Ralf Stadler
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kollegen! Das Naturschutzgebiet Hochwald mit seinem Dreisesselberg ist zweifellos der Höhepunkt im Unteren Bayerischen Wald. Der Dreisesselberg beschert – vorausgesetzt, das Wetter passt – Touristen eine herrliche Fernsicht herunter bis ins oberösterreichische Mühlviertel, herüber zum Aussichtsturm auf dem Haidel-Berg und auf die Ortschaften der Haidler Region Haidmühle, Philippsreut, Hinterschmiding, Grainet, Neureichenau und Jandelsbrunn. Er gehört schlichtweg zu den Hauptattraktionen im Landkreis Freyung-Grafenau. Doch es gibt auch eine Schattenseite in einem der schönsten Naturschutzgebiete des Unteren Bayerischen Waldes, von denen die Medien regelmäßig berichten: Dreisesselparkplatz wegen zu vieler Besucher gesperrt, immer wieder sonntags, Dreisesselparkplatz wegen Besucheransturms erneut gesperrt, Dreisesselparkplatz wegen Besucheransturms zum vierten Mal in Folge gesperrt, Dreisesselparkplatz auch am Freitag seit Mittag gesperrt. Und als ob das noch nicht genug wäre, kommt noch jährlich eine Großveranstaltung hinzu. Der Tag des Sports am Dreisesselberg zählt mittlerweile zu den etabliertesten und beliebtesten Sportevents im Bayerischen Wald. Jedes Jahr messen sich mehr Läufer, mehr Walker sowie mehr Radfahrer, wenn es darum geht, den 1.333 Meter hohen Berg zu erklimmen. Bei diesem Sportereignis tummeln sich über tausend Sportbegeisterte an einem Tag, begleitet von Beschallungsanlagen, die lautstark für Volksfeststimmung sorgen. Doch einem Anlieger stinkt die steigende Besucherzahl und das Remmidemmi laut Forstverwaltung Altreichenau ganz gewaltig, nämlich dem Auerhuhn, das ständig dem stetig zunehmenden Besucherstrom am Dreisesselberg ausgesetzt ist. Maßnahmen seitens der Forstbetriebsleitung, damit sich diese Tiere dort halbwegs wohlfühlen, gab es. Dem dort ansässigen Gleitschirmverein "Die Grenzüberflieger" mit zehn Mitgliedern wurde das Starten verboten. Sie setzten verstärkt auf die Lenkung der Besucherströme, beispielsweise durch Sperrung; aber die Bewerbung alternativer Ziele oder Anstrengungen, das Sportevent zu verlagern, was eine entscheidende Abhilfe der steigenden Besucherströme in diesem Naturschutzgebiet schaffen würde, blieb bisher aus. Dabei wurden erst 23 Millionen Euro in das 30 Minuten entfernte Skizentrum Mitterdorf investiert, das für 2026 sogar ein Sommerangebot mit Sechserlift, eine Fly-Line und zusätzliche Attraktionen bereithält. Das Skizentrum selbst liegt direkt in einem Naturschutzgebiet, und es bietet genügend Besucherkapazitäten und zweimal so viele Parkplätze wie am Dreisesselberg. Auch eine Verlagerung des Tags des Sports zum Skizentrum Mitterdorf, an dem der CSU-Landrat Gruber so gerne laufend und medienwirksam teilnimmt, während die Forstverwaltung mit ihren Rangern die Köpfe in den Sand steckt und die Auerhühner plötzlich überhaupt keine Bedeutung mehr haben, könnte den Besucherstrom langfristig nivellieren. Es bleibt weiterhin des CSU-Landrats liebster Sport. Sehr geehrte Damen und Herren, (Zuruf von den GRÜNEN: Was hat das mit dem Sportzentrum zu tun?) die Situation am Dreisesselberg verdeutlicht den klassischen Zielkonflikt zwischen dem Tourismus als Wirtschaftsfaktor, dem Breitensport und dem notwendigen Naturschutz in einer sensiblen Region des Bayerischen Waldes. Die regelmäßigen Sperrungen der Parkplätze der Feuerwehr und der Behörden belegen, dass die Kapazitätsgrenzen am Dreisesselberg schon lange erreicht oder überschritten sind. Die Störung der streng geschützten und störungsempfindlichen Auerhühner durch Massenveranstaltungen wie dem Tag des Sports und dem Individualtourismus steht im Widerspruch zu den Naturschutzauflagen wie dem Verbot von Gleitschirmflügen. Die Durchführung von Großveranstaltungen wie dem Tag des Sports im Naturschutzgebiet wird als widersprüchlich empfunden, insbesondere unter Beteiligung politischer Entscheidungsträger. Wir plädieren für konsequente Nutzung des Skizentrums Mitterdorf, in das massiv investiert wurde, als alternative Location für Sportevents und Sommertourismus, um den Dreisesselberg ökologisch zu entlasten. Die von uns angesprochene Verlagerung von Großevents in Gebiete mit bereits vorhandener belastbarer Infrastruktur ist ein zentrales Instrument moderner Besucherstromlenkung, damit Tourismus, Sport und Naturschutz weiterhin glaubhaft in Einklang stehen können. (Beifall bei der AfD)
