Gabriele Triebel
Danke schön. – Bayern zementiert damit einmal mehr die Chancenungleichheit in der Bildung. Drittens. Sitzenbleiben ist einfach teuer. Im Durchschnitt bleiben in Bayern jedes Jahr über 20.000 Schüler:innen sitzen. Laut Statistischem Bundesamt gibt Bayern pro Schüler jährlich circa 10.400 Euro aus. Das Sitzenbleiben kostet den Freistaat also jedes Jahr über 200 Millionen Euro – Geld, das stattdessen in gezielte Förderung investiert werden könnte. Da muss unsere Anstrengung hingehen: in gezielte Förderung. (Beifall bei den GRÜNEN) Kolleginnen und Kollegen, wir wissen, Kinder lernen unterschiedlich schnell. Manche brauchen ein bisschen länger, andere weniger lang. Sitzenbleiben bestraft Unterschiede und nicht die Leistung. Das schafft Stress, Angst und Demotivation und damit genau das Gegenteil von dem, was Schule eigentlich will: fördern, befähigen, motivieren. Lassen wir das Sitzenbleiben deswegen in Bayern in der Mottenkiste verschwinden, und lassen Sie uns stattdessen, erstens, gezielte datengestützte Förderprogramme aufsetzen, die die Schwächen der Schüler:innen früh erkennen und individuell bearbeiten; zweitens, evidenzbasierte Mentoring-Programme einführen, bei denen ältere Schüler oder Lehrer gezielt unterstützen; drittens, flexible Lernzeiten und Nachhilfeangebote schaffen, die Kinder nicht zurückwerfen, sondern nach vorne bringen, wo es möglich ist, gezielt Lücken zu schließen, ohne ein ganzes Jahr zu verlieren; viertens und endlich, unsere Schulen nach einem bayernweiten Sozialindex unterstützen. Hamburg zeigt, wie es geht. Dort wurde durch eine kostenlose verpflichtende Lernförderung der Anteil der Klassenwiederholungen auf nur noch 1,2 % der Schüler:innen reduziert. Auch in Schweden – das konnten wir als Bildungsausschuss vor zwei Wochen selbst erleben – geht die Welt nicht unter, obwohl sie dort das Sitzenbleiben schon lange abgeschafft haben. Und Schweden ist in den Pisa-Ergebnissen vor Bayern. (Michael Hofmann (CSU): Schauen Sie mal die Schülerstruktur an!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir dürfen uns in der Bildungspolitik nicht von veralteten Sprüchen leiten lassen. Lassen Sie uns endlich Bildungspolitik auf der Grundlage von wissenschaftlichen Fakten betreiben. Sitzenbleiben hat in der Schule des 21. Jahrhunderts aus wissenschaftlicher Sicht nichts mehr zu suchen. (Michael Hofmann (CSU): Das ist wie in der Politik! Wenn Sie das Niveau weit genug senken, kann jeder mitreden!) Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche gestärkt, motiviert und gefördert werden. (Beifall bei den GRÜNEN) Das ist zukunftsfähige Bildung, die Chancen schafft – und zwar für alle Kinder. (Beifall bei den GRÜNEN)
