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Anna Stolz

09.12.2025 Sitzungen 19/65

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! "Für ein starkes Bayern: Werte machen Schule – für Staat und Gesellschaft." Ich könnte Ihnen hierzu jetzt ausführlich erzählen, wie hervorragend die Wertebildung und Demokratieerziehung an unseren bayerischen Schulen funktioniert; denn das tut sie mit einem Gesamtkonzept zur politischen Bildung, mit der Verfassungsviertelstunde, mit "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage", mit starken Partnern wie der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, dem Wertebündnis Bayern oder der Akademie für Politische Bildung, aber vor allem mit großartigen Lehrkräften, die die jungen Menschen jeden Tag in ihren Werten bestärken. Ihnen gebührt zuallererst unser aller großer Dank. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Ja, unsere Lehrkräfte machen das hervorragend. Dabei gibt es immer wieder neue Herausforderungen, denen sie sich stellen und auf die sie sich vorbereiten. Allein in den letzten zwei Jahren haben sich rund 10.000 Lehrkräfte im Bereich Antisemitismusprävention fortgebildet. Jährlich werden 200 Schülerinnen und Schüler als Wertebotschafter ausgebildet. Deutschlandweit einzigartig: Wir haben 26 Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz. Sie begleiten, zeigen Präsenz und bleiben im Gespräch. Das ist ein sehr wichtiges Signal für die jungen Menschen: Der Staat kümmert sich um euch und unterstützt euch auch dann, wenn es schwierig wird. Ich könnte Ihnen berichten, wie die Werteerziehung schulart- und fächerübergreifend in den Unterricht eingebettet ist und welche tollen Projekte und Initiativen wir haben, aber das werde ich heute nicht tun. Ich möchte Ihnen stattdessen vier Menschen vorstellen, die mir in diesem Jahr als Kultusministerin begegnet sind; denn entscheidend sind am Ende ja nicht die Konzepte, die Zahlen der Fortbildungen und die Summe der Wettbewerbe, sondern entscheidend ist, wie die vermittelten Werte gelebt werden, wie sie Leben verändern, wie sie Gesellschaft prägen und welche Geschichten sie schreiben. Bernadette: Ordensschwester Bernadette durfte ich kürzlich das Bundesverdienstkreuz am Bande verleihen. Sie ist Gemeindereferentin und in der "Pastoral Menschen mit Behinderung" eine Seelsorgerin mit Leib und Seele. Bei ihrer verdienstvollen Tätigkeit wird sie auch regelmäßig mit den dunklen Zeiten des Lebens konfrontiert, aber mit ihrer Arbeit bringt sie den Menschen wieder Licht ins Leben. Sie spendet Trost, wo Trauer ist. Wo Einsamkeit ist, ist sie Gemeinschaft. Wo Hoffnung zu zerbrechen droht, gibt sie neue Zuversicht. Das ist Nächstenliebe. Jana: Jana ist eine Schülerin in Bamberg. Durch eine Borreliose-Infektion in der Grundschule schreitet ihre Erblindung während ihrer Schulzeit immer weiter fort. Ein unfassbarer Schicksalsschlag, hat sie doch eine so große Leidenschaft für die Malerei. Sie hat noch rund 2 % Sehkraft, als sie auf die FOS kommt, um ihr Abitur abzulegen. Im Gespräch mit mir sagt sie: Ich werde mein Abi schaffen; denn ich will ein Zeichen setzen, dass man nie aufgeben darf. – Das ist Stärke. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Paul: An Pauls Schule sowie an weiteren Schulen in Bayern werden im Mai 2025 Flyer der Identitären Bewegung verteilt. (Lachen bei der AfD) Auf der Vorderseite steht: Lehrer hassen diese Fragen. Auf der Rückseite stehen rechtsextremistische Botschaften. (Franz Schmid (AfD): Blödsinn!) Die Identitären wollen mit Hass und Hetze Einfluss auf unsere jungen Menschen nehmen, doch die Schulfamilie wehrt sich. Paul und seine Klassenkameraden schicken die Extremisten lautstark weg. Schulleitungen intervenieren, verteilen Hausverbote und schalten die Polizei ein. