Kristan Freiherr von Waldenfels
Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Bereits vor zehn Jahren hat die London School of Economics eine breit angelegte Studie durchgeführt. Sie kam zu dem Schluss, dass ein Handyverbot an Schulen signifikant besonders bei leistungsschwächeren Schülern und sozial schwächeren Schülern direkt zu unmittelbar besseren Testergebnissen – im Schnitt zu 6 % besseren Ergebnissen – führe. Das sei damit übrigens ein erheblicher Beitrag zu einer größeren Bildungsgerechtigkeit. – Das war, wie gesagt, bereits vor zehn Jahren. Schauen wir uns darüber hinaus an: 2018 wurden von der renommierten internationalen Fachzeitschrift "Educational Research Review" 54 Studien zusammengefasst, die 171.000 Schülerinnen und Schüler weltweit betroffen haben. Man kam zu dem eindeutigen Schluss, dass Medienkompetenz wichtig sei, aber dass insgesamt das Vermögen zum Textverstehen – die Textverstehens- und Texterschließungskompetenz – mit auf Papier gebundener Literatur im Gros, im Mittel besser gelinge. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Hört, hört!) Der Einzige, der hier Kreidezeit predigt, sind Sie, lieber Kollege Adjei. (Beifall bei der CSU – Zuruf des Abgeordneten Benjamin Adjei (GRÜNE)) Sie sprechen von Kreidezeit. Letztlich geht es aber nicht um die Frage, ob wir Medien in der Schule einsetzen; denn das tun wir ohnehin. Auch in der Unterstufe gibt es Leihgeräte über den DigitalPakt Schule, über die bayerischen Programme. 80 % der Schulen in Bayern sind bereits in der "Digitalen Schule der Zukunft". 12.000 Klassen haben in Bayern bereits eine Ausstattung von 1 : 1. Die Frage ist deshalb letztendlich nicht, ob wir Medienerziehung in der Schule brauchen, (Zuruf des Abgeordneten Benjamin Adjei (GRÜNE)) sondern die Frage lautet, wie viel wir brauchen. (Beifall bei der CSU – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Richtig!) Wenn wir nach der Studienlage gehen, dann sehen wir da doch den ganz deutlichen Auftrag. Wir als Bildungspolitiker können doch nicht einfach zusehen, wie der Bildungserfolg geschmälert wird, weil wir die Bücher aus der Schule herausschmeißen und alles nur digital machen wollen. (Beifall bei der CSU sowie Abgeordneten der FREIEN WÄHLER) Der Mittelweg ist doch auch hier das richtige Konzept. Wir stellen den Schulen ab der achten Klasse die entsprechenden Geräte zur Verfügung. Wie gesagt, 12.000 Klassen in Bayern sind bereits mit einer unglaublichen Durchsetzungskraft entsprechend ausgestattet. Zudem gibt es die Möglichkeit, wenn die Schulen die entsprechenden pädagogischen Konzepte haben, auch an der von Ihnen zitierten Mittelschule bereits ab der siebten Klasse diese Ausstattung von 1 : 1, diese bürokratiearme Ausstattung mit Schülergeräten vorzunehmen. Das heißt ganz eindeutig: Diesem Ansatz folgen wir im Übrigen auch mit der Änderung des Artikels 56 Absatz 5 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes, wonach wir dann eben auch eine Ausweitung des Handyverbots für die Unterstufe erzielen wollen. Insofern: Lassen wir uns nicht beirren. Lassen Sie uns auf die wissenschaftliche Basis und auf die Erfahrung und die größere Flexibilität der Lehrkräfte bauen, welche pädagogischen Konzepte sie letztlich einsetzen wollen. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Richtig!) Die sind alle an den Schulen vorhanden, und wir müssen nicht noch das tun, was uns Wissenschaftler nicht empfehlen, sondern wovon sie uns sogar abraten. Ich plädiere auf Ablehnung dieses Antrags. (Beifall bei der CSU – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Bravo!)
