Norbert Dünkel
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein wahrhaft spannendes Thema. Vielleicht schauen wir erst einmal, welche Situation wir überhaupt haben. Liebe Gabi Triebel, bevor ich zum Bereich der Schule komme, würde ich gerne einmal in den Bereich der Kitas schauen: Wir sehen in unseren Kindertagesstätten eine evidente Zunahme von Jungen und Mädchen, die immer mehr Verhaltensauffälligkeiten haben. Das Gleiche setzt sich in den Schulen fort. Dem ist Bayern gerecht geworden. Liebe Gabi Triebel, der Antrag der GRÜNEN bringt am Ende den Vorschlag: nicht wiederholen, sondern mehr Förderung. – Deshalb würde ich jetzt vielleicht ein bisschen taktisch schauen: Wo stehen wir denn eigentlich in der Förderung? Wir haben in München inzwischen in einer Klasse durchschnittlich 23 Schülerinnen und Schüler mit 23 Sprachen. Wir versuchen, dem gerecht zu werden. Wir haben in den letzten 13 Jahren 1.500 neue zusätzliche Stellen im Bereich der Inklusion geschaffen. Sie stehen zur Verfügung. Ich sage schon ein bisschen im Vorgriff auf das, was ich später vielleicht noch einmal wiederhole: Wir sind kaum in der Lage, Köpfe zu finden, die auf diesen freien Stellen mit der beruflichen Qualifikation, die wir brauchen, eingesetzt werden könnten, obwohl wir – das weißt du auch – neue Studienkapazitäten, neue Lehrstühle geschaffen haben. Wir finden keine jungen Leute mehr, die bereit sind, in diesen Bereichen zu studieren. Das ist etwas, was wir im Übrigen – wir müssen das ein bisschen verinnerlichen – in allen Berufsgruppen bekommen werden. Wir haben das heute in den Altenheimen, in den Pflegeheimen, in den Krankenhäusern, wir haben das in allen Berufsgruppen. Wir können der Politik keinen Vorhalt machen, wenn wir Geld zur Verfügung stellen und Stellen schaffen, es aber niemanden gibt, der bereit ist, das auch zu tun. Wir haben in Bayern die größte Zahl von Mobilen Sonderpädagogischen Diensten in Deutschland. Wir haben Schulsozialpädagoginnen und -pädagogen. Wir haben Schulpsychologinnen und -psychologen. Und um die weiterführenden Schulen auch einmal abzubilden: Wir haben Intensivierungsstunden an den Gymnasien, und wir haben Ergänzungs- und zusätzlich Förderunterricht an den Realschulen. Wir haben zusätzliche Förderstunden an allen Grundschulen und Mittelschulen in Bayern, und wir haben wirklich darstellbar einen starken, in Deutschland einzigartigen Aufbau von multiprofessionellen Teams an allen Schulen, der auch weitere Berufsgruppen subsumiert. Zweitens. Ich komme zum pädagogischen Ansatz: Ist Wiederholung positiv? Ist Wiederholung negativ? Ist Wiederholung stigmatisierend? Ist Wiederholung sinnlos? Ich möchte ein paar Dinge nennen, um etwas tiefer in die Thematik einzusteigen: Wir haben im Schuljahr 2024/2025 23.000 Schülerinnen und Schüler, die in Bayern freiwillig wiederholen. Dem stehen, und jetzt komme ich noch einmal auf das Thema Migration zurück, 16.000 gegenüber, die nicht freiwillig wiederholen; aber 23.000 Schüler und ihre Eltern sagen: Die Wiederholung eines Klassenlehrinhalts würde helfen. Ich zitiere das Leibniz-Institut: Das Leibniz-Institut bewertet die Wiederholung einer Klassenstufe "als zweite Chance", nicht als etwas Verpasstes. Ich spreche nicht für das Leibniz-Institut oder das Kultusministerium, sondern zitiere nur. Ich zitiere weiter: "Für einige Schüler und Konstellationen kann es sinnvoll sein, um Kompetenzen zu erwerben und sich für das nächste Schuljahr fit zu machen." Das sollten wir vielleicht ein bisschen berücksichtigen: Ergebnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine starke Förderkulisse, die wir betreiben. Eine starke, zunehmende Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die sagen: Wiederholung bringt mir etwas. Und wissenschaftliche Institute, die sagen: Das ist gut und sinnvoll. Die Schulen würden mit den bereits beschriebenen "Fördermaßnahmen, wie Intensivierungsstunden," dem Trend entgegensteuern, so noch einmal das Leibniz-Institut. Ich zitiere Befürworter aus dem Bereich der Lehrkräfte in den "Nürnberger Nachrichten" von heute: Die Lehrkräfte betonen, "dass die drohende Ehrenrunde ein wichtiges Instrument zur Motivation sei. Gerade die Faulen würden sonst einen Freifahrtschein erhalten und das Lernen gänzlich einstellen. Dadurch würden sie den Anschluss verlieren, besonders in Fächern, in denen die Inhalte aufeinander aufbauen." Ich fasse zusammen: Wir haben eine zunehmend inhomogene Schülerschaft. Wir haben eine Zunahme von Schülerinnen und Schülern mit Verhaltensauffälligkeiten. Wir haben eine Zunahme von Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern. Wir haben eine Zunahme beim Konsum von Handy und Internet, insbesondere bei jungen Schülerinnen und Schülern. Wir haben ein starkes Votum der Lehrkräfte, die Wiederholung beizubehalten. Wiederholung schafft die Möglichkeit, versäumte Kompetenzen zu erwerben. Wir haben ein ausgereiftes Fördersystem. Wir müssen nach unserer Überzeugung einen – und ich bezeichne ihn so – erfolgreichen Weg weiter beschreiten. Wir müssen ihn weiter ausbauen. Wir müssen Personal erweitern. Daran arbeiten wir gerade. Wir werden durch einen Vertiefungsmodus im Wiederholungsjahr weiter fördern. Das ist gut, das ist sinnvoll, das ist erfolgreich, das hat sich erwiesen. Manche, die hier sitzen, haben es erlebt und sagen: Das war nicht so schlecht. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
