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Martin Brunnhuber

FREIE WÄHLER 21.10.2025 Sitzungen 19/61

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte es nicht in die Länge ziehen. Wer in Schweden besser aufgepasst hat, kann ich an dieser Stelle schwer entscheiden. Ich weiß nur: Diese Erklärung habe ich nicht verstanden, was eindeutig auf ein Matheproblem, vielleicht in Statistik, hindeuten würde; das weiß ich jetzt nicht zu hundert Prozent. Insgesamt zu dem Antrag. Beim Mehr-Chancen-Schaffen sind wir dabei. Mit dem Weg-mit-dem-Sitzenbleiben bin ich nicht einverstanden. Sie argumentieren mit wissenschaftlichen Studien, zitieren Herrn Hattie. Das ist so, als wenn man sagt: In der "Bild-Zeitung" steht dieses und jenes. Es gibt genauso Studien, die das Gegenteil belegen. Ich will jetzt aber gar nicht mit Studien argumentieren, sondern aus der Praxis. Es ist nämlich bei uns in Bayern die pädagogische Ausnahme, dass Schüler sitzen bleiben. Die pädagogische Ausnahme ist dahin gehend gegeben, dass man Kindern durch das Nichtsitzenbleiben die Chance verwehren würde, einen Neustart zu wagen. Da bin ich beim Kollegen Dünkel. Erstens. Wenn Wiederholen notwendig ist, überlegt man sich das in einem Kollegium ziemlich gut. Es kann sein, dass sozioökonomische Bedingungen momentan schlecht sind. Es kann sein, dass sich die Eltern haben scheiden lassen usw. Da bringt es gar nichts, wenn man Förderungen oder sonst etwas machen würde, sondern es kann sein, dass die Kinder einfach nicht aufnahmefähig sind. Deswegen gibt es auch diese hohe Prozentzahl an freiwilligem Wiederholen. Das schafft nämlich Chancen: Man hat einen Neuanfang, man hat wieder die Möglichkeit, sich im Fächerkanon zurechtzufinden und Lücken zu schließen. Ich habe viele Gespräche mit Menschen geführt, die sitzen geblieben sind, und viele Gespräche mit Menschen, die gerade eben nicht sitzen geblieben sind. Bei mir war es so: Ich bin gerade nicht sitzen geblieben, aber ich war immer am Limit. Mir hätte es wahrscheinlich gutgetan. Zweitens. Sitzenbleiben ist nie Automatismus, sondern wirklich die Ausnahme. Ich war selbst lange genug als Lehrer tätig: In einem Kollegium überlegt man sich ziemlich genau, ob es denn etwas bringt, wenn man den Schüler eine Ehrenrunde drehen lässt. Meistens kommt man zu dem Schluss: Es bringt nichts. Wir machen Vorrücken auf Probe. Wir machen noch einmal individuelle Förderungen. Wir machen irgendwelche Sonderprogramme, dass man die Schüler auch wirklich in dem Klassenkontext bewahrt. Wenn es aber sein muss, dann muss man halt die Entscheidung treffen. Die Entscheidung ist pädagogisch sehr ausgewogen und auch abgewogen. Drittens. In Bayern gibt es längst gezielte Förderungen. Sie nennen immer die Schlagworte "evidenzbasiert" und "wissenschaftlich". Das klingt alles ganz nett, aber diese Förderprogramme gibt es bei uns. Die Förderprogramme sind gut. Jetzt kommt der harte Fakt: Sie zitieren Hamburg als Aushängeschild. In Hamburg gibt es eine Schulabbrecherquote von 6,3 %. Das ist Platz drei von allen Bundesländern. Platz drei mit 6,3 % ist nicht schlecht. Wir in Bayern haben aber Platz eins mit 5,3 %. Bei uns gibt es die wenigsten Schulabbrecher. Das ist ein harter Fakt. Also ziehen die Maßnahmen, die wir ergreifen. Unsere Maßnahmen sind gut. Wir haben keinen Grund, irgendetwas zu ändern. Wenn es pädagogisch sinnvoll ist, muss man auch einmal sitzen bleiben. Edmund Stoiber ist in der 7. Klasse wegen Latein sitzen geblieben und trotzdem Ministerpräsident geworden. (Heiterkeit) Deshalb bitte ich darum, den Antrag abzulehnen. Wir alle wollen, dass die Schüler das Klassenziel erreichen. Nur wenn es nicht geht, dann muss man halt – – (Zuruf vom Präsidium) – Edmund Stoiber war Ministerpräsident. Habe ich das gesagt? (Zuruf vom Präsidium) – Ich bin drausgebracht worden. Er war Ministerpräsident. Ich bin fertig. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

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