Martin Brunnhuber
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Wir müssen uns jetzt eines klarmachen: Die Erde dreht sich. Sie dreht sich jeden Tag eine Runde und hat sich schon ein paar Runden gedreht. Wenn man die Zeit früher anschaut: Da ist man mal um den Ofen gehockt und hat die Zeitung aufgeschlagen. Dann hat vielleicht der Papa vorgelesen aus der Zeitung. Diese Zeiten sind vorbei. Die Medien haben im Häuslichen einen hohen Stellenwert. Das sieht man nicht nur bei den Kindern, sondern auch ganz stark bei den Eltern, die den ganzen Tag nur rumwischen und wenig kommunizieren. Deshalb ist dieser geschützte Rahmen der Schule ein sehr wichtiger, weil wir in der Schule noch die Möglichkeit haben nachzujustieren. Eigentlich wollte ich das erst am Schluss machen. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte aus meiner eigenen Schulzeit. Ich war stellvertretender Schulleiter. Wir hatten eine Schülerin in einer Berufsvorbereitungsmaßnahme, die hochschwanger war. Die Schülerin hatte eine Totgeburt. Das Erste, was sie gemacht hat: Sie fotografiert das tote Kind und stellt das Foto in die WhatsApp-Gruppe. Da ist mir zum ersten Mal gekommen, dass wir in der Schule noch viel mehr leisten müssen als 1 : 1-Ausstattung oder die Bereitstellung von Tablets. Das ist keine Medienerziehung. Medienerziehung heißt medienethische Aspekte, wie verhalte ich mich im Netz, wie kann ich die Gefahren im Netz erkennen, und zum Beispiel auch: Welchen Mehrwert haben die Medien? Diese Diskussion würde ich gerne führen, anstatt nur ganz platt zu sagen: 1 : 1-Ausstattung heißt Digitalisierung, keine 1 : 1-Ausstattung heißt Nichtdigitalisierung. Das ist nämlich zu kurz gegriffen. Da muss man die Expertensicht auf dieses Thema sehen. Die Expertensicht schaut nämlich folgendermaßen aus: Wir brauchen Medien und Digitalisierung genau da, wo sie Sinn machen, nirgendwo anders. Das bedeutet den Grundsatz: Je kleiner die Schülerinnen und Schüler, desto weniger digitale Medien. Bei dem Einsatz von digitalen Medien in den höheren Jahrgangsstufen muss immer der Mehrwert hinterfragt werden. Nur das bloße Ersetzen – das haben wir in Schweden erkannt – eines Schulbuches, das man auf dem Tablet liest, ist für mich keine Digitalisierung. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Wir haben in Bayern sehr gute Konzepte. Das hat man auch erkannt. Das haben die Schweden nicht, das haben die Finnen nicht. Wir sind da in Bayern wirklich voraus. (Lachen des Abgeordneten Toni Schuberl (GRÜNE)) Wir haben das ISB, das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, das hier sehr viele Handreichungen bietet und Unterstützungsmaterialien erstellt, und zwar für den praktischen Einsatz vor Ort. Wir haben in der Bildungsforschung sehr viel Begleitforschung, die einen sinnvollen Einsatz von digitalen Medien an der Schule begleitet. Wir haben gute Konzepte. Deshalb lasse ich das nicht gelten – "Keine Rückkehr in die Kreidezeit – Medienbildung statt Medienverbot!" –, weil sich dieser Antrag nur auf das Tablet bezieht, (Widerspruch des Abgeordneten Benjamin Adjei (GRÜNE)) aber nicht auf die guten digitalen Konzepte, die wir jetzt bereits haben. Wir werden den Antrag ablehnen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU)
