Gabriele Triebel
Sehr geehrtes Präsidium, verehrte Kolleginnen und Kollegen! "Es gibt massiven Handlungsbedarf, um die passende Antwort auf diese Ergebnisse und auf die Ergebnisse der davor liegenden Bildungsstudien zu finden." Dieses Zitat kommt leider nicht aus Bayern, sondern von der Bundesbildungsministerin Karin Prien. Eigentlich müssten nach diesen Ergebnissen des jetzigen IQB-Bildungstrends auch bei Ministerin Stolz und Herrn Söder alle Alarmglocken läuten; denn immer mehr Schüler:innen verfehlen auch in Bayern die Mindeststandards. Gleichzeitig bröckelt der Anteil an top Leistungen, und der Einfluss der sozialen Herkunft nimmt messbar zu. Bayern verliert in der Bildung, also sowohl in der Breite als auch in der Spitze. Gerade Kinder aus weniger privilegierten Familien zahlen den höchsten Preis. Wer Bildung als Landesaufgabe ernst nimmt, muss jetzt wirksame Maßnahmen treffen, die alle Kinder und Jugendlichen nachweislich wieder nach vorne bringen, und zwar von Anfang an. (Beifall bei den GRÜNEN) Die Staatsregierung führte im Rahmen der sogenannten Pisa-Offensive die Sprachstandstests für alle Viereinhalbjährigen ein. Das ist das eine. Doch beim zweiten entscheidenden Schritt, der Förderung danach, geht einfach zu wenig vorwärts. Die bestehenden Vorkurse Deutsch werden weder qualitativ noch quantitativ ausgebaut. In den Grundschulen wird bei den kreativen Fächern der Rotstift angesetzt, ausgerechnet dort, wo Sprache, Wahrnehmung und Ausdruck ganzheitlich gefördert werden. Kolleginnen und Kollegen, mit diesen halbherzigen Maßnahmen kommen wir doch nicht vom Fleck. Wir wissen, dass die frühkindliche Bildung entscheidend dafür ist, wie Kinder später durch die Schule kommen werden. Wir wissen, dass sich jeder Euro, den wir in die frühkindliche Bildung stecken, später um ein Vielfaches auszahlen wird. Machen wir deswegen einen mutigen Schritt für unsere Kinder! Geben wir jedem Kind das Recht auf einen Platz in der Vorschule, die jeden Vormittag in der Woche stattfindet! In dieser verlässlichen Bildungszeit lassen sich spielerisch und altersgerecht Sprachbildung, frühe mathematische Grundideen, Motorik sowie sozioemotionale Kompetenzen systematisch fördern und aufbauen. Das Recht auf ein qualitativ hochwertiges Vorschuljahr würde unseren Kindern wie in der Schweiz, wie in Singapur, wie in Finnland, wie in Kanada und wie in Hamburg einen richtigen Bildungsbooster bescheren, und zwar unabhängig vom Elternhaus. Genau da müssen wir auch in Bayern hin. (Beifall bei den GRÜNEN) Verehrte Kolleginnen und Kollegen, Bildung findet nicht nur im Unterricht statt. Wir müssen auch in Bayern anerkennen, dass Kita und Ganztag nicht nur Betreuung, sondern in erster Linie wertvolle Bildungszeit sind. Deswegen gehören die Themen Kita, Schule und Ganztag in eine Hand, und zwar in die Hand eines starken Bildungsministeriums, damit es endlich eine klare Verantwortung für frühkindliche Bildung, Schule und Ganztagesbildung gibt. Kein Kompetenzgerangel mehr, sondern klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten! Wenn Bildung aus einer Hand gesteuert wird, gibt es einheitliche Ziele und klare Lernwege vom Kitastart bis zum Abschluss, und zwar mit klar abgestimmten Bildungsplänen und Diagnostik. Damit nehmen wir die Bildung der Kinder ganzheitlich in den Blick, nicht altersabhängig und nicht nur auf das Klassenzimmer beschränkt. Lassen Sie uns also alle Kräfte für die Bildung bündeln; denn die Herausforderungen in diesem Bereich sind immens groß. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, nach diesen IQB-Ergebnissen gibt es nichts mehr schönzureden. Das Gebot der Stunde ist, wirksam und nachhaltig in Bildung zu investieren; denn Bildung ist die einzige Ressource, die wir besitzen. Sie entscheidet über die Zukunft und das Wohlergehen unserer Gesellschaft. Lassen Sie uns deswegen in der Bildung endlich mutige Schritte gehen, damit unseren Kindern und Jugendlichen eine gute Zukunft ermöglicht wird. (Beifall bei den GRÜNEN)
