Bereich ganz stark, nämlich das alkoholfreie Bier. Allein in Bayern hat sich das Ausstoßvolumen in den letzten 25 Jahren mehr als versechsfacht. Das ist ein Trend unserer Zeit, mit dem wir politisch umgehen müssen. Aber dieser Trend darf nicht dazu führen, dass diejenigen, die unsere bayerische Braukultur über Generationen geprägt haben, zurückgelassen werden. Die großen Brauereien können Märkte, Technik und Kapital bündeln. Kleinen Betrieben fehlen oft die Mittel, sich anzupassen, auch wenn sie den Willen und die Ideen dazu hätten. Das ist genau der Punkt. Wenn eine Brauerei alkoholfreies Bier in guter Qualität herstellen will, braucht sie moderne Technik. Dabei handelt es sich um eine Investition, die viele der kleinen Betriebe nicht alleine stemmen können, weil sie Geld kostet und für die Familienbetriebe nicht einfach ist. Und dann passiert genau das, was wir von der SPD nicht wollen: Die Großen wachsen weiter und die Kleinen verlieren Marktanteile, obwohl sie die Tradition tragen und unsere regionale Vielfalt ausmachen. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir als SPD-Fraktion fordern, die Staatsregierung soll ein innovatives Förderkonzept – mit Fördermitteln, mit Beratung und vor allem mit Perspektive – prüfen, damit auch kleinere Brauereien den Einstieg in moderne Produktionsformen schaffen können. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Wir sagen ganz bewusst: Lasst uns auch Kooperationen fördern, Modelle, wo sich mehrere Brauereien Technik und Wissen teilen – so wie man es im ländlichen Raum oft macht: nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir wollen, dass unsere bayerischen Brauereien – gerade die kleinen – die Chance bekommen, mitzuhalten, ohne ihre Identität zu verlieren. Denn bayerische Braukunst kann Tradition, sie kann Zukunft, aber dafür braucht es faire Bedingungen. Deshalb bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. – Vielen Dank. Prost Mahlzeit. (Beifall bei der SPD) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Frau Kollegin Müller. – Nächster Redner ist Herr Kollege Kaufmann für die CSU-Fraktion.

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