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Michael Koller

FREIE WÄHLER 09.12.2025 Sitzungen 19/65

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Frau Ministerin! Wenn wir heute über das Thema "Werte machen Schule – für Staat und Gesellschaft" reden, sprechen wir über weit mehr als ein pädagogisches Randthema. Wir sprechen über nicht weniger als das Fundament unseres Zusammenlebens in einem demokratischen Staat. Darauf möchte ich mich auch beziehen und nicht auf die Rede meiner Vorrednerin Bezug nehmen. Wertevermittlung geschieht bekanntlich nicht im luftleeren Raum, sondern im Leben. Sie wächst in den Familien und in unseren Vereinen. Sie wird in der Gesellschaft erprobt und in der Schule reflektiert, erkannt und bestenfalls auch angewandt. Werte werden also in der Schule gelebt. Unsere Schulen sind der einzige Ort, in dem alle jungen Menschen unseres Landes zusammenkommen. Dort entscheidet sich nicht nur, aber auch, ob unsere Kinder zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden, die Verantwortung übernehmen, Respekt vor dem anderen haben, sich entwickeln, konfliktfähig sind, Unterschiede auch einmal aushalten, solidarisch handeln können, kurzum Charaktereigenschaften entwickeln, die unsere Demokratie tragen. Bayern hat das im Lehrplan klar verankert. Das ist gut so. Vielen Dank an alle Verantwortlichen im Ministerium, aber auch besonders an unsere Kultusministerin Anna Stolz. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Die Wertevermittlung ist keine Randaufgabe und kein Zusatzfach, sondern ein fächerübergreifendes Prinzip; sie orientiert sich an den Zielen unserer Verfassung, am christlichen Menschenbild und an der unantastbaren Würde eines jeden Menschen. Das muss unsere Leitperspektive sein. Toleranz, Verantwortung, Hilfsbereitschaft, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Verlässlichkeit – all das wird nicht nur im Religionsunterricht oder Ethikunterricht gelehrt, sondern fächerübergreifend, nicht als unbegründete Moralkeule, sondern als tägliche Übung zum Denken und Handeln. Dafür sind Werte notwendig. Mir ist besonders wichtig, Folgendes festzuhalten: Werte lassen sich nur zum Teil unterrichten. Sie entfalten sich erst, wenn sie gelebt werden. Genau dort setzt die Initiative "Werte machen Schule" an. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler werden selbst aktiv, gründen Werte-AGs, entwickeln kreative Projekte und gestalten das Miteinander im Schulalltag. Ein herausragendes Beispiel dafür sind die Wertebotschafterinnen und Wertebotschafter. Schülerinnen und Schüler werden zu Multiplikatoren ausgebildet. Sie tragen Werte in ihre Klassen, ihre Schule, ihre Familien und ihre Peergroups. Sie zeigen: Zivilcourage ist keine Altersfrage, Respekt ist keine abstrakte Idee. Verantwortung beginnt nicht irgendwann, sie beginnt jetzt. Wertebildung ist systematisch verankerte Bildungsarbeit. Meine Damen und Herren, diese Arbeit braucht eine ethische Grundlage. Der in diesem Zusammenhang oft zitierte Satz lautet: "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu." – Das ist die Goldene Regel; sie ist einfach, eingängig, in vielen Religionen und Kulturen verankert und bringt es auf den Punkt, sie lehrt Rücksicht aus der eigenen Perspektive. Aber unsere Wertebildung geht im Sinne der Aufklärung noch weiter. Wir stellen uns nicht nur die Frage: Wie möchte ich behandelt werden? Wir stellen uns auch die Frage: Kann meine Handlung für alle gelten, ohne Widerspruch? – Diese Fähigkeit zur Verallgemeinerung, zum Perspektivwechsel und zum verantwortlichen Urteil brauchen junge Menschen in einer pluralen, digitalen und globalisierten Gesellschaft heute mehr denn je, besonders in Zeiten, in denen von gewissen Gruppierungen oft sehr einfache Vorgaben und Regeln vorgelebt werden. Wertebildung heißt deshalb nie Erziehung zur Anpassung, Wertebildung heißt Erziehung zur Mündigkeit. Sehr geehrte Damen und Herren, "Herz und Charakter bilden" ist kein pathetischer Leitspruch, es ist bildungspolitische Notwendigkeit. Wissen allein macht noch keinen verantwortungsbewussten Bürger. Erst das Zusammenspiel von Wissen, Haltung und Handlung schafft, was der Staat mehr denn je braucht: Menschen mit Rückgrat, Empathie, Gewissen, sicherer Urteilskraft und natürlich Vernunft. Nur solche Menschen sind Garanten einer demokratischen Grundordnung. Deshalb ist Wertebildung keine parteipolitische Frage, sondern staatspolitische Aufgabe. Wenn wir Respekt vermitteln und Gewalt keinen Platz geben wollen, müssen wir in unsere Schulen investieren; denn in der Schule entsteht unsere Zukunft. Die jungen Leute werden dort für ihre Zukunft ausgebildet. Werte machen Schule. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Gehen wir also gemeinsam diesen Weg. Ich lade alle herzlich dazu ein. Wenn Schule Werte macht, dann machen Werte Schule. In diesem Sinne möchte ich allen, die sich dafür engagieren, einen herzlichen Dank aussprechen und wünsche allen noch eine gute Sitzungszeit. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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