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Am nächsten Tag hängen Paul und seine Mitschüler ein großes Banner auf. Auf diesem steht: Unsere Lehrer lieben diese Schule. Als die Identitären vor unseren Schultoren standen, sind sie gescheitert. (Zuruf von der AfD: An Ihrer Propaganda!) Sie sind an unserer starken Gemeinschaft gescheitert, die Zivilcourage und Haltung gezeigt hat. – Das ist wehrhafte Demokratie. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Alex: Alex fährt seit zwölf Jahren jeden Morgen um sechs Uhr selbstgeschmierte Pausenbrote an Schulen für Kinder aus, die zu Hause kein Frühstück erhalten. (Lachen bei der AfD) Auf meine Frage, woher er diese Motivation nimmt, sagt er mir, er hätte schon so viel Schlechtes erlebt, aber hier in Bayern sei ihm so viel Gutes widerfahren. Er möchte wenigstens ein bisschen zurückgeben. – Das ist Dankbarkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte nicht leugnen, dass wir in einer herausfordernden Zeit und in einer herausgeforderten Demokratie leben. Wir leben aber auch in einem verdammt starken Freistaat (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staats- ministers Dr. Fabian Mehring) mit so vielen wundervollen Menschen, die tief in unseren Werten verwurzelt sind, für diese Werte aktiv eintreten und Nächstenliebe leben. All unsere Ehrenamtlichen bei den Rettungsorganisationen, in Verbänden, Kirchen und Vereinen seien an dieser Stelle besonders erwähnt. Ihr seid die Helden des Alltags. Ihr macht unseren Freistaat so stark und lebenswert. Danke! (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU, den GRÜNEN und der SPD sowie des Staatssekretärs Tobias Gotthardt, der Staatsministerin Ulrike Scharf und des Staatsministers Dr. Fabian Mehring) Warum habe ich Ihnen heute diese vier Geschichten erzählt, liebe Kolleginnen und Kollegen? – Eine bekannte Schriftstellerin hat einmal gesagt: Unsere Geschichten formen das Leben. Wenn wir sie mutig erzählen, können wir die Welt verändern. – Die Geschichten, die ich Ihnen erzählt habe, passieren jedem von uns ständig, sind die vielen Geschichten unserer gemeinsamen Werte, die das Menschsein auszeichnen und das Leben lebenswert machen. Aber viel zu oft sehen wir sie nicht oder wir vergessen, sie zu erzählen. Dennoch erlebt man zurzeit immer wieder eine negative Stimmung. Es ginge alles den Bach runter. Manche sagen sogar, es bräuchte ein Wunder. – Aber das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Jeden Tag passieren in unserem Freistaat kleine und große Wunder von Menschen wie Paul, Bernadette, Jana und Alex. Sie sind Wundermacher. Bayern ist das Land der Wundermacher. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Lassen wir uns also nichts erzählen. Lassen Sie uns einfach alle wieder anfangen, die kleinen Dinge, die kleinen Wunder und die vielen Geschichten zu erzählen. Sie passieren täglich vor unserer Haustüre. Der weltweit renommierte Bildungsforscher John Hattie hat kürzlich bei einer Veranstaltung in Deutschland gesagt: Fahrt doch nicht immer nach Finnland, nach Shanghai, nach Singapur! Die besten Beispiele exzellenter Bildung findet ihr direkt bei euch. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Am Ende müssen wir die Welt in Bayern nicht verändern, sondern wir müssen die Augen öffnen und mutig sein, die Geschichten zu erzählen: unseren jungen Leuten, aber auch uns gegenseitig, die Geschichten der starken Werte, für ein starkes Miteinander, für ein starkes Bayern. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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