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Gabriele Triebel

GRÜNE 10.12.2025 Sitzungen 19/66

Sehr geehrte Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Ehrengäste! Heute sprechen wir über eine Aufgabe, die größer ist als jede Regierung, jede Legislatur und jede Parteigrenze. Es geht darum, unsere Verantwortung bezüglich der Erinnerung an den größten Zivilisationsbruch der Menschheit, der Schoah, lebendig zu halten und sie für die kommenden Generationen wirksam zu vermitteln. Mit Blick auf die momentanen Einstellungen der Deutschen zum Thema NS-Geschichte in der neuesten MEMO-Studie der Universität Bielefeld ist ein Punkt alarmierend: Zum ersten Mal wird mehrheitlich die Meinung vertreten, dass ein Schlussstrich unter die NS-Geschichte gezogen werden soll. Gleichzeitig verbreitet sich Antisemitismus in der gesamten Gesellschaft auf bedenkliche Weise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Tatsache können und dürfen wir nicht hinnehmen. Deswegen ist es ein starkes Zeichen, dass nach den Gesprächen mit der Ampel-Regierung vor zwei Jahren die Erinnerungs- und Forschungsstätte Yad Vashem den Entschluss gefasst hat, nach Deutschland zu kommen, in das Land der Täter, (Widerspruch bei der AfD) die die Ermordung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden minutiös planten und umsetzten. Mit dem heutigen Antrag setzen wir, die demokratischen Fraktionen im Bayerischen Landtag, ein klares Zeichen: Wir stehen bereit für die Zusammenarbeit mit der bedeutendsten Forschungs- und Bildungseinrichtung des Holocaust. Wir stehen bereit für mehr Verantwortung, für Erinnerungsarbeit, für Gedenkarbeit hier in Bayern; denn der Freistaat Bayern hat für Yad Vashem die vielfältigsten Anknüpfungspunkte. Wir fördern und schützen jüdisches Leben nicht nur in den aktiven Gemeinden in München, Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Amberg oder Würzburg, sondern beispielsweise auch durch die Erinnerung an das Landjudentum in der schwäbisch-mittelfränkischen Region oder an die DP-Lager wie zum Beispiel in Wolfratshausen-Waldram, wo jüdisches Leben nach der Schoah wieder seinen Anfang fand. Mit dem renommierten Institut für Zeitgeschichte, einer international anerkannten Forschungsstätte, die das Zentrum für Holocaust-Studien beheimatet, und den NS-Doku-Zentren München, Nürnberg und Obersalzberg findet Yad Vashem hoch kompetente Partner vor, um seinen pädagogischen Schwerpunkt mit der hiesigen Wissenschaft zu verknüpfen. In Bayern befindet sich die bedeutendste KZ-Gedenkstätte Deutschlands, die Gedenkstätte Dachau, mit über einer Million Besuchern jährlich. Das KZ Dachau diente den Nazis als Blaupause für die nachfolgenden Vernichtungslager wie Auschwitz, Majdanek und Sobibor. Der Holocaust fand aber am Ende der NS-Zeit auch in Bayern statt, in den Dachauer Außenlagern, wie die elf KZ-Außenlager von Kaufering. Dorthin wurden Zehntausende jüdische KZ-Häftlinge verschleppt. In den "kalten Krematorien", wie diese Außenlager von den KZ-Häftlingen genannt wurden, starben weitaus mehr als 10.000 jüdische Menschen wegen Folter, Gewalt, Krankheiten und Hunger. Ein Überlebender dieser Lager, Abba Naor, legt darüber immer noch ein beeindruckendes Zeugnis ab. Yad Vashem hat in Bayern viele und bedeutende Anknüpfungspunkte. Vor uns allen liegt aber noch die große Aufgabe, dass dieses Projekt auch in die Gesellschaft integriert und hineingetragen wird. In Zeiten eines zunehmend offen ausgelebten Antisemitismus, von Geschichtsvergessenheit, Geschichtsrevisionismus und vor allem der Forderung von Rechtsaußen, eine Hundertachtziggradwende in der Erinnerungskultur vorzunehmen, werden klare Bekenntnisse und Bildung für ein friedliches und freiheitliches Zusammenleben ohne Ausgrenzung und ohne Antisemitismus immer wichtiger. (Beifall bei den GRÜNEN, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Education Center von Yad Vashem in Bayern bedeutet nicht nur Erinnerung. Es bedeutet mehr Aufklärung statt Verdrängung, mehr Bildung statt Gleichgültigkeit, mehr Wachsamkeit statt eines Wegschauens. Dieses Mehr brauchen wir hier in Bayern. (Beifall bei den GRÜNEN, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der SPD)

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