Maximilian Deisenhofer
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Holetschek, jede Generation hat ihren eigenen Olympia-Moment im Kopf. Wenn ich an die Olympischen Spiele denke, kommen mir zwei Bilder in den Kopf, die insgesamt auch schon 32 Jahre auseinanderliegen. Das erste ist vom Sommer 1992: Dieter Baumann stürmt in Barcelona auf den letzten Metern zu Gold über 5.000 Meter. Bei mir daheim ist meine ganze Familie ausgeflippt. Ich wusste als Fünfjähriger am Anfang gar nicht, was los ist. Das ist der erste Olympia-Moment, an den ich mich erinnere. Das zweite Bild ist vom vergangenen Sommer in Paris: Ich durfte zum ersten Mal als Fan bei Olympischen Spielen live dabei sein, im Stadion, auf den Straßen und in einer Stadt, in der die Welt auf sportliche und positive Art und Weise zusammengekommen ist. Diese Energie und das Gemeinschaftsgefühl machen die Olympische Idee im Kern aus und verursachen bei mir und vielen anderen Gänsehaut. Ja, das ist emotional. Aber gerade weil das Thema emotional ist, ist es wichtig, auch sachlich über die Frage zu reden, ob und unter welchen Bedingungen sich München um die Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben sollte. Ich bin dabei sehr stolz auf meine Fraktion, dass wir nicht unreflektiert in irgendeinen Jubelchor eingestimmt haben oder auf der anderen Seite reflexhaft Dinge abgelehnt haben, weil wir angeblich schon immer dagegen waren oder weil die anderen das von uns erwarten. Wir haben uns in mehreren Sitzungen ganz intensiv mit der Frage "Olympische und Paralympische Spiele in München und Bayern" auseinandergesetzt. Wir haben externe Fachleute eingeladen, wir haben die Argumente abgewogen, und am Ende haben wir einen klaren Beschluss gefasst: Wir unterstützen die Bewerbung Münchens und Bayerns um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele auf Grundlage eines positiven Bürgerentscheids am 26. Oktober 2025. (Beifall bei den GRÜNEN sowie des Abgeordneten Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER)) Denn – und ich glaube, die Lehre haben wir auch aus den gescheiterten Bewerbungen gezogen – ohne Rückhalt in der Bevölkerung macht die Bewerbung keinen Sinn. Wenn die Menschen in München am 26. Oktober Ja sagen, dann gehen wir gemeinsam diesen Weg weiter. Wenn sie am Sonntag in einer Woche Nein sagen, dann ist die Bewerbung am selben Abend beendet. Wir werden aber bis dahin für Zustimmung werben. Für uns waren dabei drei Punkte entscheidend: Erstens. Es geht diesmal um Sommer- und nicht um Winterspiele. Wir haben in der Vergangenheit klar gesagt – und das gilt weiterhin –: Winterspiele in den bayerischen Alpen sind angesichts der Klimakrise nicht mehr verantwortbar. Aber Sommerspiele können, gut und richtig gemacht, nachhaltig und zukunftsfähig gestaltet werden, und sie sind ökologisch weit weniger problematisch als Winterspiele. Zweitens. Der deutsche Sport hat beschlossen, sich sowieso zu bewerben. Aus unserer Sicht hat München das beste und das nachhaltigste Konzept dafür. Von allen Bewerberstädten in Deutschland verfügen wir in München über die meisten bestehenden Sportstätten, und das Sportreferat der Stadt München hat ein Konzept entworfen, das zu einem ganz überragenden Teil auf bestehenden Sportanlagen beruht. Wir sprechen von einem Konzept der kurzen Wege mit dem seit den Sommerspielen 1972 bestehenden Olympiapark als Herzstück. Drittens – ich hatte es eingangs schon erwähnt – nimmt München die Bevölkerung von Anfang an mit. Wir sind die erste Bewerberstadt, die einen echten Bürgerentscheid durchführt. Wir halten das für absolut richtig und werden uns am Ende dann auch an das Ergebnis gebunden fühlen. (Beifall bei den GRÜNEN) Natürlich sehen auch wir die Risiken. Wir wissen, dass das IOC, wie übrigens viele andere große Sportverbände, durchaus auch zu Recht in der Kritik steht. Über den Bewerbungsmodus innerhalb des DOSB kann man sicher auch diskutieren. Zum jetzigen Zeitpunkt überwiegen für uns aber ganz klar die Chancen. München hatte 1972 schon einmal die Olympischen Spiele. Aber in unserer bayerischen Geschichte gab es bisher noch nie die Paralympischen Spiele. Insbesondere durch die Austragung von Paralympischen Spielen erhoffen wir uns einen Schub für Inklusion und Barrierefreiheit, und zwar nicht nur in München, sondern in ganz Bayern. (Beifall bei den GRÜNEN) Auch um unsere Schwimm- und Sportstätten wollen wir uns stärker kümmern. Deswegen fordern wir, dass der Freistaat Bayern eine mögliche Bewerbung mit einer bayernweiten Schwimmbadoffensive flankiert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in München und Bayern können wir Großereignisse. Das haben die Olympischen Spiele 1972 gezeigt, das zeigt jedes Jahr die Wiesn, das haben in jüngster Zeit auch große Sportwettbewerbe wie die European Championships 2022 oder die Fußball-EM gezeigt; sie haben eine regelrechte Euphorie ausgelöst. Ich bin mir sicher, dass ich mich auch in zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren noch gerne an den Schlusssprint von Dieter Baumann in Barcelona 1992 zurückerinnern werde. Aber noch schöner wäre es, ich könnte mich dann auch an Olympische und Paralympische Momente aus München erinnern. Darum sage ich, darum sagen wir: Ja zu Olympischen und Paralympischen Spielen beim Bürgerentscheid am 26. Oktober! (Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der CSU und der FREIEN WÄHLER)
