Markus Walbrunn
Herr Vizepräsident, meine Damen und Herren! Auch Holzwege wollen zu Ende gegangen werden. Eine der zentralen Schwächen linken Denkens ist seit jeher der unbedingte Fortschrittsglaube, die Progressivität, die eben kein Innehalten und keine Umkehr zulässt, auch wenn man sich ganz offensichtlich verrannt hat und die Klippe am Horizont schon klar erkennbar wird. So nett ich den Titel dieses grünen Antrags auch finde, "Keine Rückkehr in die Kreidezeit – Medienbildung statt Medienverbot!", eigentlich, das wissen wir doch alle, wäre es für Sie passender gewesen, ihn folgendermaßen zu nennen: Die Digitalisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. (Beifall bei der AfD) Mit dem vorliegenden Antrag soll die Staatsregierung im Wesentlichen aufgefordert werden, den am 2. Juni angekündigten Kurswechsel bezüglich der digitalen Ausstattung unserer Schüler zurückzunehmen und an der schrittweisen 1 : 1-Ausstattung von Schülern mit digitalen Endgeräten ab der fünften Jahrgangsstufe festzuhalten. Offen gesprochen: Dass die GRÜNEN diesen Antrag nach den Ausschussreisen in die Schweiz und nach Schweden aufrechterhalten, kann ich mir eben nicht anders als mit ideologischem Starrsinn erklären. Die internationalen Vergleiche und Studien wie unter anderem Pisa und Hattie – es wurden gerade noch weitere genannt –, zeichnen mehrheitlich doch ein recht klares Bild, nämlich dass mehr Digitalisierung eben nicht mehr Leistung bedeutet. Es gibt keine empirische Evidenz dafür, dass die Nutzung von mehr digitalen Endgeräten im Übrigen auch zu einer Angleichung der Ergebnisse von Kindern aus wohlhabenden und sozial schwächeren Familien führen würde. Tatsächlich – der Kollege von Waldenfels hat eine davon angesprochen – sprechen mehrere Studien sogar genau für das Gegenteil. Die Behauptung, dass eine spätere 1 : 1- Ausstattung die Bildungsgerechtigkeit im Land behindern würde, ist also schon mal Unsinn. Aus diesem Grund verwundert es im Übrigen nicht, dass digitale Vorreiter wie eben Schweden mittlerweile schon wieder am Zurückrudern sind. Sie nennen es "ein Stück weit korrigieren". Ich hatte dann in Stockholm doch einen etwas anderen Eindruck. Da ist mir das Buch schon fast als das neue Heilsversprechen, als revolutionäres neues Medium verkauft worden, von dem Handyverbot, das vor Ort geplant wird, ganz zu schweigen. Kinder und Jugendliche müssen den Umgang mit modernen Mediengeräten, Suchmaschinen, KI usw. erlernen. Das steht außer Frage. Außer Frage steht auch, dass Schulen Werkzeuge unserer Zeit nutzen, um sich noch effizienter der Ausbildung der nächsten Generation verschreiben zu können – kein Thema. Aus Sicht der AfD aber sollte der Unterricht an den Grundschulen noch vollständig analog erfolgen, insbesondere aufgrund der in diesem Lebensalter besonderen Bedeutung haptischer Erfahrungen für die Entwicklung der Kinder. Auch danach spricht eben viel dafür, die Nutzung digitaler Gerätschaften im Unterricht moderat zu implementieren. Ab der fünften Klasse gleich von null auf hundert umzuschalten, ist weder nötig noch sinnvoll, die Kurskorrektur der Frau Ministerin also zu begrüßen. Es ist auch nicht so, dass das Tablet oder der Rechner jetzt komplett aus den Jahrgangsstufen fünf bis sieben verschwinden würden oder für Kinder sozial schwächerer Familien unzugänglich würden. Computerräume, Leihgeräte und diverse andere Unterstützungsmöglichkeiten bestehen nach wie vor. Aber seis drum. Die GRÜNEN wollen also die Kreidezeit beenden. Das namensgebende Zeitalter endete bekanntlich vor 66 Millionen Jahren mit der Auslöschung von drei Viertel aller Tierarten auf dem Planeten. Jetzt weiß ich nicht, ob sich die GRÜNEN als parteigewordene Naturkatastrophe verstehen. Ich würde sagen, einiges spricht dafür. Wir sollten aber dafür Sorge tragen, dass eine blinde Digitalisierung für unsere Schulen nicht einen Kahlschlag in der Bildung hinterlässt wie einst der Meteoriteneinschlag auf der Halbinsel Yukatán. Dafür braucht es Umsicht und eine nicht zu frühe Implementierung digitaler Endgeräte im Unterricht. Kinder brauchen einen Kompass aus haptischer Erfahrung, Konzentrationsfähigkeit und fundiertem Wissen, bevor man sie in den durchaus ergiebigen und vielseitigen Urwald der digitalen Welt entlässt. Die von den GRÜNEN als Rückwärtsrolle geschmähte Rückbesinnung auf einen weitgehend analogen Unterricht vor der achten Klasse ist richtig. Den vorliegenden Antrag braucht es hingegen nicht. Wie so oft sind die GRÜNEN auf dem Holzweg. Den vorliegenden Antrag lehnen wir entsprechend ab. (Beifall bei der AfD)
